Forschung

SELECT-Studie: Semaglutid schützt Herz unabhängig

Eine präspezifizierte Analyse der SELECT-Studie (The Lancet, Oktober 2025) zeigt: Semaglutid senkt das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse um 20 Prozent - und dieser Schutz ist weitgehend unabhängig vom Ausgangsgewicht…

Veröffentlicht ·aktualisiert 22.06.2026 ·5 Quellen ·unabhängig & werbefrei ·Methodik
Symbolbild: SELECT-Studie: Semaglutid schützt Herz unabhängig
Symbolbild Symbolbild: SELECT-Studie: Semaglutid schützt Herz unabhängig

Semaglutid - bekannt geworden als Abnehmmittel Wegovy - schützt einer neuen Studienauswertung zufolge offenbar stärker das Herz als bisher gedacht. Und zwar auch dann, wenn die Waage kaum reagiert. Die SELECT-Studie gilt als Meilenstein der Kardiologie. Bereits 2023 zeigte sie, dass Semaglutid (Wegovy) bei Menschen mit Übergewicht oder Adipositas und bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung - aber ohne Diabetes - das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse (MACE, z. B. Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herztod) um 20 Prozent senkt. Nun liefern zwei neue Auswertungen bahnbrechende Details.

Warum schützt Semaglutid das Herz - auch ohne großen Gewichtsverlust?

Eine im Oktober 2025 im The Lancet veröffentlichte Auswertung, für die man im Vorfeld ganz gezielt diese eine Fragestellung festgelegt hatte (eine sogenannte präspezifizierte Sekundäranalyse), ging genau dieser Frage nach. Das Ergebnis: Die herzschützende Wirkung von Semaglutid war unabhängig vom Ausgangsgewicht, Taillenumfang und der Menge des Gewichtsverlusts. Selbst Teilnehmende mit nur geringer Gewichtsabnahme profitierten signifikant. Die Autoren um Prof. John Deanfield schlussfolgern, dass Semaglutid und andere GLP-1-Rezeptor-Agonisten - die Wirkstoffklasse, zu der Semaglutid gehört und die ursprünglich für Diabetes entwickelt wurde, heute aber vor allem als Abnehmmittel (Wegovy, Ozempic) bekannt ist - als Therapien neu bewertet werden sollten, die den Verlauf der Krankheit anhalten oder verändern (sogenannte krankheitsmodifizierende Therapien). Also Behandlungen, die nicht nur Symptome lindern, sondern direkt am Krankheitsverlauf ansetzen - und nicht allein als Mittel zur Gewichtsreduktion oder Blutzuckerkontrolle. Dies habe direkte Auswirkungen auf Zulassungskriterien: BMI-Schwellenwerte oder gewichtsbasierte Verschreibungsgrenzen könnten den Zugang für viele Patienten unnötig einschränken.

Was sagt die SELECT-Nierenanalyse?

Parallel erschien in Nature Medicine 2024 die Analyse der Nieren-Endpunkte der SELECT-Studie. Unter Semaglutid trat der zusammengesetzte harte Nierenendpunkt - Tod durch Nierenerkrankung, Nierenersatztherapie (Dialyse), Erreichen einer eGFR ≤15 ml/min/1,73 m² (terminale Niereninsuffizienz) oder dauerhafter eGFR-Abfall um ≥50 % (eGFR = ein Blutwert, der angibt, wie gut die Niere Abfallstoffe filtert) - mit 1,8 % vs. 2,2 % seltener auf. Das entspricht einer Risikoreduktion von 22 %. Statistisch war dieses Ergebnis signifikant: Die Hazard Ratio - vereinfacht gesagt ein Wert, der das Risiko zwischen zwei Gruppen vergleicht (unter 1,0 = weniger Ereignisse unter Semaglutid) - lag bei 0,78 und drückt diese rund 22-prozentige Risikominderung aus. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Unterschied zufällig zustande kam, betrug nur 2 Prozent (p = 0,02). Besonders ausgeprägt war der Nutzen bei Patienten mit bereits eingeschränkter Nierenfunktion (eGFR unter 60 ml/min). Das spricht für einen echten nierenschützenden (nephroprotektiven) Effekt, der über den Gewichtsverlust hinausgeht.

Was bedeuten diese Ergebnisse für die Praxis?

Die SELECT-Sekundäranalysen legen nahe, dass Semaglutid direkt an der Gefäßwand und an entzündlichen Prozessen angreift - unabhängig von seiner eigentlichen Hauptwirkung auf den Stoffwechsel (also etwa der Senkung des Blutzuckers oder des Gewichts). Für Patienten mit kardiovaskulären Vorerkrankungen und Übergewicht könnte dies bedeuten, dass ein Therapieversuch auch dann sinnvoll ist, wenn keine massive Gewichtsabnahme erwartet wird. Weitere Details zur Wirkweise und Studienlage findest Du in unserem Semaglutid-Profil mit Studienlage sowie im Tirzepatid-Vergleich.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient der neutralen Aufklärung und ersetzt keine medizinische Beratung. Sprich vor einer Therapie mit Semaglutid oder anderen GLP-1-Präparaten mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt.

Keine medizinische Beratung.

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