Wachstumshormon & Longevity

Tesamorelin

Tesamorelin (Egrifta, Egrifta SV, Egrifta WR) ist ein verschreibungspflichtiges, synthetisches Peptid, das die koerpereigene Wachstumshormonausschuettung anregt und gezielt zur Reduktion von viszeralem Bauchfett bei HIV-Patienten mit Lipodystrophie zugelassen ist.

Auf Etiketten, in Preislisten und in der Community auch als: TSM, TESA

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Übliche Anwendung Studien und Praxis

Wie dieses Peptid üblicherweise angewendet wird - beschrieben, nicht empfohlen.

Wie viel
1,28-2 mg pro Tag
Wie oft
einmal täglich
Darreichungsform
Injektion

Tesamorelin wird einmal täglich subkutan (unter die Haut) in den Bauch gespritzt. Die FDA hat drei Produkte mit 1,28 mg, 1,4 mg oder 2 mg pro Tag zugelassen, die nicht austauschbar sind. Die klinischen Studien und die Graumarkt-Praxis nutzen jeweils 2 mg täglich, wobei die Graumarkt-Anwendung medizinisch nicht belegt ist. Eine Dosissteigerung gibt es nicht, die volle Menge kommt ab dem ersten Tag. Die Anwendungsdauer ist nicht begrenzt, sondern soll laufen, solange der Nutzen besteht.

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Stand

Was ist Tesamorelin?

Tesamorelin (bekannt unter den Handelsnamen Egrifta, Egrifta SV und seit 2025 Egrifta WR) ist ein synthetisches Peptidhormon und ein stabiler Verwandter des menschlichen Wachstumshormon-Releasing-Faktors (GHRH). Es ist das erste und einzige verschreibungspflichtige Medikament, das speziell für die Reduktion von krankhaftem, tiefliegendem Bauchfett bei HIV-Patienten mit Fettverteilungsstörungen (Lipodystrophie) zugelassen wurde [1][6].

HIV-Patienten leiden oft unter Lipodystrophie. Bei dieser Fettverteilungsstörung sammelt sich gefährlich viel Eingeweidefett (viszerales Fett) an. Das kann zu Stoffwechselkomplikationen führen, etwa zu Insulinresistenz und erhöhten Blutfettwerten. Tesamorelin greift hier gezielt ein: Es regt die körpereigene Wachstumshormonausschüttung an, die wiederum den Fettabbau fördert - bevorzugt im viszeralen Bereich.

Wie wird Tesamorelin angewendet?

Tesamorelin wird ausschließlich subkutan (unter die Haut) injiziert, typischerweise in die Bauchdecke. Die Injektionsstelle sollte täglich gewechselt werden, um Hautreizungen zu vermeiden [1].

Der evidenzbelegte und zugelassene Anwendungsweg ist die subkutane Injektion. Es gibt drei FDA-zugelassene Formulierungen, die sich in Vial-Größe, Rekonstitution und Tagesdosis unterscheiden:

FormulierungVial-GrößeTagesdosisRekonstitutionZugelassen seit
Egrifta (Original)2 x 1 mg2 mgjeweils 2,2 mL steriles Wasser2010
Egrifta SV1 x 2 mg1,4 mg (0,35 mL)0,5 mL steriles Wasser2018
Egrifta WR1 x 11,6 mg1,28 mg (0,16 mL)laut Hersteller-Anleitung2025

Die Studien, auf denen die Zulassung basiert (LIPO-010, CTR-1011), verwendeten 2 mg täglich subkutan über 26 Wochen [4]. Die neueren Formulierungen (SV, WR) liefern niedrigere Wirkstoffmengen pro Injektion, sind aber untereinander nicht austauschbar [1].

Im Graumarkt (Forschungs-Vials) wird Tesamorelin ebenfalls subkutan injiziert, typischerweise mit BAC-Wasser (bakteriostatischem Wasser) rekonstituiert. Diese Praxis ist unbelegt und nicht zugelassen - sie entspricht keiner klinischen Studien- oder Zulassungsrealität.

Vom Vial zur Anwendung: Rekonstitution und Dosis berechnen

Tesamorelin wird als lyophilisiertes Pulver (gefriergetrocknet) geliefert und muss vor der Injektion mit einem Lösungsmittel aufgelöst (rekonstituiert) werden. Im zugelassenen Produkt wird steriles Wasser für Injektionen mitgeliefert [1].

