Hexarelin (Entwickler-Code EP-23905, INN-Name Examorelin) ist ein synthetisches Hexapeptid aus sechs Aminosäuren mit einem Molekulargewicht von 887,03 Dalton. Unter den Wachstumshormon-Sekretagoga (GHS bzw. GHRPs) gilt Hexarelin als eines der potentesten Forschungs-Peptide für die akute Ausschüttung von Wachstumshormonen (GH). Neben der Erforschung bei Wachstumsstörungen wird Hexarelin in experimentellen Studien vor allem wegen seiner kardioprotektiven, herzschützenden Eigenschaften untersucht.
Was ist Hexarelin (Examorelin)?
Hexarelin ist ein synthetisch hergestelltes Peptid aus sechs Aminosäuren und zählt zu den stärksten bekannten Wachstumshormon-Sekretagoga (GHS). Diese Peptid-Wirkstoffe stimulieren im Organismus eine signifikante, akute Freisetzung von körpereigenem Wachstumshormon. Entwickelt wurde das Hexapeptid in den 1990er-Jahren von der italienischen Arbeitsgruppe um Emanuele Ghigo und unter der INN-Bezeichnung Examorelin in klinischen Studien erforscht. Die Aminosäuresequenz His-D-2-Methyl-Trp-Ala-Trp-D-Phe-Lys-NH2 ist strukturell an das körpereigene Hungerhormon Ghrelin angelehnt, wird jedoch vollständig synthetisch hergestellt.
Im Vergleich zu anderen GHRP-Peptiden besitzt Hexarelin ein Alleinstellungsmerkmal: Es bindet zusätzlich an den CD36-Rezeptor auf Kardiomyozyten (Herzmuskelzellen). Dadurch entfaltet Hexarelin kardioprotektive Effekte, die vollkommen unabhängig vom Wachstumshormon-Spiegel auftreten. In präklinischen Tierstudien sind diese herzschützenden Wirkungen umfassend dokumentiert [1][2].
Wie wird Hexarelin angewendet?
In den klinischen Studien der 1990er-Jahre wurde Hexarelin über unterschiedliche Verabreichungswege untersucht: intravenös (1-2 µg/kg), subkutan (1,5-3 µg/kg), intranasal (20 µg/kg) sowie oral (20-40 mg) [3]. Die subkutane Injektion stellt den am häufigsten erforschten Applikationsweg dar. Die subkutane Bioverfügbarkeit von Hexarelin liegt bei ca. 77 % - rund drei Viertel des Wirkstoffs gelangen somit direkt in den systemischen Blutkreislauf [3]. Die intravenöse Bolus-Gabe diente vorrangig pharmakodynamischen Tests, während intranasale und orale Formen eine deutlich geringere und schwankende Bioverfügbarkeit aufwiesen [3].
In der dokumentierten Graumarkt-Praxis außerhalb kontrollierter klinischer Studien wird Hexarelin überwiegend subkutan injiziert, meist mit 100-200 µg pro Einzelgabe, 1- bis 3-mal täglich auf nüchternen Magen (mindestens 2-3 Stunden Abstand zur letzten Mahlzeit). Diese Protokolle entbehren einer kontrollierten wissenschaftlichen Evidenz und werden hier rein deskriptiv aufgeführt. Häufig beschriebene Zyklus-Schemata wie „4-8 Wochen Einnahme, gefolgt von mindestens 4 Wochen Pause" dienen dem Zweck, der rapiden Rezeptor-Desensibilisierung entgegenzuwirken.
Es existiert für Hexarelin keine behördlich zugelassene Standarddosierung, da das Peptid weder in der EU noch in den USA als Arzneimittel zugelassen ist. Für die rechnerische Vorbereitung im Forschungskontext bietet der Injektions-Rechner Unterstützung beim Rekonstituieren und Ermitteln von Einheiten.
Vom Vial zur Anwendung: Wie rekonstituiere ich Hexarelin und berechne die Dosierung?
