Wachstumshormon & Longevity

CJC-1295

CJC-1295 ist ein künstliches Peptid (ein kleiner Eiweißstoff), das das natürliche Signal des Körpers nachahmt und ihn anregt, mehr eigenes Wachstumshormon (GH) und IGF-1 auszuschütten. Als GHRH-Analogon setzt es diese GH- und IGF-1-Ausschüttung pulsatil in Gang. Die DAC-Variante wirkt 6-8 Tage - klinisch geprüft, aber nicht zugelassen.

Auf Etiketten, in Preislisten und in der Community auch als: CJC

Redaktion ·Aktualisiert ·5 Quellen ·evidenz-bewertet ·unabhängig & werbefrei

Übliche Anwendung gängige Praxis, nicht belegt

Wie dieses Peptid üblicherweise angewendet wird - beschrieben, nicht empfohlen.

Wie viel
1-2 mg pro Woche
Wie oft
1-2-mal pro Woche
Darreichungsform
Injektion

In nicht regulierten Kontexten werden 1 bis 2 mg pro Woche genannt, üblicherweise auf 1 bis 2 Injektionen pro Woche verteilt. Diese Mengen stammen aus Community-Empfehlungen und sind nicht durch klinische Studien am Menschen belegt. Die veröffentlichten Studien arbeiteten mit 30 bis 250 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht. Da sich das ohne bekanntes Körpergewicht nicht in eine Spritze übersetzen lässt, ist es hier nicht als feste Menge angegeben.

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Stand

CJC-1295 ist ein synthetisches Peptidhormon aus der Klasse der GHRH-Analoga - es imitiert das körpereigene Growth-Hormone-Releasing-Hormon und kurbelt damit indirekt die Ausschüttung von Wachstumshormon (GH) aus der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) an. Es gehört zu den sogenannten Wachstumshormon-Sekretagoga - also Stoffen, die den Körper dazu anregen, vermehrt eigenes Wachstumshormon auszuschütten. In Peptid-Stacks, etwa zusammen mit Ipamorelin, ist es eines der am häufigsten diskutierten Mittel.

Was ist CJC-1295?

CJC-1295 wurde ursprünglich von ConjuChem Biotechnologies entwickelt und ist ein modifiziertes Fragment des menschlichen GHRH (1-29) - also 29 Aminosäuren lang. Die wichtigste Variante enthält einen zusätzlichen Drug-Affinity-Complex (DAC), eine chemische Anker-Gruppe, die das Peptid nach der Injektion fest (chemisch) an Serum-Albumin (das häufigste Eiweiß im Blutplasma, das als körpereigenes Transport-Protein dient) bindet. Genau dieser Anker verlängert die Verweildauer im Blut drastisch.

Eine zweite, DAC-freie Variante (oft "Modified GRF 1-29" oder "CJC-1295 ohne DAC" genannt) hat eine Halbwertszeit (also die Zeit, bis der Körper die Hälfte des Wirkstoffs wieder abgebaut hat) von nur 30-60 Minuten und wird typischerweise täglich gespritzt. Die DAC-Variante hat demgegenüber eine Halbwertszeit von etwa 6-8 Tagen.

Wie wirkt CJC-1295 im Körper?

Der Wirkmechanismus ist eng umrissen:

  • GHRH-Rezeptor-Bindung: CJC-1295 bindet an den GHRH-Rezeptor auf den somatotropen Zellen des Hypophysenvorderlappens - das sind die Zellen, die für die GH-Ausschüttung zuständig sind.
  • cAMP-Signalkaskade: Über diese Rezeptor-Bindung wird in der Zelle eine Art Domino-Effekt ausgelöst (die sogenannte cAMP-Signalkaskade), der schließlich zur Freisetzung von Wachstumshormon ins Blut führt.
  • IGF-1-Anstieg: Das freigesetzte GH regt in der Leber die Produktion von IGF-1 an. IGF-1 (Insulin-like Growth Factor 1) ist der eigentliche Mediator vieler GH-Effekte - Gewebereparatur, Proteinsynthese, Fettstoffwechsel.
  • Albumin-Anker (DAC-Variante): Die DAC-Modifikation verbindet das Peptid nach der Injektion fest (chemisch) mit dem Serum-Albumin im Blut. Damit teilt es dessen Halbwertszeit - rund 6-8 Tage.

