Neuro & Kognition

Selank

Selank ist ein synthetisches Heptapeptid aus Russland, das als Nasenspray gegen Angststoerungen zugelassen ist. Es wirkt angstloesend ohne Sedierung und moduliert zudem das Immunsystem.

Redaktion ·Aktualisiert ·10 Quellen ·evidenz-bewertet ·unabhängig & werbefrei

Übliche Anwendung aus Studien

Wie dieses Peptid üblicherweise angewendet wird - beschrieben, nicht empfohlen.

Wie viel
900 µg pro Tag
Wie oft
3-mal täglich
Wie lange
10-14 Tage am Stück
Darreichungsform
Nasal (Spray)

Selank ist in Russland als 0,15%ige Nasenlösung zugelassen. Das zugelassene Schema sieht 2-3 Tropfen pro Nasenloch dreimal täglich vor, also etwa 900 Mikrogramm pro Tag, über 10-14 Tage, mit 2-4 Monaten Pause zwischen den Zyklen. Diese Zahlen stammen aus der offiziellen Zulassung und klinischen Studien. Auf dem Graumarkt wird Selank als Pulver verkauft, das Anwender selbst anmischen; das ist eine unbelegte Praxis ohne validiertes Schema.

Vom Pulver zum fertigen Nasenspray

Angemischt wird das Pulver auch hier - nur landet die Lösung danach in einer Sprühflasche statt in einer Spritze. Die Anleitung zeigt den Rechenweg zur Menge pro Sprühstoß und die Schritte bis zur fertigen Flasche.

Sprühstoß-Rechner öffnen Anleitung Nasenspray öffnen →

Selank wird üblicherweise nasal (als Nasenspray) angewendet. Eine Injektionsrechnung ist hier nicht möglich.

Stand

Selank ist ein künstlich hergestelltes Peptid aus Russland. Es ist als Nasenspray gegen Angststörungen und Erschöpfungszustände zugelassen. Seine Hauptwirkung ist angstlösend, ohne müde zu machen - das unterscheidet es von klassischen Beruhigungsmitteln wie Benzodiazepinen. In Russland ist es seit 2009 ein zugelassenes Medikament, im Westen nicht.

Was ist Selank?

Selank ist ein kurzes, künstlich hergestelltes Peptid - genauer gesagt ein Heptapeptid aus sieben Aminosäuren (Thr-Lys-Pro-Arg-Pro-Gly-Pro). Entwickelt wurde es am Institut für Molekulargenetik der Russischen Akademie der Wissenschaften. Es ist ein Analogon von Tuftsin, einem natürlichen Peptid, das im Körper das Immunsystem reguliert. Selank kombiniert diese immunmodulierende Wirkung mit angstlösenden und möglicherweise kognitionsfördernden Effekten [1,4].

Interessant ist, wie Selank wirkt: Es greift nicht direkt an Rezeptoren an wie klassische Beruhigungsmittel. Stattdessen reguliert es die Genexpression im Gehirn - es beeinflusst, welche Gene für Botenstoffe und Wachstumsfaktoren abgelesen werden. Dazu zählt BDNF (Brain-Derived Neurotrophic Factor), eine Art "Dünger" für Nervenzellen, der deren Wachstum und Vernetzung fördert. Außerdem hemmt Selank Enzyme, die Enkephaline abbauen - das sind körpereigene Stoffe, die schmerzlindernd und beruhigend wirken [4,5].

Wie wird Selank angewendet?

Der evidenzbelegte und in Russland zugelassene Applikationsweg für Selank ist intranasal - also als Nasenspray oder Nasentropfen. Peptide würden im Magen-Darm-Trakt zerstört werden, daher umgeht die nasale Gabe den Verdauungstrakt und gelangt schnell ins Gehirn. Die Bioverfügbarkeit beträgt 92,8%, die Wirkung setzt nach etwa 5 Minuten ein [1].

Das russische Fertigarzneimittel ist eine 0,15%ige Lösung in 3-ml-Fläschchen. Das zugelassene Schema: 2-3 Tropfen pro Nasenloch, 3-mal täglich, für 10-14 Tage. Zwischen Kuren wird eine Pause von 2-4 Monaten empfohlen [1,2].

