Stoffwechsel & Gewichtsreduktion

Mazdutid

Mazdutid ist ein neues Wirkstoff-Medikament, das zwei körpereigene Hormon-Signale gleichzeitig nachahmt, um starken Hunger zu drosseln und die Fettverbrennung anzuregen. Es handelt sich um einen sogenannten dualen GLP-1/Glucagon-Rezeptor-Agonisten, der einmal pro Woche unter die Haut gespritzt wird und in Studien bei Adipositas Gewichtsverluste von bis zu 20,1 % erreichte.

Redaktion ·Aktualisiert ·12 Quellen ·evidenz-bewertet ·unabhängig & werbefrei

Übliche Anwendung aus Studien

Wie dieses Peptid üblicherweise angewendet wird - beschrieben, nicht empfohlen.

Wie viel
2-10 mg pro Anwendung
Wie oft
einmal pro Woche
Darreichungsform
Injektion

Mazdutid wird in klinischen Studien einmal pro Woche subkutan (unter die Haut) gespritzt. Die Dosis beginnt niedrig bei 2 bis 3 mg und wird über ein festes Steigerungsschema über mehrere Wochen auf 4 bis 6 mg und schließlich auf 9 bis 10 mg erhöht; in einer frühen Phase-1-Studie wurde auch bis zu 16 mg getestet. Diese Zahlen stammen ausschließlich aus Studienprotokollen. Mazdutid ist weder in Europa noch in den USA zugelassen, es gibt also keine offiziellen Dosierungsleitlinien. Wie lange eine Behandlung insgesamt dauert, ist aus den Angaben nicht ersichtlich.

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Stand

Was ist Mazdutid?

Mazdutid ist ein neuer, verschreibungspflichtiger Wirkstoff, der einmal pro Woche unter die Haut gespritzt wird und bei starkem Übergewicht (Adipositas) sowie Typ-2-Diabetes eingesetzt werden soll. Er gehört zur Gruppe der sogenannten Peptid-Medikamente - also Medikamente, die aus kurzen Eiweiß-Bausteinen bestehen und ein körpereigenes Darmhormon (Oxyntomodulin) nachahmen. Dadurch aktiviert er gleichzeitig zwei Andockstellen des Körpers (den GLP-1- und den Glucagon-Rezeptor); man spricht deshalb auch von einem dualen Agonisten. Der Wirkstoff trägt die internen Entwicklungs-Codenamen IBI362 und LY3305677.

Für viele Patienten stellt sich die Frage, wie sich dieser neue Wirkstoff von den bekannten Marken-Wirkstoffen unterscheidet. Während Semaglutid nur den GLP-1-Rezeptor aktiviert und Tirzepatid die Rezeptoren für GLP-1 und GIP (ein weiteres Darmhormon) kombiniert, zielt Mazdutid auf die Kombination aus GLP-1 und Glucagon ab. Dieser glucagon-basierte Ansatz ist das Alleinstellungsmerkmal von Mazdutid und verspricht einen zusätzlichen Effekt auf den Energieverbrauch des Körpers. Entwickelt wurde der Wirkstoff ursprünglich von Eli Lilly; die Exklusivrechte für die weitere Entwicklung und Vermarktung in China wurden 2019 an Innovent Biologics einlizenziert.

Wie wirkt Mazdutid?

Mazdutid dockt als dualer Agonist gleichzeitig an den GLP-1-Rezeptor und den Glucagon-Rezeptor des menschlichen Körpers an. Diese kombinierte Aktivierung drosselt das Hungergefühl, verlangsamt die Magenentleerung und steigert gleichzeitig den Energieverbrauch sowie die Fettverbrennung in der Leber.

Die Wirkung beruht auf einer dualen Strategie, die zwei physiologische Pfade gleichzeitig nutzt. Durch die Aktivierung des GLP-1-Rezeptors wird die Insulinausschüttung nur dann angekurbelt, wenn der Blutzucker tatsächlich erhöht ist. Gleichzeitig signalisiert der Rezeptor dem Gehirn Sättigung und bremst die Magenentleerung, was für ein schnelleres Vollegefühl sorgt. Der zweite Andockpunkt, der Glucagon-Rezeptor (GCGR), regt den Grundumsatz an und fördert den Abbau von Fett in der Leber (Lipolyse). Um zu verhindern, dass das Peptid vom Körper zu schnell abgebaut wird, wurde es chemisch mit einer Fettsäure versehen (Acylierung). Dadurch verlängert sich die Halbwertszeit auf rund 6 bis 7 Tage, was die einmal wöchentliche Injektion ermöglicht.

Wie wirksam ist Mazdutid?