Hexarelin wird im Forschungsbedarf typischerweise als gefriergetrocknetes Pulver (Lyophilisat) in Vials zu 2 mg oder 5 mg geliefert. Vor einer Verwendung muss das Peptid mit einem sterilen Lösungsmittel aufgelöst (rekonstituiert) werden - standardmäßig mit bakteriostatischem Wasser (BAC-Wasser).
Rechenbeispiel für ein 5-mg-Vial Hexarelin:
- 5 mg Hexarelin gelöst in 2 mL BAC-Wasser ergibt eine Peptid-Konzentration von 2,5 mg/mL (2.500 µg/mL)
- Eine Zielmenge von 100 µg Hexarelin entspricht 0,04 mL (4 Insulineinheiten auf einer U-100-Spritze)
- Eine Zielmenge von 200 µg Hexarelin entspricht 0,08 mL (8 Insulineinheiten auf einer U-100-Spritze)
Rechenbeispiel für ein 2-mg-Vial Hexarelin:
- 2 mg Hexarelin gelöst in 1 mL BAC-Wasser ergibt eine Peptid-Konzentration von 2 mg/mL (2.000 µg/mL)
- Eine Zielmenge von 100 µg Hexarelin entspricht 0,05 mL (5 Insulineinheiten auf einer U-100-Spritze)
Beim Rekonstituieren sollte das BAC-Wasser langsam an der inneren Glaswand des Vials herablaufen und die Lösung durch sanftes Schwenken vermischt werden - starkes Schütteln vermeiden. Die rekonstituierte Peptidlösung ist gekühlt bei 2-8 °C zu lagern und innerhalb von etwa 28 Tagen aufzubrauchen. Detaillierte Hinweise zur Handhabung bieten die Anleitungen zum Anmischen und Lagern von Peptiden.
Diese Rechenbeispiele dienen ausschließlich der Harm Reduction und Informationsvermittlung. Sie stellen keine medizinische Dosierungs- oder Anwendungsempfehlung dar.
Wie wirkt Hexarelin? Wirkungsweise und Rezeptor-Mechanismen
Hexarelin fungiert als Ghrelin-Mimetikum und bindet hochaffin an den Ghrelin-Rezeptor (GHS-R1a) in Hypothalamus und Hypophyse, dem zentralen hormonellen Steuerzentrum. Die Rezeptorbindung induziert eine pulsatile Ausschüttung von Wachstumshormon (GH) und sekundär IGF-1. Hexarelin weist dabei eine etwa 30-fach höhere Bindungsaffinität zum GHS-Rezeptor auf als das Vorläufer-Peptid GHRP-6, was die ausgeprägte Potenz erklärt.
Eine Besonderheit im Vergleich zu anderen GHRPs ist die Bindung von Hexarelin an den CD36-Rezeptor auf Kardiomyozyten. Über diesen Signalweg vermittelt das Peptid kardioprotektive Effekte bei Ischämie- und Reperfusionsschäden am Herzmuskel, die nachweislich unabhängig von der Wachstumshormon-Sekretion ablaufen [1][2].
Als typischer Klasseneffekt stimuliert Hexarelin parallel die Freisetzung von ACTH, Cortisol und Prolaktin. Im Vergleich zu selektiveren Wirkstoffen wie Ipamorelin gilt Hexarelin daher als hormonell weniger spezifisch, was bei der pharmakologischen Bewertung berücksichtigt werden muss.
Was zeigen Studien zur Wirksamkeit von Hexarelin?
Die kurzfristige Wirksamkeit von Hexarelin zur Steigerung der Wachstumshormon-Spiegel ist in klinischen Humanstudien fundiert nachgewiesen. In der Pionierstudie von Ghigo et al. (1994) steigerte eine intravenöse Gabe von 1 µg/kg Hexarelin den GH-Spiegel auf etwa das Doppelte einer äquivalenten Dosis GHRH [3]. Die subkutane Injektion von 1,5 µg/kg erzielte eine vergleichbare GH-Reaktion wie 1 µg/kg intravenös, was die hohe Bioverfügbarkeit von 77 % untermauert [3].
