Neuro & Kognition

DSIP (Delta Sleep-Inducing Peptide)

Für wen ist das überhaupt interessant? Wenn du unter Schlafstörungen oder chronischem Stress leidest, stößt du manchmal auf DSIP: ein körpereigenes kleines Eiweißmolekül aus 9 Aminosäuren (sogenanntes Nonapeptid), das im Schlaf eine Rolle spielen könnte. Es wurde 1974 aus dem Hirnblut schlafender Kaninchen isoliert und wird heute vor allem für seine delta-schlaffördernde, stressregulierende und neuroprotektive Wirkung erforscht (also den Schutz von Nervenzellen im Gehirn).

Auf Etiketten, in Preislisten und in der Community auch als: DSIP, DS

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Übliche Anwendung Studien und Praxis

Wie dieses Peptid üblicherweise angewendet wird - beschrieben, nicht empfohlen.

Wie viel
100-500 µg pro Anwendung
Wie oft
3-7-mal pro Woche
Wie lange
2-8 Wochen am Stück, dann 8 Wochen Pause
Darreichungsform
Injektion

Community-Berichte nennen 100 bis 500 Mikrogramm (mcg) pro Injektion unter die Haut (subkutan), 30 bis 60 Minuten vor dem Schlafengehen. Gespritzt wird täglich, an 5 Tagen pro Woche oder 3-mal wöchentlich, oft als 8-Wochen-Kur mit 8 Wochen Pause. Diese Zahlen stammen aus Anwender-Berichten und Klinik-Websites, nicht aus geprüften Studien. In Studien der 1980er Jahre wurde DSIP als Infusion in die Vene (intravenös) mit 25 nmol pro kg gegeben, was für 70 kg etwa 1,5 bis 3 mg entspricht und sich nicht auf eine Spritze übertragen lässt.

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Stand

DSIP ist ein winziges, körpereigenes Eiweiß-Molekül (ein sogenanntes Peptid), das im Gehirn vorkommt und seit den 1970er-Jahren als möglicher Schlaf- und Stressregulator erforscht wird. Die Abkürzung steht für 'Delta Sleep-Inducing Peptide', auf Deutsch etwa 'Delta-Schlaf-auslösendes Peptid'.

DSIP (Delta Sleep-Inducing Peptide) ist ein endogenes Nonapeptid, also ein kleines Eiweißmolekül aus genau 9 Aminosäuren, mit der Sequenz WAGGDASGE. Es wurde 1974 von der Baseler Arbeitsgruppe um Schoenenberger und Monnier aus dem zerebralen Venenblut schlafender Kaninchen isoliert. Es gilt als eines der frühesten 'Schlaf-Peptide' der Neuroforschung und wird bis heute vor allem für seine delta-schlaffördernde, stressregulierende und neuroprotektive Wirkung erforscht (also den Schutz von Nervenzellen im Gehirn).

Was ist DSIP biochemisch?

  • 9 Aminosäuren, Molekulargewicht ca. 849 Da
  • In vitro (also im Reagenzglas) sehr instabil: die Halbwertszeit beträgt nur etwa 15 Minuten, weil körpereigene Abbau-Enzyme (sogenannte Aminopeptidasen) das Peptid schnell zerlegen. Im Körper ist es vermutlich an Träger-Proteine (Carrier) gebunden, die es stabilisieren.
  • Gen, Vorläuferprotein und spezifischer Rezeptor (die passende Andockstelle auf den Zellen) bisher nicht identifiziert
  • Wird durch Glucocorticoide reguliert, das sind körpereigene Stresshormone wie Cortisol, und weist Ähnlichkeiten zu einem stressregulierenden Protein namens GILZ auf

Wie wirkt DSIP?

Im Gehirn wirkt DSIP offenbar beruhigend und steuert das Zusammenspiel von Schlaf und Stress.

