Wachstumshormon & Longevity

Ipamorelin

Ipamorelin ist ein kleines, im Labor hergestelltes Peptid aus fünf Aminosäuren. Es soll im Körper einen sanften Wachstumshormon-Schub auslösen - weshalb es im Off-Label-Bereich (also außerhalb der offiziell zugelassenen Anwendungen) für Anti-Aging und Regeneration genutzt wird. Technisch betrachtet wirkt es als Agonist (ein Stoff, der einen Rezeptor gezielt aktiviert) am Ghrelin-Rezeptor (GHS-R1a) - also an der Andockstelle für das körpereigene 'Hunger-Hormon' Ghrelin, die in der Hypophyse (Hirn

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Übliche Anwendung gängige Praxis, nicht belegt

Wie dieses Peptid üblicherweise angewendet wird - beschrieben, nicht empfohlen.

Wie viel
100-300 µg pro Anwendung
Wie oft
1-3-mal täglich
Wie lange
8-12 Wochen am Stück, dann 4-8 Wochen Pause
Darreichungsform
Injektion

In der Anwender-Praxis wird Ipamorelin subkutan (unter die Haut) mit 100 bis 300 Mikrogramm pro Injektion verabreicht, ein- bis dreimal täglich, oft vor dem Schlafengehen auf nüchternen Magen. Diese Angaben stammen aus Foren und Klinik-Empfehlungen ohne Zulassung, nicht aus kontrollierten Studien. Eine Kur dauert 8 bis 12 Wochen, danach folgt eine Pause von 4 bis 8 Wochen, um die Rezeptorempfindlichkeit zu erhalten. Ob diese Schemata bei Einzelpersonen wie beschrieben wirken, ist nicht geprüft.

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Stand

Ipamorelin ist ein im Labor hergestelltes Signalpeptid aus fünf Aminosäure-Bausteinen. Es wurde entwickelt, um die körpereigene Wachstumshormon-Ausschüttung gezielter anzuregen als ältere Substanzen. Heute wird es vor allem im Off-Label-Bereich, also außerhalb der offiziell zugelassenen Anwendungsgebiete, für Anti-Aging und Regeneration diskutiert.

Ipamorelin gehört zur Klasse der Wachstumshormon-Sekretagoga (GHRPs). Das sind Peptide, die den Körper dazu bringen, sein eigenes Wachstumshormon (GH) freizusetzen. Ipamorelin wirkt als selektiver Agonist, also als ein Stoff, der den Rezeptor gezielt aktiviert, am Ghrelin-Rezeptor (GHS-R1a). Diese Andockstelle wird normalerweise vom körpereigenen 'Hunger-Hormon' Ghrelin aktiviert und sitzt in der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse). Dort regt Ipamorelin die körpereigene, pulsatile (rhythmische, stoßweise) Ausschüttung von Wachstumshormon (GH) an. Die pharmakologische Selektivität ist hoch: Selbst bei Dosen deutlich oberhalb der ED50 für GH (der Dosis, bei der die halbmaximale Wirkung eintritt) werden ACTH und Cortisol (Stresshormone) sowie Prolaktin (Still-/Sexualhormon) klinisch nicht relevant angehoben.

Diese Selektivität unterscheidet Ipamorelin von älteren GHRPs wie GHRP-6 oder GHRP-2. Es gilt als der erste 'saubere' GHRP-Rezeptor-Agonist. Entwickelt wurde es Ende der 1990er Jahre von Novo Nordisk unter dem Code NNC 26-0161.

Wie wirkt Ipamorelin?

Ipamorelin bindet an den Ghrelin-Rezeptor (GHS-R1a) auf somatotropen Zellen (den GH-produzierenden Zellen) des Hypophysenvorderlappens (dem Vorderteil der Hirnanhangsdrüse, etwa hinter der Nasenwurzel). Dort löst es eine kurze, konzentrationsabhängige Freisetzung von Wachstumshormon aus. Über die GH-Achse steigt sekundär IGF-1 (insulinähnlicher Wachstumsfaktor 1, das wichtigste Signalmolekül, das in der Leber unter Wachstumshormon-Einfluss gebildet wird) in der Leber.