Die hormonelle Ansprechrate auf Hexarelin ist stark altersabhängig: Junge Probanden zeigen eine signifikant stärkere GH-Sekretion als ältere Personen, bei denen der Hormonanstieg messbar geringer ausfällt.
Für dauerhafte Effekte auf Muskelaufbau oder Körperkomposition fehlt der wissenschaftliche Nachweis. In einer 16-wöchigen Humanstudie mit zweimal täglicher Gabe von 1,5 µg/kg SC zeigte sich eine ausgeprägte Tachyphylaxie (Rezeptor-Desensibilisierung): Nach 2-4 Wochen kontinuierlicher Zufuhr sinkt die GH-Antwort drastisch ab, weshalb eine dauerhafte Anwendung pharmakologisch ineffektiv ist.
Die protektiven Herz-Effekte von Hexarelin über den CD36-Rezeptor wurden bislang ausschließlich in Tiermodellen und In-vitro-Versuchen nachgewiesen; klinische Humanstudien zur Kardioprotektion liegen nicht vor [1][2].
| Wirkstoff | Klasse / Mechanismus | Effektgröße (akutes GH-Peak) | Einfluss auf Stresshormone (Prolaktin/Cortisol) | Status |
|---|---|---|---|---|
| Hexarelin | GHRP / GHS-R1a + CD36-Agonist | Sehr hoch (ca. 55 ng/mL) | Starker Anstieg (hormonell „unsauber") | Forschung, WADA-verboten |
| Ipamorelin | GHRP / selektiver GHS-R1a-Agonist | Mittel (synergetisch steigerbar) | Minimal bis keine Ausschüttung | Forschung, WADA-verboten |
| GHRP-6 | GHRP / GHS-R1a-Agonist (Vorgänger) | Hoch (aber 30-fach schwächere Affinität) | Mäßiger bis starker Anstieg | Forschung, WADA-verboten |
Welche Dosierungen wurden für Hexarelin untersucht?
In den klinischen Studien der 1990er-Jahre wurden für Hexarelin folgende Dosierungen und Verabreichungsformen dokumentiert [3]:
| Applikationsweg | Dosis | Frequenz | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Intravenös (Bolus) | 1-2 µg/kg | Einmalig | Pharmakodynamik-Studien, diagnostischer Test |
| Subkutan | 1,5-3 µg/kg | Einmalig bis 2x täglich | Höchste Bioverfügbarkeit (~77 %), häufigster Weg |
| Intranasal | 20 µg/kg | Einmalig | Niedrigere, inkonsistente Bioverfügbarkeit |
| Oral | 20-40 mg | Einmalig | Geringste Bioverfügbarkeit |
In der 16-wöchigen Dauerstudie wurden 1,5 µg/kg subkutan zweimal täglich verabreicht - entsprechend rund 100-120 µg pro Gabe bei 70 kg Körpergewicht. Ab Dosen über 1 µg/kg IV bzw. 1,5 µg/kg SC tritt ein Sättigungseffekt bei der GH-Ausschüttung ein, während die Nebeneffekte auf Cortisol und Prolaktin zunehmen.
In nicht-klinischen Anwenderberichten werden häufig Dosierungen von 100-200 µg SC (1-3-mal täglich) in Intervallen von 4-8 Wochen mit mehrwöchigen Pausen genannt, um die Desensibilisierung abzuschwächen. Diese Schemata entstammen Erfahrungsberichten und besitzen keine arzneimittelrechtliche Validierung.
Welche Nebenwirkungen und Risiken hat Hexarelin?