Wichtig: GHRH-Analoga wie CJC-1295 ahmen die physiologische pulsatile GH-Freisetzung nach - im Gegensatz zu exogenem HGH, das den ganzen Tag konstant hohe GH-Spiegel erzeugt. Genau das wird als "natürlicher" und damit sicherer beworben.

Diese "pulsatil"-Aussage trifft allerdings nur eingeschränkt zu: Bei der DAC-freien Variante mit ihrer kurzen Halbwertszeit funktioniert das Argument noch. Die DAC-Variante mit ihrer extrem langen Verweildauer erzeugt hingegen ein anhaltendes GH-Signal statt diskreter Pulse - in Foren als "GH-Bleed" (Dauer-Signal) bezeichnet. Wer die Pulsatilität als Sicherheits-Argument nutzt, muss also streng zwischen DAC und Non-DAC unterscheiden.

Was zeigt die Forschung?

Die Datenlage ist klinisch, aber dünn:

  • Teichman et al. (2006, JCEM) zeigten in einer Phase-I-Studie an gesunden Erwachsenen, dass eine Einzeldosis CJC-1295 DAC die GH-Ausschüttung über mindestens 6 Tage anhob und den IGF-1-Spiegel dosisabhängig für 9-11 Tage anhob. Bei Mehrfachdosen blieb IGF-1 bis zu 28 Tage über dem Ausgangswert.
  • Eine Folgestudie (2009) dokumentierte Veränderungen im Serum-Protein-Profil nach CJC-1295-Injektion.
  • Das Entwicklungsprogramm wurde nach Phase II ohne Phase-III-Daten eingestellt - CJC-1295 hat keine FDA- oder EMA-Zulassung.

Bei Mehrfachgaben zeigte sich ein kumulativer Effekt: Das Peptid selbst war noch 10-13 Tage nach Einzel- und Mehrfachgaben im Blut messbar. Diese lange Verweildauer erklärt pharmakokinetisch, warum in den Studien nur 1- bis 2-mal pro Woche injiziert wurde - und sie ist gleichzeitig ein impliziter Warnhinweis auf Akkumulation bei höheren Off-Label-Dosierungen.

Warum wurde CJC-1295 nie zugelassen?

Die Phase-II-Entwicklung für HIV-assoziierte Lipodystrophie wurde nach dem Tod eines Studienteilnehmers eingestellt - berichtet als ein Herz-Kreislauf-Zwischenfall (kardiovaskuläres Ereignis) -, das entwickelnde Unternehmen ConjuChem meldete daraufhin Insolvenz an, sodass CJC-1295 bis heute lediglich ein nicht zugelassenes reines Forschungspeptid geblieben ist und weltweit weder FDA- noch EMA-Zulassung besitzt. Die genauen Umstände des Todesfalls sind in den von Fachkollegen geprüften Fachzeitschriften (Peer-Review-Literatur) nicht vollständig dokumentiert, sodass sich kein direkter Kausalzusammenhang zwischen Peptid und Ereignis belegen lässt - er war aber Grund genug, das kommerzielle Programm zu begraben. Für jede spätere Sicherheitsdiskussion ist das der historische Anker: Die einzige Firma, die es je zur Marktreife bringen wollte, hat das Handtuch geworfen.

Wie dünn ist die Datenbasis?

Die Humandaten zu CJC-1295 stützen sich im Wesentlichen auf eine kleine Gruppe gesunder Erwachsener aus dem Phase-I-Programm von Teichman et al. - die genaue Gesamtzahl ist in den Publikationen nicht eindeutig ausgewiesen -, ohne dass jemals nachfolgende Langzeitstudien oder pivotale Wirksamkeitsdaten veröffentlicht wurden, sodass Aussagen über Effekte jenseits kurzfristiger Pharmakokinetik nur sehr dünn belegt sind. Wenn du im Off-Label-Kontext liest "klinisch geprüft", steckt dahinter genau diese eine Studie mit langsam hochdosierten Einzelgaben (Dosis-Eskalation) plus eine kleine Folgeauswertung - nicht mehr.

Post-2020 stützt sich die Forschung zu GHRH-Analoga zudem stark auf indirekte Evidenz, etwa über das zugelassene Präparat Tesamorelin. Wenn du nach CJC-1295-Studien suchst, landest du daher schnell bei Tesamorelin-Daten, die nur bedingt auf CJC-1295 übertragbar sind.