Genauer greift es vermutlich an verschiedene Andockstellen auf Nervenzellen an: NMDA-Rezeptoren (bestimmte Erregungs-Dockstellen auf Nervenzellen) und α1-adrenerge Rezeptoren (Dockstellen, die auf Stresssignale reagieren). Außerdem greift es in den MAPK-Signalweg ein, eine zelluläre Signal-Kaskade, über die Zellen auf Reize reagieren. Dabei senkt es die basale Ausschüttung von Corticotropin (einem Stresshormon-Vorläufer) und beeinflusst die nächtliche Aktivität des Enzyms N-Acetyltransferase in der Zirbeldrüse (auch Pinealdrüse genannt, ein kleines Organ im Gehirn, das unter anderem das Schlafhormon Melatonin steuert). So koppelt DSIP den Schlaf-Wach-Rhythmus mit der Stressantwort.

Welche Effekte sind untersucht?

  • Schlaf: Induziert im Tiermodell Spindel- und Delta-EEG-Aktivität, also langsame Hirnwellen im Tiefschlaf, ohne REM-Phasen zu unterdrücken
  • Stress und Anpassung: Stressschützende, krampflösende (antikonvulsive) und das Immunsystem beeinflussende (immunmodulierende) Wirkungen in mehreren Nagetier-Studien
  • Schlaganfall: Eine 2021er Rattenstudie (Tukhovskaya et al.) zeigt deutlich beschleunigte motorische Erholung nach einem umschriebenen Hirninfarkt (fokale Ischämie)
  • Anästhesie: Beeinflusst den BIS-Index (ein Maß für die Narkosetiefe), das EEG und die Herzfrequenzvariabilität als Zusatz zum Narkosemittel Isofluran (Pomfrett 2009)

Was sagt die Studienlage beim Menschen?

Es gibt mehrere kleine, teils placebokontrollierte Studien (also Studien mit einem Scheinmedikament als Vergleich) aus den 1980er/90er Jahren (Schneider-Helmert, Monti, Bes), die vor allem bei Menschen mit chronischer Schlaflosigkeit (Insomnie) durchgeführt wurden. Die Ergebnisse sind gemischt: Manche Patienten zeigten eine bessere Schlafkontinuität, andere Studien fanden keinen klaren Effekt. Eine Zulassung durch die FDA (US-Behörde) oder EMA (europäische Behörde) für Schlafstörungen oder irgendeine andere Indikation existiert bis heute nicht. Das Peptid bleibt investigativ, das heißt: Es wird weiter erforscht, ist aber kein zugelassenes Medikament.

Wie wurde DSIP in den Studien dosiert?

In den Humanstudien wurden 25-50 nmol/kg als langsame intravenöse Infusion vor dem Schlafen eingesetzt. Für einen 70 kg schweren Erwachsenen entspricht das etwa 1,5-3 mg DSIP. Das ist eine rein informierende Angabe aus der Studienliteratur und keine Dosierungsanweisung. Jede Anwendung gehört in ärztliche Hand.

Wie passt DSIP zu anderen Peptiden?

DSIP wird thematisch oft in einem Atemzug mit CJC-1295 / Ipamorelin genannt, weil beide über den Schlaf-Wach-Rhythmus und die nächtliche GH-Ausschüttung (Ausschüttung von Wachstumshormon, das vor allem im Tiefschlaf pulsiert) wirken. Im weiteren Sinne gehört es zur Familie der Neuro-Peptide wie Selank und Semax, die ebenfalls Schlafqualität und Stressregulation adressieren.

Wichtige Hinweise

  • Keine Zulassung durch die FDA (US-Behörde) oder EMA (europäische Behörde)
  • Gen und Rezeptor unbekannt, der Wirkmechanismus ist teils hypothetisch
  • Sehr kurze Halbwertszeit im Blut (Plasmahalbwertszeit - der Stoff wird sehr schnell abgebaut), in Studien meist als Infusion verabreicht
  • Dieser Artikel ist Information, keine medizinische Beratung und keine Empfehlung zum Bezug oder zur Anwendung

