Neuro & Kognition

Semax

Semax ist ein synthetisches Heptapeptid und ACTH(4-7)-Analogon, das in Russland seit 1994 als Nasenspray zur Neuroprotektion und kognitiven Förderung zugelassen ist. Außerhalb Russlands ist es nicht zugelassen.

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Übliche Anwendung Studien und Praxis

Wie dieses Peptid üblicherweise angewendet wird - beschrieben, nicht empfohlen.

Wie viel
300-900 µg pro Anwendung
Wie oft
2-3-mal täglich
Darreichungsform
Nasal (Spray)

Semax wird als 0,1-prozentige Nasenlösung angewendet, mit 300 bis 900 Mikrogramm pro Einzelgabe, zwei- bis dreimal am Tag. Diese Zahlen stammen aus klinischen Studien und Produktlabels des russischen Originalpräparats. Für ein Schlaganfall-Schema wurde zudem eine intranasale Tagesdosis von 6.000 Mikrogramm untersucht. Wie lange Semax angewendet wird, ist nicht belegt. Das Anmischen aus Pulver zur nasalen Selbstmedikation ist eine unregulierte Praxis ohne offizielle Dosierungsempfehlung.

Vom Pulver zum fertigen Nasenspray

Angemischt wird das Pulver auch hier - nur landet die Lösung danach in einer Sprühflasche statt in einer Spritze. Die Anleitung zeigt den Rechenweg zur Menge pro Sprühstoß und die Schritte bis zur fertigen Flasche.

Sprühstoß-Rechner öffnen Anleitung Nasenspray öffnen →

Semax wird üblicherweise nasal (als Nasenspray) angewendet. Eine Injektionsrechnung ist hier nicht möglich.

Stand

Semax ist ein synthetisches Heptapeptid, also ein kurzes Eiweißmolekül aus sieben Aminosäuren (Met-Glu-His-Phe-Pro-Gly-Pro). Es wurde als Analogon des ACTH(4-7)-Fragments aus dem adrenokortikotropen Hormon abgeleitet. Durch die gezielte Molekülmodifikation besitzt Semax keine hormonelle Nebennierenrinden-Aktivität, erhält jedoch neuroprotektive und kognitionsfördernde Eigenschaften. Das Peptid wurde am Moskauer Institut für Molekulargenetik entwickelt und ist in Russland seit 1994 als Nasenspray zugelassen [1,2].

Wie wird Semax angewendet?

Die medizinische Anwendung von Semax erfolgt primär intranasal über die Nasenschleimhaut in Form von Nasenspray oder Nasentropfen. In Russland existieren zwei zugelassene Fertigarzneimittel-Konzentrationen: eine 0,1 %-Lösung für kognitive Anwendungen sowie eine höher dosierte 1 %-Lösung für akute neurologische Indikationen wie Schlaganfall [2]. Alle verfügbaren klinischen Humanstudien untersuchten ausschließlich diese nasale Verabreichung.

Auf dem internationalen Graumarkt wird Semax häufig als lyophilisiertes Peptid-Pulver in Vials mit 5 mg oder 10 mg angeboten, das vereinzelt nach Rekonstitution subkutan injiziert wird. Für Injektionen gibt es keine wissenschaftlich belegte Sicherheitsbasis: Die US-Arzneimittelbehörde FDA stellte 2024 klar, dass sie keine einzige Humanstudie zur subkutanen Anwendung von Semax finden konnte [9]. Zudem fehlen bei unregulierten Bezugsquellen Prüfungen auf Reinheit, Identität und Keimfreiheit - worauf Anwender achten sollten, erläutert der Leitfaden zum Schutz beim Bestellen.

KonzentrationAnwendungsgebietTypisches Schema (Label)
0,1% NasentropfenKognitive Störungen, Neuroprotektion, Aufmerksamkeit2-3 Tropfen pro Nasenloch, 2-3x täglich (ca. 300-900 µg/Gabe) [2]
1% NasentropfenAkuter ischämischer Schlaganfall (Begleittherapie)Höhere Einzeldosen, klinisches Setting [2]

Vom Vial zur Anwendung: Semax als Nasenspray anmischen

Das Rekonstituieren von lyophilisiertem Semax-Pulver zur intranasalen Selbstmedikation ist eine unregulierte Praxis ohne offizielle medizinische Dosierungsempfehlung. Die folgende Beispielrechnung veranschaulicht ausschließlich die mathematische Herleitung der Wirkstoffkonzentration pro Sprühstoß.