Im Graumarkt (außerhalb Russlands) wird Selank oft als lyophilisiertes Pulver in Vials zu 5 oder 10 mg verkauft. Anwender rekonstituieren es selbst mit BAC-Wasser und verwenden es nasal - teilweise wird es auch subkutan injiziert. Diese Praxis ist unbelegt und nicht validiert; es gibt keine kontrollierten Daten zu Sicherheit oder Wirkung außerhalb der russischen Zulassungsstudien. Wenn du dich mit dem Thema Peptid-Sicherheit beim Bestellen beschäftigst, findest du Hinweise auf der Seite zum Schutz beim Bestellen.

Vom Vial zur Anwendung: Selank nasal anmischen

Wenn du ein Selank-Vial (z.B. 5 mg Lyophilisat) hast und eine 0,15%ige Lösung herstellen möchtest, ist der Rechenweg wie folgt: 0,15% bedeutet 1,5 mg pro ml. Für 5 mg Pulver brauchst du also etwa 3,3 ml BAC-Wasser. Das ergibt eine Lösung mit 1,5 mg/ml - das entspricht der Konzentration des russischen Fertigarzneimittels.

Ein Standard-Nasentropfer gibt pro Tropfen etwa 0,05 ml ab. Bei 1,5 mg/ml enthält ein Tropfen also etwa 75 mcg Selank. Das russische Schema von 2-3 Tropfen pro Nasenloch, 3-mal täglich, entspricht damit etwa 900 mcg pro Tag. Schritt-für-Schritt-Anleitungen zum Anmischen und Lagern findest du in den Anleitungen.

Hinweis: Dieser Rechenweg dokumentiert, wie Anwender im Graumarkt vorgehen. Es ist keine Dosierungsanweisung. Die einzige validierte Form ist das russische Fertigarzneimittel.

Wie wirkt Selank?

Selank wirkt über mehrere Mechanismen gleichzeitig:

  • BDNF-Modulation: Es beeinflusst den Brain-Derived Neurotrophic Factor im Hippocampus und im präfrontalen Kortex - Regionen, die für Lernen, Gedächtnis und Emotionsregulation zuständig sind. In Tierstudien schützte Selank vor alkoholbedingten Gedächtnisstörungen, indem es den BDNF-Spiegel regulierte [4].
  • Enkephalin-Schutz: Es hemmt Enzyme, die körpereigene Enkephaline abbauen. Diese wirken schmerzlindernd und stimmungsaufhellend - indem sie länger im System bleiben, kann das angstlösend wirken.
  • Immunmodulation: Als Tuftsin-Analogon beeinflusst Selank die Expression von Entzündungs-Genen und Zytokine unter Stressbedingungen [7,8]. Das ist bemerkenswert, weil chronischer Stress das Immunsystem schwächt.
  • Genexpression: Es reguliert Gene, die mit der GABAergen und serotonergen Neurotransmission zusammenhängen - ohne jedoch direkt an Benzodiazepin-Rezeptoren zu binden. Das erklärt die angstlösende Wirkung ohne Sedierung.

Im Gegensatz zu Benzodiazepinen (wie Diazepam oder Lorazepam) macht Selank nicht schläfrig, erzeugt keine Toleranz und führt zu keinem Entzug. In einer russischen Tierstudie verstärkte es sogar die Wirkung von Diazepam bei chronischem Stress [5].

Wie wirksam ist Selank?

Die klinische Evidenz für Selank stammt ausschließlich aus Russland. Das bedeutet: Es gibt konkrete Humanstudien, aber mit einem strukturellen Russland-Bias und ohne unabhängige westliche Top-Studien.

Die wichtigste Studie ist die Phase-3-Studie von Zozulya et al. (2008), in der Selank bei 62 Patienten mit generalisierter Angststörung direkt mit dem Benzodiazepin Medazepam verglichen wurde. Ergebnis: Selank war bei der Angstlösung ebenso wirksam wie Medazepam - jedoch ohne Sedierung, ohne Abhängigkeitspotenzial und ohne Entzugserscheinungen [1]. Weitere russische Studien von Medvedev et al. verglichen Selank mit Phenazepam (2014) und untersuchten die Optimierung der Angstbehandlung (2015) [2,3].