Beispielrechnung Egrifta SV (zugelassenes Produkt):

  • Vial: 2 mg Tesamorelin als Pulver
  • Rekonstitution: 0,5 mL steriles Wasser -> Konzentration = 4 mg/mL
  • Tagesdosis: 1,4 mg -> 1,4 mg / 4 mg/mL = 0,35 mL
  • Auf einer U-100 Insulinspritze: 0,35 mL = 35 Strich (Einheiten)
  • Die Lösung muss sofort verwendet und Reste verworfen werden [1]

Beispielrechnung Forschungs-Vial 2 mg (unbelegte Anwender-Praxis):

  • Vial: 2 mg Tesamorelin als Pulver
  • Rekonstitution: 2 mL BAC-Wasser -> Konzentration = 1 mg/mL
  • Angestrebte Dosis: 2 mg -> 2 mg / 1 mg/mL = 2,0 mL
  • Auf einer U-100 Insulinspritze: 2,0 mL = 200 Strich (Einheiten) - das entspricht zwei vollen 1-mL-Spritzen

Diese Graumarkt-Praxis ist nicht belegt und wird hier nur dokumentiert, nicht empfohlen. Wenn du mit einem Vial arbeitest und die Dosis berechnen möchtest, hilft dir der Injektions-Rechner weiter. Allgemeine Hinweise zum Anmischen und Lagern findest du in den Anleitungen.

Wie wirkt Tesamorelin?

Tesamorelin funktioniert wie ein Botenstoff, der der Hirnanhangsdrüse signalisiert, mehr körpereigenes Wachstumshormon auszuschütten. Es ist ein synthetisches 44-Aminosäuren-Peptid und entspricht dem menschlichen GHRH (Wachstumshormon-Releasing-Hormon). Um einen schnellen enzymatischen Abbau im Körper zu verhindern, wurde am vorderen Ende des Moleküls (dem sogenannten N-Terminus) eine spezifische trans-3-Hexensäure-Einheit angehängt, die das Molekül stabilisiert.

Es bindet an GHRH-Rezeptoren im vorderen Teil der Hirnanhangsdrüse (Hypophysenvorderlappen) und stimuliert dort die natürliche, pulsatile Freisetzung von körpereigenem Wachstumshormon (GH). Dieses GH regt wiederum die Leber zur Produktion von IGF-1 an, welches den Fettabbau - bevorzugt im viszeralen Bauchfett - fördert.

Wie wirksam ist Tesamorelin?

Die Zulassungsstudien (LIPO-010 und CTR-1011) mit über 800 HIV-Patienten zeigten über 26 Wochen eine Reduktion des viszeralen Bauchfetts um ca. 15-18 % (etwa 26 cm² in absoluten Zahlen) gegenüber Placebo [4][6]. Zudem zeigten sich positive Effekte auf die Blutfettwerte und das Leberfett.

Eine Metaanalyse von fünf randomisierten kontrollierten Studien (Stand 2026) bestätigte diese Ergebnisse: signifikante Reduktionen von viszeralem Fettgewebe (-27,71 cm²), Rumpffett (-1,18 kg), Leberfettanteil (-4,28 %) und Taillenumfang (-1,61 cm) im Vergleich zu Placebo [2]. Eine 2024 veröffentlichte Studie an Patienten unter Integrase-Inhibitoren (einer modernen HIV-Medikamentenklasse) bestätigte die Wirksamkeit auch unter dieser Therapieform [3].

Für die reine Gewichtsabnahme (Weight Loss) bei adipösen Patienten ohne HIV ist Tesamorelin explizit nicht zugelassen [1].

Dosierung: was die Studien zeigen - und der Verlauf

In den klinischen Studien (LIPO-010, CTR-1011) wurde Tesamorelin in einer Dosis von 2 mg als subkutane Injektion im Bauchbereich verabreicht [4]. Die Injektionen wurden von den Patienten selbst appliziert. Es gibt keine Aufdosierung (Titration) - die volle Dosis wird ab dem ersten Tag gegeben.