Beispiel mit 5 mg Semax-Pulver:

  • Löst du 5 mg Semax-Trockenpulver in 5 ml BAC-Wasser (bakteriostatischem Wasser), entsteht eine 0,1 %-Lösung mit einer Konzentration von exakt 1 mg/ml.
  • Ein standardisierter Hub eines Nasenspray-Zerstäubers gibt circa 0,1 ml Lösung ab, was rechnerisch einer Dosis von 100 µg Semax pro Sprühstoß entspricht.
  • Eine Zufuhr von 2-3 Sprühstößen je Nasenloch liefert 200-300 µg Wirkstoff, was dem Anwendungsbereich des russischen 0,1 %-Originalpräparats entspricht [2].

Für eine hochkonzentrierte 1 %-Lösung nach russischem Schlaganfall-Schema werden 5 mg Semax-Pulver in 0,5 ml BAC-Wasser gelöst, sodass ein 0,1-ml-Hub rund 1.000 µg Peptid abgibt. Schritt-für-Schritt-Details zu Rekonstitution und Haltbarkeit findest du in den Anleitungen. Da das Peptid thermolabil ist, erfordert die Lagerung eine konstante Kühlung bei 2-8 °C unter Ausschluss von Hitze und Frost.

Wie wirkt Semax im Gehirn?

Der Wirkmechanismus von Semax im zentralen Nervensystem stützt sich auf zwei Hauptpfade: die Aktivierung melanocortinerger sowie serotonerger Neurotransmittersysteme und die Hochregulation neurotropher Faktoren. Als synthetisches Fragment von ACTH(4-7) wurde das Heptapeptid so modifiziert, dass es seine hormonelle Aktivität verloren hat, aber melanocortinerge sowie serotonerge Neurotransmittersysteme aktiviert.

Ein zentraler neurobiologischer Effekt von Semax ist der Anstieg des Brain-Derived Neurotrophic Factor (BDNF) im Hippocampus. Dieses Signalprotein reguliert das Überleben von Nervenzellen, die synaptische Plastizität sowie die Neurogenese. Weil Semax über Veränderungen der Genexpression wirkt, halten die neuroprotektiven Effekte über viele Stunden an, obgleich die Plasmahalbwertszeit des Peptids im Blutkreislauf nur wenige Minuten beträgt [1,3].

Was ist in Humanstudien belegt?

Die bekannteste klinische Studie zur Semax-Wirkung bei akutem ischämischem Schlaganfall veröffentlichten Gusev und Kollegen 2018 mit 110 Schlaganfallpatienten. Die Behandlung erfolgte in zwei 10-tägigen Zyklen mit täglich 6.000 µg Semax intranasal bei 20 Tagen Therapiepause. Nach fünf Monaten Beobachtungszeit wiesen die Probanden verbesserte Werte im Barthel-Index für Alltagskompetenz, auf der MRC-Skala für Muskelkraft und höhere BDNF-Plasmaspiegel auf [4]. Wegen des Verzichts auf Randomisierung und Verblindung ist die Aussagekraft der Studie jedoch methodisch eingeschränkt.

In ihrem wissenschaftlichen Review von 2024 analysierte die FDA die gesamte publizierte Human-Evidenz zu Semax und konstatierte, dass keine Human-Pharmakokinetik-Studien für Semax vorlagen. Die verfügbare Datenbasis beschränkte sich auf 33-47 gesunde Probanden, 69 Erwachsene mit Vorerkrankungen und 451 pädiatrische Patienten mit Tic-Störungen oder Depressionen, wobei die meisten Studien nicht placebokontrolliert waren [9].

Was zeigen Tier- und Zellstudien?

In präklinischen In-vitro- und Tiermodellen zeigt Semax vielseitige neuroprotektive, antidepressive, entzündungshemmende und schmerzlindernde Effekte [5,6]. Eine Vergleichsstudie an Ratten belegte zudem, dass die intranasale Verabreichung kognitive Lernprozesse deutlich stärker förderte als eine intraperitoneale Injektion, was die Effizienz der direkten Wirkstoffaufnahme über die Riechschleimhaut unterstreicht [8].