In Tierstudien zeigte Selank zudem schützende Effekte bei alkoholbedingten Gedächtnisstörungen [4], verstärkte die Diazepam-Wirkung unter chronischem Stress [5], milderte Morphin-Entzugserscheinungen [6] und beeinflusste Zytokin-Spiegel unter sozialem Stress [8]. Eine fMRI-Studie (Panikratova et al. 2020) untersuchte die funktionelle Konnektivität im Gehirn unter Selank und Semax [9].

Ich ordne das so ein: Die russischen Daten sind vielversprechend und plausibel - besonders das Profil "angstlösend ohne Sedierung" ist attraktiv. Aber ohne westliche Replikation bleibt ein Restvorbehalt. Russische Studien haben historisch manchmal methodische Schwächen, und unabhängige Bestätigung fehlt komplett.

Selank vs. Semax - worin unterscheiden sie sich?

Selank und Semax werden oft zusammen erwähnt, weil beide russische Heptapeptide sind, die nasal angewendet werden. Sie haben aber unterschiedliche Schwerpunkte:

SelankSemax
HerkunftAnalogon von Tuftsin (Immunpeptid)Fragment von ACTH (Stresshormon)
HauptwirkungAngstlösend, immunmodulierendKognitionsfördernd, neuroprotektiv
Zulassung (Russland)Generalisierte Angststörung, NeurasthenieSchlaganfall, Enzephalopathie, Optikusatrophie
SedierungKeineKeine
BDNF-EinflussJaJa

Beide Peptide sind im kombinierten Eintrag Selank & Semax in der Peptid-Bibliothek beschrieben. Wer sich breiter über verwandte Wirkstoffe informieren möchte, findet weitere Profile in der Peptid-Bibliothek.

Welche Risiken und Nebenwirkungen gibt es?

In den russischen Studien wurde Selank gut vertragen. Die Nebenwirkungsrate war niedrig, und im Vergleich zu Benzodiazepinen trat keine Sedierung, keine kognitive Beeinträchtigung, keine Toleranzentwicklung und kein Entzugssyndrom auf. Laut russischer Fachinformation gibt es keine relevanten Arzneimittelwechselwirkungen [1,2].

Trotzdem gibt es wichtige Einschränkungen: Alle Sicherheitsdaten stammen aus Russland. Es gibt keine unabhängigen westlichen Sicherheitsstudien und keine Langzeitdaten über 14 Tage Anwendungsdauer hinaus. Im Graumarkt außerhalb Russlands ist die Produktqualität unkontrolliert - Verunreinigungen, falsche Dosierungen oder abweichende Reinheit sind möglich. Seit September 2024 ist Selank von der FDA-503A-Liste gestrichen, was bedeutet, dass US-Apotheken es nicht mehr compoundieren dürfen.

Was ist noch nicht bekannt?

  • Keine westlichen randomisierten Studien existieren - alle Humandaten kommen aus Russland.
  • Keine unabhängige Replikation der Phase-3-Ergebnisse von 2008.
  • Keine Langzeit-Sicherheitsdaten über 14 Tage hinaus.
  • Die Pharmakokinetik ist nur rudimentär charakterisiert: Selank verschwindet innerhalb von etwa 5 Minuten aus dem Blut, aber die zentrale Wirkung hält länger an - wie genau das funktioniert, ist nicht vollständig geklärt.
  • Unklar ist, ob die immunmodulatorischen Effekte für die angstlösende Wirkung relevant sind oder ein unabhängiger Zusatzeffekt.

Fazit

Selank ist eines der wenigen Peptide, die irgendwo auf der Welt als zugelassenes Medikament existieren - nämlich in Russland als Nasenspray gegen Angst. Das unterscheidet es von den meisten Graumarkt-Peptiden, für die es gar keine Zulassung gibt. Das Profil "angstlösend ohne Sedierung" ist attraktiv und wird durch russische Phase-3-Daten gestützt. Ohne westliche Replikation bleibt aber ein Vorbehalt, den ich für fair halte. Wer sich für das Thema interessiert, sollte die russische Evidenz zur Kenntnis nehmen, aber auch ihre Grenzen verstehen.