Die klinische Wirksamkeit von Mazdutid gilt als sehr hoch, wobei exakt dosierte Mengen in Studien zu signifikanten Gewichtsverlusten von über 20 Prozent führten. Neben der reinen Gewichtsreduktion verbesserte der Wirkstoff auch Blutzuckerwerte und kardiovaskuläre Risikomarker wie Blutdruck, Blutfette und Triglyzeride bei den Probanden.

In den hochrangigen Phase-3-Studien erreichten Teilnehmende beachtliche Ergebnisse, die teilweise mit den stärksten verfügbaren Adipositas-Medikamenten vergleichbar sind. Unter einer Dosis von 9 mg verloren Patienten mit Adipositas bis zu 20,1 % ihres Ausgangskörpergewichts. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes führte die Gabe von Mazdutid nicht nur zu einer signifikanten Senkung des Langzeitblutzuckerwerts (HbA1c), sondern zeitgleich zu einem starken Rückgang von Leberfett und Taillenumfang. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass diese beeindruckenden Ergebnisse fast ausschließlich an chinesischen Erwachsenen gemessen wurden; belastbare Daten für westliche Populationen fehlen bislang weitgehend.

Wirkstoff Klasse / Mechanismus Maximale Effektstärke (Gewichtsverlust) Status (EU/USA)
Semaglutid Mono GLP-1-Rezeptor-Agonist ca. 15 % Zugelassen (Adipositas & T2D)
Tirzepatid Dualer GLP-1 / GIP-Agonist ca. 20-22,5 % Zugelassen (Adipositas & T2D)
Mazdutid Dualer GLP-1 / Glucagon-Agonist bis zu 20,1 % Studienphase, nicht zugelassen

Das GLORY-Studienprogramm

Das GLORY-Studienprogramm umfasst mehrere Phase-3-Studien des Herstellers Innovent Biologics zur Untersuchung von Mazdutid bei Adipositas und Typ-2-Diabetes. In den Studien GLORY-1 und GLORY-2 erreichten Teilnehmende beachtliche Gewichtsverluste, wobei das Programm weitreichende metabolische Verbesserungen dokumentierte und die Sicherheit für die Zulassung belegen sollte.

Bisher haben über 1.500 Probanden in 17 verschiedenen klinischen Studien Mazdutid erhalten. Die Ergebnisse der Studie GLORY-1, die Dosen von 4 mg und 6 mg testete und nach 32 Wochen einen Gewichtsverlust von 10 bis 12,5 % zeigte, wurden in 'The Lancet Diabetes & Endocrinology' publiziert. In der Nachfolgestudie GLORY-2 erzielte eine höhere Dosis von 9 mg einen maximalen Gewichtsverlust von 20,1 %. Die Ergebnisse zu Typ-2-Diabetes aus dem DREAMS-Programm erschienen im Fachmagazin 'Nature Medicine'. Das Programm wird stetig erweitert und prüft den Wirkstoff nun auch für Jugendliche mit Adipositas, für eine bestimmte Form der Fettleber-Entzündung (Fachbegriff: metabolische Steatohepatitis, kurz MASH) sowie für eine besondere Form der Herzschwäche mit erhaltener Pumpfunktion (Fachbegriff: HFpEF).

Dosierung: was die Studien zeigen - und der Verlauf

In den klinischen Studien wurde Mazdutid als einmal wöchentliche Injektion unter die Haut verabreicht, wobei die Dosis schrittweise über ein festes Titrationsschema gesteigert wurde. Dieses schrittweise Aufdosieren dient primär dazu, den Magen-Darm-Trakt an den Wirkstoff zu gewöhnen und Nebenwirkungen zu minimieren.

Die Studienprotokolle beginnen in der Regel mit einer niedrigen Startdosis von 2 mg oder 3 mg, die über mehrere Wochen beibehalten wird, bevor auf die nächste Wirkstoffkonzentration erhöht wird. Da Mazdutid in Europa und den USA nicht zugelassen ist, gibt es keine offiziellen medizinischen Leitlinien für die Dosierung. Die folgenden Schemata spiegeln ausschließlich die Vorgehensweise in den klinischen Tests wider und sind keine ärztliche Anweisung.

Phase / Zeitraum Wöchentliche Dosis Ziel / Hinweis
Startphase 2 mg bis 3 mg Studienvalidierter Beginn zur langsamen Gewöhnung des Magens.
Mittlere Phase 4 mg bis 6 mg Wirksame Standarddosis, primärer Endpunkt in GLORY-1.
Hochdosisphase 9 mg bis 10 mg Höchste in Phase-2/3 getestete Dosis (konservative Orientierung für Maximalergebnis).