Die aktuelle FDA-Zulassung umfasst drei Formulierungen mit unterschiedlichen Tagesdosen: Egrifta (2 mg), Egrifta SV (1,4 mg) und Egrifta WR (1,28 mg) [1]. Diese sind nicht untereinander austauschbar. Vor Therapiestart sollten IGF-1-Werte bestimmt und Hypophysentumoren ausgeschlossen werden [1].

Studien zeigen, dass der Effekt nach Absetzen von Tesamorelin reversibel ist - das viszerale Fett kehrt im Laufe der Zeit zurück. Eine kontinuierliche Anwendung wird daher empfohlen, solange der therapeutische Nutzen besteht [4].

Nebenwirkungen und häufige Fehler

Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen lokale Hautreaktionen wie Rötungen und Juckreiz an der Einstichstelle (in einer Studie 30,0 % vs. 24,1 % unter Placebo) sowie systemische Beschwerden wie Gelenkschmerzen (Myalgie, in einer Studie 10,8 % vs. 0 % unter Placebo) und Flüssigkeitsretention/Ödeme [4]. Weitere berichtete Nebenwirkungen umfassen Übelkeit, Müdigkeit und vorübergehende Erhöhungen des Blutzuckers.

Kontraindikationen umfassen aktive maligne Erkrankungen, Hypophysentumoren, Schwangerschaft und bekannte Überempfindlichkeit gegen Tesamorelin oder Mannitol [1].

Häufige Anwenderfehler sind das Nicht-Rotieren der Injektionsstelle, was zu verstärkten Hautreaktionen führen kann, sowie das Verwenden von BAC-Wasser statt des mitgelieferten sterilen Wassers (nur bei zugelassenem Produkt relevant). Weitere Hinweise zum sicheren Umgang findest du in den Anleitungen. Verwandte Wirkstoffe findest du in der Peptid-Bibliothek.

Zulassung und rechtlicher Status

Tesamorelin ist in den USA (FDA) seit November 2010 unter dem Handelsnamen Egrifta für die Behandlung der HIV-assoziierten Lipodystrophie bei Erwachsenen offiziell zugelassen [1][6]. 2018 folgte Egrifta SV als verbesserte Formulierung, und im März 2025 wurde Egrifta WR (Tesamorelin F8) als weitere Formulierung zugelassen, die eine wöchentliche Rekonstitution statt einer täglichen ermöglicht [7].

In der Europäischen Union (EMA) wurde der Zulassungsantrag 2012 vom Hersteller zurückgezogen. Tesamorelin ist dort nicht zugelassen. Die langfristige kardiovaskuläre Sicherheit ist laut FDA-Label noch nicht abschließend erwiesen [1].

Aktuelle Entwicklungen (2024-2026)

Die Forschung zu Tesamorelin ist aktiv. Eine 2025 veröffentlichte Studie untersuchte die Effekte auf neurokognitive Beeinträchtigungen bei HIV-Patienten mit abdominaler Adipositas - die kognitiven Verbesserungen unterschieden sich jedoch nicht signifikant zwischen Tesamorelin und Placebo [5].

Mehrere klinische Studien laufen derzeit: Die TRIUMPH-Studie (NCT06554717) prüft Tesamorelin in Kombination mit Bewegung zur Verbesserung der körperlichen Funktion bei HIV-Patienten, eine Phase-II-Studie (NCT07481734) untersucht die Reduktion von Leberfett bei Fettlebererkrankung, und eine Studie der Johns Hopkins University (NCT03150511) erforscht die Wirkung auf die Nervenregeneration nach peripheren Nervenverletzungen [8][9][10].

Eine neue Metaanalyse aus dem Jahr 2026 (fünf RCTs) bestätigte die Wirksamkeit und Sicherheit von Tesamorelin bei HIV-assoziierter Lipodystrophie mit signifikanten Verbesserungen der Körperzusammensetzung und des Leberfetts [2].