Was passiert im Körper?

  • Pulsatile GH-Ausschüttung: Ein einzelner GH-Puls, Peak ca. 30-40 Minuten nach subkutaner Gabe, Rückkehr zum Ausgangswert innerhalb von 2-3 Stunden.
  • Indirekter IGF-1-Anstieg: Über die physiologische GH-Kaskade, in Studien dosisabhängig messbar.
  • Kein nennenswerter Cortisol- oder ACTH-Anstieg: Im Gegensatz zu GHRP-6 und GHRP-2 - entscheidender pharmakologischer Vorteil.
  • Kein signifikanter Prolaktin-, FSH-, LH- oder TSH-Shift: Prolaktin ist ein Still-/Sexualhormon, FSH und LH steuern Fruchtbarkeit und Sexualfunktion, TSH reguliert die Schilddrüse. Selektivität klinisch bestätigt (Raun et al., Eur J Endocrinol 1998).
  • Schwacher Appetit-Effekt: Deutlich geringer als bei GHRP-6, trotz Aktivierung desselben Rezeptors (eine nur teilweise Aktivierung der für Appetit zuständigen Signalwege).

Wie ist die Studienlage?

Die pharmakologische und pharmakokinetische Datenlage (also die Daten zu Aufnahme, Verteilung, Abbau und Wirkstärke im Körper) zu Ipamorelin beim Menschen ist solide. Die klinische Entwicklung für eine Zulassung ist jedoch gescheitert:

  • 1998 - Erstbeschreibung: Raun et al. charakterisierten Ipamorelin im European Journal of Endocrinology als ersten selektiven GH-Sekretagogen - GH-Potenz und -Effizienz vergleichbar mit GHRP-6, aber ohne die unerwünschten ACTH- und Cortisol-Erhöhungen (PMID 9849822).
  • 1999 - PK/PD am Menschen: Gobburu et al. modellierten Pharmakokinetik und -dynamik (Aufnahme, Verteilung und Abbau im Körper und wie stark die Wirkung dort ankommt) bei gesunden Probanden: dosisproportionale Kinetik, terminale Halbwertszeit ca. 2 Stunden, GH-Peak bei 0,67 Stunden (PMID 10496658).
  • 2014 - Phase II postoperativer Ileus: Beck et al. (Beck DE, Sweeney WB, McCarter MD; Ipamorelin 201 Study Group, publiziert in Int J Colorectal Dis 2014;29(12):1527-34) untersuchten Ipamorelin in einer Phase-II-Studie (kleinere klinische Studie der Phase 2 vor der großen Phase-3-Zulassungsstudie) zur Beschleunigung der Magen-Darm-Erholung nach einer kolorektalen Operation (Dickdarm-OP) mit postoperativem Ileus (einer vorübergehenden Darmlähmung, in der der Darm den Speisebrei nicht weitertransportiert). Es zeigte sich eine numerische Verbesserung der Zeit bis zur ersten vertragenen Mahlzeit (25,3 vs. 32,6 h), der primäre Endpunkt (die vorab festgelegte Hauptwirkung, auf die die Studie ausgelegt war) wurde jedoch nicht erreicht; das Programm wurde daraufhin eingestellt.
  • Regulatorischer Status: Weder FDA- noch EMA-Zulassung. Von September 2023 bis September 2024 war Ipamorelin auf der FDA-503A-Compounding-Liste (einer Liste für individuell in Apotheken angemischte Medikamente), Kategorie 2, wurde aber nach Rückzug des Antragstellers wieder entfernt. WADA-verboten (S2 Growth Hormone Secretagogues).

Was fehlt?