Evidenz im Überblick

Forschungsstand
In Russland ist Selank seit 2009 als Nasenspray (0,15 %) gegen generalisierte Angststörung und Neurasthenie zugelassen. Seit 2017 gibt es das Mittel rezeptfrei. Eine Phase-3-Studie (Zozulya 2008) verglich Selank mit dem Benzodiazepin Medazepam [1]. Weitere russische Humanstudien stammen von Medvedev et al. (2014, 2015) [2,3]. Tierstudien untersuchten unter anderem den Nervenwachstumsfaktor BDNF, Angstverhalten, Morphinentzug und Immunmodulation [4-8]. Eine Zulassung durch die FDA oder EMA gibt es nicht; im September 2024 wurde Selank von der FDA-503A-Liste gestrichen.
Human-Evidenz
Drei russische Humanstudien untersuchten Selank gegen Angst. Zozulya et al. (2008, PMID 18454096) verglichen es in einer Phase-3-Studie mit Medazepam bei 62 Angstpatienten. Beide wirkten ähnlich gegen Angst, aber Selank machte nicht schläfrig [1]. Medvedev et al. (2014, PMID 25176261) stellten es Phenazepam gegenüber [2]. Medvedev et al. (2015, PMID 26356395) suchten nach der besten Art, Angst zu behandeln [3]. Alle Studien stammen aus Russland. Im Westen hat sie bislang niemand wiederholt.
Dosierungen in Studien & Praxis
In Russland ist das Präparat offiziell als 0,15%ige intranasale Lösung zugelassen. Üblich ist die Anwendung mit 2-3 Tropfen pro Nasenloch, dreimal täglich über 10-14 Tage [1,2]. Ein Tropfen enthält etwa 75 Mikrogramm Wirkstoff, das ergibt eine tägliche Gesamtdosis von ungefähr 900 Mikrogramm. Zwischen den Anwendungszyklen liegt eine Pause von 2-4 Monaten. In wissenschaftlichen Tierstudien kamen Dosierungen von 100-500 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht zum Einsatz, verabreicht intranasal oder in die Bauchhöhle [4,5]. Anders als die zugelassene Lösung werden auf dem Graumarkt oft Mengen von 5-10 mg als Lyophilisat (gefriergetrocknetes Pulver) angeboten. Anwender lösen das Pulver eigenständig mit BAC-Wasser auf. Wichtig: Das ist eine unbelegte Praxis ohne validiertes Schema.
Risiken & Nebenwirkungen
Das Peptid ist laut russischen Studien gut verträglich und verursacht kaum Nebenwirkungen. Bei der Anwendung über die Nase (nasale Applikation) liegt die Bioverfügbarkeit bei 92,8 %. Das Mittel macht weder müde noch abhängig. Zudem sind laut russischer Fachinformation keine Entzugserscheinungen oder Wechselwirkungen bekannt. Da das Präparat im Westen keine Zulassung hat, ist die Qualität von Produkten aus dem Graumarkt nicht staatlich kontrolliert. Bedenke: Außerhalb Russlands gibt es bisher keine Langzeit-Sicherheitsdaten.
Forschungslücken
Zur <strong>Studienlage</strong> dieses Peptids fehlen bislang westliche randomisierte Studien, und die russischen Ergebnisse wurden bisher nicht unabhängig repliziert. Zudem gibt es keine gesicherten <strong>Langzeitdaten</strong>, die über eine Anwendungsdauer von 14 Tagen hinausgehen. Die <strong>Pharmakokinetik</strong> des Wirkstoffs ist nur oberflächlich dokumentiert: Während die Blut-Clearance bei etwa 5 Minuten liegt, fällt die zentrale Wirkdauer länger aus, wobei ungeklärt bleibt, ob die immunmodulatorischen Effekte tatsächlich eine Rolle für die angstlösende Wirkung spielen.

Redaktionell aus Primärquellen belegt - keine ärztliche Beratung.

Verwandte Peptide

Selank wird üblicherweise nasal (als Nasenspray) angewendet. Eine Injektionsrechnung ist hier nicht möglich.

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