Evidenz im Überblick

Forschungsstand
Tesamorelin ist in den USA (FDA) seit 2010 zur Reduktion von viszeralem Bauchfett bei HIV-Patienten mit Lipodystrophie zugelassen [1][6]. Die Zulassung basierte auf zwei klinischen Studien mit 816 HIV-infizierten Erwachsenen [4]. 2018 folgte Egrifta SV, im März 2025 Egrifta WR als dritte Formulierung [7]. In Europa (EMA) wurde der Zulassungsantrag 2012 vom Hersteller zurückgezogen. Mehrere klinische Studien laufen derzeit (NCT06554717, NCT07481734, NCT03150511) [8][9][10]. Eine neue Metaanalyse (2026) aus fünf RCTs bestätigte die Wirksamkeit [2].
Human-Evidenz
Tesamorelin reduziert bei Erwachsenen mit HIV nachweislich das viszerale Fettgewebe, also das Bauchfett. Eine Metaanalyse von fünf randomisierten kontrollierten Studien aus dem Jahr 2026 zeigt im Vergleich zu Placebo eine Abnahme um 27,71 cm². Auch das Rumpffett sinkt um 1,18 kg, das Gliedmaßenfett um 0,22 kg und der Taillenumfang um 1,61 cm. Zusätzlich verringerte sich der Leberfettanteil um 4,28 % [2]. Eine Studie von 2024 mit 38 Patienten bestätigt diese Wirkung auch unter moderner HIV-Therapie mit Integrase-Inhibitoren: Das viszerale Fett nahm um 25 cm² ab, das Leberfett um 4,2 % [3]. Bei den neurokognitiven Effekten zeigte eine Untersuchung aus dem Jahr 2025 jedoch keine signifikanten Verbesserungen durch Tesamorelin gegenüber Placebo [5].
Dosierungen in Studien & Praxis
Die **Tesamorelin Dosierung** basiert maßgeblich auf den klinischen Studien LIPO-010 und CTR-1011, in denen täglich 2 mg als subkutane Injektion in den Bauchbereich verabreicht wurden [4]. Bei den von der FDA zugelassenen Formulierungen gibt es spezifische Unterschiede in der Wirkstoffmenge: Das Original Egrifta wird mit 2 mg täglich dosiert, Egrifta SV mit 1,4 mg (0,35 mL) und Egrifta WR mit 1,28 mg (0,16 mL) pro Tag [1]. Diese drei Varianten sind nicht untereinander austauschbar. Eine Titration (schrittweise Dosissteigerung) ist nicht vorgesehen, sodass die volle Dosis ab dem ersten Behandlungstag gegeben wird. Im Graumarkt werden Forschungs-Vials (2-10 mg) typischerweise mit BAC-Wasser rekonstituiert und 2 mg täglich subkutan injiziert, was eine medizinisch unbelegte Anwender-Praxis darstellt.
Risiken & Nebenwirkungen
Zu den häufigsten Tesamorelin-Nebenwirkungen zählen laut Zulassungsstudien Reaktionen an der Injektionsstelle (30,0 % vs. 24,1 % in LIPO-010), Myalgie (Muskelschmerzen, 10,8 % vs. 0 % unter Placebo) sowie Flüssigkeitsretentionen und Ödeme. Darüber hinaus können unter der Anwendung von Tesamorelin Übelkeit, Müdigkeit und vorübergehende Blutzuckererhöhungen auftreten [4]. Wichtige Tesamorelin-Kontraindikationen umfassen aktive maligne Erkrankungen, Hypophysentumoren, eine bestehende Schwangerschaft sowie Überempfindlichkeiten gegen Tesamorelin oder den Hilfsstoff Mannitol [1]. Zudem ist die langfristige kardiovaskuläre Sicherheit des Wirkstoffs bisher nicht abschließend erwiesen [1].
Forschungslücken
Bei der fettfreien Körpermasse widersprechen sich die Daten zu Tesamorelin: Eine Meta-Analyse [2] zeigt eine deutliche Zunahme (+1,42 kg), während das FDA-Label [1] für die Einzelstudien bis Woche 26 keine Veränderung feststellt (-0,1 kg in Studie 1, +0,1 kg in Studie 2). Die Wirkung auf das Gehirn [5] ist weiterhin unklar, und die langfristige Sicherheit für das Herz [1] ist nicht belegt. Laufende Studien prüfen derzeit neue Einsatzgebiete wie Leberfett, Nervenregeneration und körperliche Funktion [8][9][10], aber spezifische Daten für Nicht-HIV-Patienten fehlen weiterhin.

Redaktionell aus Primärquellen belegt - keine ärztliche Beratung.

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