  • Keine Phase-III-Daten, keine zugelassene Indikation.
  • Keine publizierten Humanstudien zu Anti-Aging-, Body-Composition- oder Regenerations-Endpunkten jenseits von GH-/IGF-1-Biomarkern (messbaren Laborwerten, die nur zeigen, dass die Achse aktiv ist, nicht aber einen echten klinischen Nutzen).
  • Langzeitsicherheit im Off-Label-Bereich (Jahre) ist nicht systematisch dokumentiert.

Wofür wird Ipamorelin in der Praxis verwendet?

Trotz fehlender Zulassung hat sich Ipamorelin im Off-Label-Bereich etabliert - vor allem in zwei Kontexten:

  • Anti-Aging und Recovery: Tieferer Schlaf, schnellere Erholung, bessere Kollagen- und Hautqualität, leichte Fettreduktion - Effekte, die sich über die physiologische GH-Pulsatilität erklären lassen. Häufig kombiniert mit CJC-1295 (ein GHRH-Analogon, also ein Verwandter des Growth-Hormone-Releasing-Hormons, das die Hypophyse selbst zur GH-Ausschüttung anregt) für eine synergistische GH-Ausschüttung (Veldhuis & Bowers 2009).
  • Regeneration und Sport: Unterstützung von Muskel- und Bindegewebsreparatur über GH-/IGF-1-Signalwege - vergleichbar mit Tesamorelin, das allerdings GHRH-basiert und FDA-zugelassen ist.

Worauf du achten solltest

  • HWZ ca. 2 Stunden: HWZ steht für Halbwertszeit, also die Zeit, in der die Hälfte des Stoffs im Körper abgebaut ist. Daher typischerweise mehrfach täglich oder kombiniert mit lang wirkenden GHRH-Analoga (z.B. CJC-1295 DAC, eine Variante mit verlängerter Wirkdauer, HWZ ca. 6-8 Tage).
  • Appetit: Deutlich weniger als bei GHRP-6, aber individuelle Unterschiede sind möglich.
  • Injektionszeitpunkt: Häufig abends oder vor dem Schlaf, um den natürlichen nächtlichen GH-Peak zu imitieren.
  • Lagerung: Lyophilisiertes Vial (gefriergetrocknetes Fläschchen in Pulverform) kühl und trocken lagern. Rekonstituiert mit bakteriostatischem Wasser (sterilem Wasser mit kleinem Konservierungsmittel-Zusatz) im Kühlschrank (2-8 °C) aufbewahren und innerhalb weniger Tage verbrauchen (genaue Haltbarkeit herstellerabhängig).
  • Keine Erstattung über Krankenkassen und keine ärztliche Verordnung für 'Anti-Aging' - die Anwendung erfolgt ausschließlich außerhalb zugelassener Indikationen.

Häufige Fragen

Ist Ipamorelin dasselbe wie HGH?

Nein. Ipamorelin ist ein Signalpeptid, das die Hypophyse zur eigenen GH-Ausschüttung anregt - es enthält selbst kein Wachstumshormon. Damit bleibt die physiologische Pulsatilität erhalten, anders als bei exogenem HGH (künstlich von außen zugeführtem Wachstumshormon), das die körpereigene Produktion drosseln kann.

Was ist der Unterschied zu GHRP-6?

GHRP-6 ist ein älterer, weniger selektiver GHS-R1a-Agonist mit deutlicher ACTH-, Cortisol- und Prolaktin-Mitstimulation sowie ausgeprägtem Hunger-Effekt. Ipamorelin ist auf diesen Achsen deutlich 'sauberer'.

Wie passt Ipamorelin in die Peptigraph-Bibliothek?

Weil Ipamorelin weder FDA- noch EMA-zugelassen ist und die klinische Entwicklung 2014 endete, liste ich es als eigenständigen Eintrag mit Selektivitäts- und Studiendaten. Den direkten Vergleich findest du im CJC-1295/Ipamorelin-Blend-Eintrag, den zugelassenen GHRH-Verwandten bei Tesamorelin.