Eine tierexperimentelle Alzheimer-Studie an APP/PS1-Mäusen aus dem Jahr 2024 dokumentierte nach intranasaler Gabe von Semax (50 µg/kg jeden zweiten Tag über vier Wochen) einen messbaren Rückgang der Amyloid-Beta-Plaques im Gehirn. Gleichzeitig verbesserten sich die Resultate im Barnes-Labyrinth sowie in Objekterkennungstests [10]. Diese Befunde bieten wertvolle Grundlagenhinweise, lassen sich aber nicht direkt auf humane Therapien übertragen.

Semax vs. Selank - worin unterscheiden sie sich?

Semax und Selank sind eng verwandte russische Heptapeptide für die intranasale Applikation, setzen jedoch an unterschiedlichen Zielen an: Semax dient vor allem der Neuroprotektion, Kognitionssteigerung und Aufmerksamkeit, während Selank primär anxiolytisch, stressreduzierend und stimmungsaufhellend wirkt. Eine ausführliche Gegenüberstellung von Wirkprofilen, Dosierungen und Indikationen beider Nootropika bietet der direkte Peptid-Vergleich zu Selank & Semax.

Ist Semax sicher?

Gemäß der offiziellen russischen Arzneimittel-Fachinformation ist Semax kontraindiziert bei Überempfindlichkeit, akuten psychischen Störungen, Angststörungen, Schwangerschaft, Stillzeit, Krampfanfällen in der Anamnese sowie bei Personen unter 18 Jahren [2]. In präklinischen Sicherheits- und Toxizitätsprüfungen traten keine mutagenen, toxischen oder fruchtschädigenden Wirkungen auf.

Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA fasste ihre Sicherheitsbewertung zu Semax 2024 in vier Kernpunkten zusammen [9]:

  • Für die subkutane Injektion existieren keine systematischen Sicherheitsstudien am Menschen, da die medizinische Forschung fast ausschließlich die nasale Gabe erfasste.
  • Bei individuell rezeptierten Peptid-Zubereitungen (Compounding) besteht ein erhöhtes Immunogenitätsrisiko durch Peptid-Aggregation und chemische Verunreinigungen.
  • Im FDA-Überwachungssystem FAERS ist ein Fallbericht über schwere Augenreizungen und Brennen mit stationärer Klinikaufnahme nach Nutzung eines online bezogenen 0,1 %-Semax-Produkts verzeichnet.
  • Die Mehrzahl der russischen Publikationen erfasste unerwünschte Nebenwirkungen nur lückenhaft, was die Beurteilung seltener Risiken erschwert.

Rechtlicher Status

In Russland ist Semax seit 1994 als verkehrsfähiges Fertigarzneimittel registriert und steht auf der nationalen Liste unentbehrlicher Medikamente [1,2]. Weder durch die US-amerikanische FDA noch durch die europäische EMA erfolgte bisher eine Zulassung als Arzneimittel.

Im Rahmen der Evaluierung 2024/2026 für die US-503A-Bulks-Liste für Rezepturarzneimittel rieten FDA-Experten davon ab, Semax für Compounding-Apotheken freizugeben, da Semax bei keinem der vier Kriterien - chemische Charakterisierung, historische Compounding-Nutzung, Wirksamkeit und Sicherheit - überzeugte [9]. Trotz einer positiven Abstimmung im beratenden PCAC-Ausschuss (Pharmacy Compounding Advisory Committee) im Juli 2026 bleibt Semax in den USA ohne offizielle Zulassung, und es gibt keine behördlich validierten Dosierungsschemata für gesunde Anwender.

Was ist noch nicht bekannt?

Für eine abschließende evidenzbasierte Einordnung von Semax fehlen derzeit placebokontrollierte Doppelblindstudien nach westlichen Standards. Der Großteil der bisherigen Erkenntnisse beruht auf russischen Open-Label-Untersuchungen; fundierte Langzeitdaten zur Sicherheit bei westlichen oder ethnisch diversen Patientenpopulationen liegen nicht vor.