Hilft CJC-1295 beim Fettabbau?

Die CJC-1295 zugeschriebene Reduktion von viszeralem (innerem Bauch-)Fett ist bislang nur bei Tieren und bei Erwachsenen mit HIV und der damit verbundenen krankhaften Fettverteilungsstörung (Lipodystrophie) belegt - für gesunde Erwachsene existiert kein klinischer Wirkungsnachweis, deshalb hat die populäre Erwartung "Bauchfett weg mit CJC-1295" bei Normalgewichtigen keine echte Studiengrundlage. Der Mechanismus (höheres GH beziehungsweise IGF-1) ist zwar plausibel, aber bei funktionierendem Hormonhaushalt löst der zusätzliche Reiz offenbar keinen messbaren Fettabbau aus. Wenn du in Bodybuilding-Foren nach Belegen suchst, findest du meist Tierstudien oder Daten aus der HIV-Lipodystrophie-Indikation - beides ist keine valide Basis für gesunde Anwender.

Dosierung & Praxis

In den publizierten Studien wurden Einzeldosen von 30-250 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht subkutan verabreicht (also unter die Haut gespritzt; in den Mehrfachdosis-Armen 60-250 µg/kg wöchentlich), typischerweise 1- bis 2-mal pro Woche. Im Off-Label-Gebrauch kursieren deutlich höhere Research-Dosen - valide Humandaten jenseits der Phase-I-Studien existieren dafür nicht. Wenn du CJC-1295 tatsächlich anmischen willst, brauchst du den Injektions-Rechner für die korrekte Verdünnung, eine Schritt-für-Schritt-Anleitung in den Peptigraph-Anleitungen und idealerweise einen Blick in das CJC-1295/Ipamorelin-Profil für den typischen Stack-Kontext.

Sicherheit und Status

In den Phase-I-Studien galt CJC-1295 DAC als sicher und gut verträglich. Die häufigste Nebenwirkung waren milde, vorübergehende Reaktionen an der Injektionsstelle (Schmerz, Schwellung, Rötung). Hinweise auf krankhaftes Knochen- und Gewebewachstum (Akromegalie-Risiko), auf Blutzucker-Probleme (Glukose-Intoleranz) oder auf eine gebremste Hirnanhangsdrüse (Hypophysen-Suppression) stammen aus theoretischen Überlegungen und Langzeitbeobachtungen mit echtem HGH - nicht aus direkten CJC-1295-Studien.

Wichtig für die Selbstanwendung: In der Community gut dokumentiert sind Histaminreaktionen - von harmlosem Flush und Wärmegefühl an der Einstichstelle bis hin zu generalisierter Nesselsucht; in einzelnen dokumentierten Fällen war sogar ein Notarzt samt EpiPen nötig. Das Risiko schwerer Reaktionen steigt bei versehentlicher intravenöser Injektion und bei einer fortschreitenden Sensibilisierung über mehrere Wochen. Eine klare Abbruch-Regel: Wenn Rötungen und Quaddeln nach jeder Injektion schlimmer werden, ist Schluss - weiteres Spritzen kann die Reaktion weiter verschlimmern statt sie zu "gewöhnen".

Aus dem Label des zugelassenen GHRH-Analogons Tesamorelin beziehungsweise aus der GHRH-Analoga-Klasse sind zusätzlich grippeähnliche Symptome, Kopfschmerzen, Reizbarkeit, Angst und Übelkeit dokumentiert - ein FDA-Listing für CJC-1295 selbst existiert nicht, da die Substanz nie zugelassen wurde.

Ohne Zulassung und außerhalb klinischer Studien ist CJC-1295 DAC ein typischer Graumarkt-Wirkstoff - Beschaffung, Reinheit und Labortest-Zertifikat (CoA = Certificate of Analysis) sind die größten Praxis-Risiken. Wie du Anbieter überprüfst, steht im Peptigraph-Vendor-Radar.