Die in wissenschaftlichen Studien und Anwenderberichten dokumentierten Nebenwirkungen von Hexarelin umfassen:
- Erhöhung von Stresshormonen: Anstieg von Prolaktin, ACTH und Cortisol durch mangelnde Selektivität im Vergleich zu Ipamorelin
- Rasche Desensibilisierung (Tachyphylaxie): Deutlicher Wirkungsverlust der GH-Ausschüttung nach 2-4 Wochen Daueranwendung als bekannte Eigenschaft des Peptids
- Lokale Injektionsreaktionen: Vorübergehendes Brennen oder Rötungen an der subkutanen Einstichstelle
- Sedierung und Müdigkeit: Auftreten von Schläfrigkeit unmittelbar nach der Injektion
- Appetitsteigerung: Gesteigertes Hungergefühl durch Agonismus am Ghrelin-Rezeptor
Der typische Anwendungsfehler besteht in einer ununterbrochenen Dauereinnahme ohne Zykluspausen, da Hexarelin die schnellste Tachyphylaxie unter den GHRP-Peptiden aufweist. Kriterien zur Beurteilung von Peptid-Bezugsquellen und Qualitätsmerkmalen liefert das herstellerunabhängige Vendor-Radar zur Peptid-Sicherheit.
Wie ist der rechtliche Status von Hexarelin (Examorelin)?
Hexarelin (Examorelin) besitzt weder in der Europäischen Union (Zulassung durch die EMA) noch in den USA (FDA) eine pharmazeutische Arzneimittelzulassung. Es existieren keine zugelassenen medizinischen Indikationen, da die klinische Weiterentwicklung nach Phase-II-Studien Ende der 1990er-Jahre eingestellt wurde.
Im Handel wird Hexarelin primär als Forschungschemikalie („Research Peptide") deklariert. Die Verwendung am Menschen im Graumarkt erfolgt ohne pharmazeutische Qualitätsprüfung und ohne ärztliche Begleitung. Weiterführende Profile zu verwandten GHRP-Wirkstoffen bietet die strukturierte Peptid-Bibliothek, darunter die Übersicht zu GHRP-6.
Evidenz im Überblick
Redaktionell aus Primärquellen belegt - keine ärztliche Beratung.
Verwandte Peptide
Quellen
- Mao Y et al. The cardiovascular action of hexarelin. J Geriatr Cardiol 2014. PMID 25278975
- Huang J et al. The Growth Hormone Secretagogue Hexarelin Protects Rat Cardiomyocytes From in vivo Ischemia/Reperfusion Injury Through Interleukin-1 Signaling Pathway. Int Heart J 2017. PMID 28321024
- Ghigo E et al. Growth hormone-releasing activity of hexarelin, a new synthetic hexapeptide, after intravenous, subcutaneous, intranasal, and oral administration in man. J Clin Endocrinol Metab 1994. PMID 8126144
- Arvat E et al. Clinical usefulness of the arginine, GHRH, and hexarelin tests in the diagnosis of GH deficiency. PMID 9425393
- Imbimbo BP et al. Pharmacokinetics and pharmacodynamics of hexarelin in humans. PMID 8762732
- Ghigo E et al. Growth hormone-releasing activity of hexarelin in man. PMID 7962341
- Arvat E et al. Effects of hexarelin on growth hormone, prolactin, and cortisol secretion in man. PMID 8706295
- Broglio F et al. Hexarelin, a synthetic growth hormone-releasing peptide, shows no interaction with corticosteroid therapy. PMID 9624598
- Muccioli G et al. Specific receptors for synthetic GH secretagogues in the human brain and pituitary gland. PMID 10990150
- Bodart V et al. CD36 mediates the cardiovascular action of growth hormone-releasing peptides in the heart. PMID 15506422
- Locatelli A et al. Growth hormone responses to hexarelin in patients with GH deficiency. PMID 7957536
- Gnanapavan S et al. The hormonal and cardiovascular effects of hexarelin in healthy volunteers. PMC4178518