Zudem hob die FDA 2024 hervor, dass für Semax keine validierten Human-Pharmakokinetik-Daten existieren [9]. Wie viel Semax nach nasaler Gabe tatsächlich ins Blut oder Gehirn gelangt, über welche Stoffwechselwege das Peptid im menschlichen Körper abgebaut wird und welches Gefahrenpotenzial bei subkutaner Injektion besteht, ist wissenschaftlich nicht geklärt. Systematische Übersichten zu weiteren Wirkstoffen bietet die Peptid-Bibliothek.

Evidenz im Überblick

Forschungsstand
Das Peptid Semax ist in Russland seit 1994 als Nasenspray in den Wirkstärken 0,1 % und 1 % zugelassen [1,2]. Klinische Studien am Menschen untersuchen vor allem die Anwendung bei ischämischem Schlaganfall und kognitiven Störungen. Die vorhandene Datenlage stammt fast ausschließlich von russischen Forschungsgruppen und teils unveröffentlichten Open-Label-Studien. Im Rahmen der 503A Bulks List hat die FDA Semax in den Jahren 2024/2026 evaluiert und die wissenschaftliche Evidenz für die nominierten Indikationen als unzureichend eingestuft, da keine Human-Pharmakokinetik-Studien existieren [9]. Das Pharmacy Compounding Advisory Committee (PCAC) stimmte im Juli 2026 dennoch mehrheitlich für eine Aufnahme auf die Liste; die endgültige regulatorische Entscheidung der FDA steht weiterhin aus.
Human-Evidenz
Wie wirkt Semax bei einem akuten ischämischen Schlaganfall? Gusev und Kollegen (2018) untersuchten 110 Patienten, die das Peptid intranasal mit 6.000 µg pro Tag erhielten. Die Behandlung lief in zwei Zyklen von je 10 Tagen, mit einer 20-tägigen Pause dazwischen. Die Ergebnisse zeigten verbesserte Werte auf der Barthel-Skala, die Alltagsfähigkeiten misst, sowie auf der MRC-Motorskala für Muskelkraft. Auch die BDNF-Blutspiegel stiegen. Allerdings war die Studie weder randomisiert noch placebokontrolliert [4]. Eine FDA-Evaluation aller verfügbaren Human-Daten aus dem Jahr 2024 fand klinische Studien mit 33-47 gesunden Erwachsenen, 69 Erwachsenen mit Vorerkrankungen und 451 Kindern. Die meisten davon hatten keine Placebokontrolle und lieferten keine pharmakokinetischen Daten [9].
Risiken & Nebenwirkungen
Laut der russischen Fachinformation ist Semax in bestimmten Fällen nicht geeignet. Dazu zählen Überempfindlichkeit, akute psychische Störungen, Angststörungen, Schwangerschaft, Stillzeit, Krampfanfälle in der Vorgeschichte sowie ein Alter unter 18 Jahren [2]. Präklinische Studien zeigten zwar keine toxischen, teratogenen oder mutagenen Wirkungen, die FDA bewertete die Sicherheit im Jahr 2024 jedoch differenziert: Für die subkutane Anwendung existieren keine Sicherheitsdaten, da alle vorliegenden Humandaten die intranasale Verabreichung betreffen. Zudem besteht bei Compounding-Formulierungen ein potenzielles Immunogenitätsrisiko durch Peptid-Aggregation, und in der FAERS-Datenbank ist ein Fallbericht über Augenschmerzen mit Krankenhausaufenthalt nach Anwendung von online erworbenem Semax 0,1 % dokumentiert [9].
Forschungslücken
Für Semax fehlen bislang placebokontrollierte Doppelblindstudien nach westlichen Standards. Die meisten Humanstudien kommen aus Russland und nutzen oft Open-Label-Designs, bei denen alle Beteiligten wissen, wer das Mittel bekommt. Außerdem gibt es weder Daten zur Langzeitsicherheit noch Untersuchungen an nicht-russischen Populationen. Die FDA stellte 2024 fest, dass für Semax keine einzige Human-Pharmakokinetik-Studie existiert - für keinen Anwendungsweg [9]. Auch die Sicherheit einer subkutanen Anwendung ist wissenschaftlich bislang ungeklärt.

Redaktionell aus Primärquellen belegt - keine ärztliche Beratung.

Verwandte Peptide

Semax wird üblicherweise nasal (als Nasenspray) angewendet. Eine Injektionsrechnung ist hier nicht möglich.

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