Evidenz im Überblick

Forschungsstand
DSIP (Delta Sleep-Inducing Peptide) ist ein 1977 aus dem cerebralen Venenblut von Kaninchen isoliertes Nonapeptid [6]. Präklinische Evidenz liegt aus Tiermodellen (Kaninchen, Ratten, Mäuse, Katzen) und In-vitro-Studien an Rattenhirnschnitten vor [4, 6, 12]. Die Human-Evidenz beschränkt sich auf wenige, sehr kleine Studien aus den 1980er und frühen 1990er Jahren mit Stichproben von n=6-7 [1, 2, 3, 6, 7, 8, 9]. Eine Zulassung als Arzneimittel (FDA/EMA) liegt nicht vor.
Human-Evidenz
Die klinische Evidenzlage ist veraltet und umfasst nur sehr kleine Stichproben, weshalb sie als schwach eingestuft wird [6]. In einer kontrollierten Studie an 6 chronischen Insomnikern führte die intravenöse Gabe zu längerer Schlafdauer, höherer Schlafqualität und leicht erhöhtem REM-Schlaf, wobei die schlaffördernde Wirkung erst in der zweiten Stunde auftrat [7]. Eine Studie an 6 gesunden Probanden zeigte sofortigen Schlafdruck, verlängerte Schlafzeit und verkürzte Einschlafzeit [2, 22]; eine morgendliche Injektion erhöhte den Gesamtschlaf für die folgenden zwei Stunden sowie in der darauffolgenden Nacht [21]. Bei wiederholter Gabe wurde ein Aufbau-Effekt mit Normalisierung der Schlafstruktur nach vier Gaben beobachtet [8]. In einer offenen Studie an 7 Patienten normalisierte sich der Schlaf nach 10 Injektionen bei 6 Patienten für 3 bis 7 Monate, zudem verbesserten sich Stimmung und Tagesleistung [3]. Eine andere Studie berichtet von signifikant gesteigerter Tageswachheit und Leistungsfähigkeit [9]. Eine doppelblinde Studie an chronischen Insomnikern wurde ebenfalls durchgeführt, jedoch fehlen Details zu Ergebnissen [1]. In einem Fallbericht verschob eine einwöchige DSIP-Behandlung die Hauptschlafphase einer Patientin um 5 Stunden nach vorne und ermöglichte einen Benzodiazepin-Entzug [11]. Weitere Pilotstudien untersuchten therapeutische Effekte bei chronischen Schmerzen [10] und multifunktionale psychophysiologische Eigenschaften [15].
Dosierungen in Studien & Praxis
In den klinischen Humanstudien der 1980er Jahre wurde typischerweise eine Dosis von 25 nmol/kg Körpergewicht intravenös verabreicht [7, 8, 21]. In nicht-klinischen Sekundärquellen (Blogs/Kliniker-Websites) werden Dosen von 100-500 µg pro Injektion genannt, wobei ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass keine standardisierten Richtlinien existieren [20].
Risiken & Nebenwirkungen
In einer Humanstudie an 6 Insomnikern traten keine Tagessedierung oder andere Nebenwirkungen auf, obwohl die schlaffördernde Wirkung bis zu 6 Stunden anhielt [7]. Als problematisch wurde in einer offenen Studie eine langjährige Medikamentenabhängigkeit der behandelten Patienten beschrieben [3]. Systematische Langzeit-Sicherheitsdaten liegen aus den vorliegenden Quellen nicht vor.
Forschungslücken
Die Rolle von DSIP als Schlaffaktor ist bis heute wissenschaftlich schwach belegt und ungeklärt [6]. Weder das DSIP-Gen, das Protein noch ein spezifischer Rezeptor konnten isoliert werden; die natürliche Herkunft und biologische Aktivität bleiben unklar [6]. Der postulierte Zusammenhang zwischen DSIP und Schlaf ist laut einer Übersichtsarbeit von 2006 „extrem schlecht dokumentiert und weiterhin schwach“ [6]. Es fehlen neuere kontrollierte Studien, Langzeitdaten und systematische Sicherheitsbewertungen.

Redaktionell aus Primärquellen belegt - keine ärztliche Beratung.

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