Peptigraph dient der Information und Aufklärung. Ich gebe keine medizinische Beratung, keine Dosierungsanweisung und keine Bezugsempfehlung. Sprich mit einem Arzt oder einer Ärztin deines Vertrauens, bevor du ein Peptid anwendest.

Evidenz im Überblick

Forschungsstand
Ipamorelin ist ein synthetisches Pentapeptid und selektives Wachstumshormon-Sekretagog, das ursprünglich von Novo Nordisk entwickelt, jedoch nur präklinisch untersucht wurde [14]. Die Evidenz umfasst Zell- und Tiermodelle (Ratten, Nagetiere) [1, 4, 7, 8, 11, 13, 15, 16] sowie Human-Studien bis Phase II [5, 10]. Es ist bis heute nicht von der FDA zugelassen, es wurde kein Zulassungsantrag (NDA) eingereicht [14, 17]. In den USA ist der Zugang auf verschreibungspflichtige Compounding-Apotheken beschränkt [14].
Human-Evidenz
In Humanstudien wurde 1999 eine pharmakokinetisch-pharmakodynamische Modellierung an gesunden Freiwilligen durchgeführt [2]. In Phase-II-Studien wurde Ipamorelin für den postoperativen Ileus getestet: Eine placebokontrollierte Proof-of-Concept-Studie (NCT00672074) untersuchte 117 Patienten nach Darmresektion [5, 10], eine weitere Studie (NCT01280344) wurde registriert [3]. Ipamorelin war gut verträglich, zeigte jedoch keine signifikante Überlegenheit gegenüber Placebo (Zeit bis zur ersten tolerierten Mahlzeit: 25,3 h vs. 32,6 h; p = 0,15) [5]. Die klinische Entwicklung wurde nicht weiter vorangetrieben [14]. Zudem steht es auf der WADA-Verbotsliste, und Metaboliten sind im menschlichen Urin nach nasaler Gabe nachweisbar [12].
Dosierungen in Studien & Praxis
Berichtete Dosierungen aus Studien (rein deskriptiv, keine Empfehlung): In der Humanstudie zum postoperativen Ileus wurden 0,03 mg/kg Ipamorelin zweimal täglich intravenös für bis zu 7 Tage verabreicht [5]. In Rattenstudien (präklinisch) wurden folgende Protokolle berichtet: 18, 90 und 450 µg/Tag subkutan (dreimal täglich über 15 Tage) [4]; 100 µg/kg dreimal täglich subkutan über 3 Monate [13]; 0,1 oder 1 mg/kg intravenös (repetitive Dosierung) [7]; 0,014 mg/kg intravenös (Magenentleerung) [15].
Risiken & Nebenwirkungen
Die FDA stuft Ipamorelin-Acetat in Kategorie 2 für die Compoundierung ein, aufgrund von Risiken für Immunogenität durch Peptid-Aggregation oder Verunreinigungen sowie enthaltene unnatürliche Aminosäuren [9, 18]. In klinischen Studien (intravenöse Gabe) traten Nebenwirkungen wie Hypokaliämie, Schlaflosigkeit, Hyperglykämie, Übelkeit, Erbrechen und abdominale Distension auf [18]. Die FDA dokumentierte zudem Fälle schwerwiegender unerwünschter Ereignisse bis hin zu Todesfällen im Zusammenhang mit Peptid-Therapien wie Ipamorelin, wobei die Kausalität unklar blieb [9, 19, 20].
Forschungslücken
Die Quellenlage zur Langzeitsicherheit und Wirksamkeit von Ipamorelin beim Menschen ist lückenhaft, da die klinische Entwicklung nach Phase II gestoppt wurde [14]. Die verfügbaren Humanstudien fokussieren sich auf kurzzeitige Anwendungen (bis zu 7 Tage) bei postoperativen Patienten [5]. Aussagen zur Anwendung als Leistungssteigerer oder im Anti-Aging-Bereich werden in den vorliegenden Primärquellen nicht durch klinische Endpunktstudien abgedeckt.

Redaktionell aus Primärquellen belegt - keine ärztliche Beratung.

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