Evidenz im Überblick

Forschungsstand
CJC-1295 ist ein langwirksames Analogon des Wachstumshormon-freisetzenden Hormons (GHRH), das weder von der FDA noch der EMA für irgendeine therapeutische Indikation beim Menschen zugelassen ist [6, 8, 20]. Die Evidenz umfasst präklinische Studien an Mäusen (GHRH-Knockout) und Ratten [2, 10, 19] sowie beim Menschen zwei kleine Phase-1-Studien an Gesunden (N=56) aus dem Jahr 2006 [1, 4, 20] und eine vorzeitig abgebrochene Phase-2-Studie bei HIV-Patienten, zu der keine Ergebnisdaten vorliegen [11, 17]. Eine abgeschlossene Phase-2/3-Studie mit klinischem Endpunkt fehlt.
Human-Evidenz
In zwei placebokontrollierten, doppelblinden Phase-1-Dosis-Eskalations-Studien an gesunden Erwachsenen (N=56) stieg das Wachstumshormon (GH) nach Einzelgaben (30-250 µg/kg) 2- bis 10-fach über ≥6 Tage, IGF-I 1,5- bis 3-fach über 9-11 Tage [1, 4]. Nach Mehrfachdosen blieb IGF-I bis zu 28 Tage über der Basislinie [1, 4]. Die pulsatile GH-Sekretion blieb erhalten, jedoch stiegen die basalen GH-Spiegel um das 7,5-Fache, was zu einem Gesamtanstieg der mittleren GH-Konzentration um 46 % und der IGF-I-Spiegel um 45 % führte [5]. Eine explorative Proteomik-Studie identifizierte GH/IGF-1-abhängige Proteinveränderungen ohne zusätzliche klinische Endpunkte [3, 7]. Eine multizentrische Phase-2-Studie bei HIV-Patienten mit viszeraler Adipositas wurde abgebrochen, ohne dass Ergebnisdaten vorliegen [11, 17].
Dosierungen in Studien & Praxis
In den Phase-1-Studien an Gesunden wurden subkutan Dosen von 30, 60, 125 und 250 µg/kg getestet, wobei 30 und 60 µg/kg als besonders gut verträglich beschrieben wurden [1, 4]. In einer präklinischen Mausstudie (GHRH-Knockout) wurden 2 µg pro Tier (im Originaltext fälschlicherweise als „2 g“ angegeben) im 24-, 48- oder 72-Stunden-Intervall über 5 Wochen verabreicht [2, 19]. Es existieren keine zugelassenen oder evidenzbasierten Dosierungen für klinische Indikationen. In nicht-regulierten Kontexten zirkulierende Dosierempfehlungen (z. B. 1-2 mg/Woche) sind durch die vorliegenden Primärquellen nicht abgedeckt.
Risiken & Nebenwirkungen
In den Phase-1-Studien traten keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse auf; CJC-1295 wurde als sicher und relativ gut verträglich eingestuft [1, 4]. Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen waren Reaktionen an der Injektionsstelle (vorübergehender Schmerz, Schwellung, Induration, lokale Urtikaria) [4]. Eine kommerzielle Sekundärquelle nennt zusätzlich Flush, Kopfschmerzen, Diarrhö und Übelkeit sowie einen Todesfall im Jahr 2017 nach einer Injektion; dies ist jedoch nicht durch Primärquellen belegt bzw. kausal zugeordnet [20]. Die FDA stellte 2024 fest, dass keine bekannten schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse direkt CJC-1295-Rezepturprodukten zugeschrieben werden könnten, wies aber auf potenzielle Sicherheitsbedenken durch Verunreinigungen in Bulk-Substanzen hin [12, 13].
Forschungslücken
Langzeit-Sicherheitsdaten am Menschen fehlen weitgehend [4, 8]. Kardiovaskuläre und onkologische Risiken (bei IGF-1-Erhöhung) wurden nicht untersucht, ebenso wenig wie Auswirkungen in Schwangerschaft/Pädiatrie oder Interaktionen [8]. Da CJC-1295 nicht zugelassen ist, erfassen weder FAERS noch EudraVigilance strukturierte Sicherheitsdaten [8]. Der Abbruchgrund der Phase-2-HIV-Studie ist in den Quellen nicht dokumentiert [11, 17]. Es bestehen offene Widersprüche bei der Halbwertszeit beim Menschen (5,8-8,1 vs. 6-8 vs. 8-10 Tage) [1, 3, 4] und bei der Dosisangabe in einer Mausstudie (Quelltext schreibt unplausible „2 g“, vermutlich „2 µg“) [2, 19]. Die Angabe zur Halbwertszeit der Variante ohne DAC (~30 Minuten) stammt aus einer nicht-peer-reviewten kommerziellen Website [24].

Redaktionell aus Primärquellen belegt - keine ärztliche Beratung.

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