Handhabung & Lagerung

Mazdutid wird in der Regel als sterile Injektionslösung in Studienpens oder Durchstechflaschen geliefert und gekühlt gelagert, um die empfindliche Peptidstruktur vor dem Verfall zu schützen. Da der Wirkstoff in Europa und den USA nicht zugelassen ist, existieren keine regulären Fertigprodukte für Endverbraucher auf dem westlichen Markt.

Wie fast alle Peptid-Medikamente ist Mazdutid temperaturempfindlich. In einem klinischen Setting wird es im Kühlschrank bei etwa 2 bis 8 Grad Celsius aufbewahrt. Ein Einfrieren muss zwingend vermieden werden, da dies die Proteinstruktur zerstört. Da das Präparat aktuell außerhalb Chinas nicht als fertiger Pen käuflich ist, bestehen bei unrechtmäßig erworbenen Pulver- oder Forschungsversionen erhebliche Risiken bezüglich der korrekten und sterilen Rekonstitution (Anmischen).

Nebenwirkungen und häufige Fehler

Die häufigsten Nebenwirkungen von Mazdutid betreffen den Magen-Darm-Trakt und umfassen Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, die insbesondere bei einer Erhöhung der Dosis auftreten. Eine Meta-Analyse zeigte im Vergleich zu Placebo ein signifikant erhöhtes relatives Risiko für diese Beschwerden, weshalb ein langsamer Einstieg wichtig ist.

Eine umfassende Analyse der Studiendaten zeigt, dass das Nebenwirkungsprofil dem anderer Inkretin-Mimetika stark ähnelt. Im direkten Vergleich zu Placebo erkrankten deutlich mehr Patienten unter Mazdutid an typischen Magenproblemen. Für Übelkeit wurde ein relatives Risiko (RR) von 4,22 berechnet, für Erbrechen lag es bei 4,91 und für verminderter Appetit bei 2,30. Auch Durchfall und Bauchschmerzen traten gehäuft auf. In der Hochdosis-Studie mit 9 mg wurde zudem eine leichte Zunahme der Herzfrequenz beobachtet. Im Gegensatz zu Placebo brachen in der 9-mg-Phase-2-Studie jedoch kaum Probanden die Behandlung wegen Nebenwirkungen ab.

  • Dosis zu schnell erhöht: Ein häufiger Fehler ist das Überspringen der Titrationsschritte (z.B. direkter Start mit 6 mg). Das überfordert den Magen-Darm-Trakt und führt fast unweigerlich zu starkem Erbrechen.
  • Ergebnisse 1:1 übertragen: Die beeindruckenden Studiendaten stammen fast ausschließlich von chinesischen Erwachsenen. Die Übertragbarkeit der Toleranz und exakten Dosierungen auf westliche Populationen ist durch die aktuellen Daten nicht belegt.
  • Hygiene bei der Injektion vernachlässigt: Die wöchentliche subkutane Injektion erfordert strikt sterile Bedingungen, um schwere Haut- oder Gewebeinfektionen zu vermeiden.

Zulassung und rechtlicher Status

Mazdutid verfügt derzeit über eine Zulassung in China für die Behandlung von Adipositas und Typ-2-Diabetes, wurde jedoch noch nicht von der amerikanischen FDA oder der europäischen EMA zugelassen. Der rechtliche Status in westlichen Ländern verbietet daher aktuell einen regulären Vertrieb mit Medikamenten wie Semaglutid.

In China erfolgte die Zulassung durch die National Medical Products Administration (NMPA) im Jahr 2024 für Gewichtsmanagement und Typ-2-Diabetes. Für den europäischen und nordamerikanischen Raum befindet sich der Wirkstoff weiterhin in der klinischen Erprobung ohne gültige Marktzulassung. Der Kauf, Verkauf und die Anwendung von Mazdutid fallen in Europa somit nicht unter reguläre Apotheken-Richtlinien. Im schlimmsten Fall erwerben Anwender hier Forschungschemikalien (Research Chemicals) aus dem grauen Markt, deren Reinheit und Dosierung unsicher sind.

Evidenz im Überblick

Forschungsstand
Mazdutid (Synonyme: IBI362, LY3305677) ist ein synthetisches Peptid-Analogon des Säugetier-Oxyntomodulins und wirkt als Dual-Agonist an GLP-1R und GCGR [2, 8]. Es wird von Eli Lilly und Innovent Biologics entwickelt [11]. In vitro band Mazdutid potent an humane und murine GLP-1- und Glucagon-Rezeptoren [2]. Präklinische Daten aus Mausmodellen deuten auf neuroprotektive und leberschützende Effekte hin [6, 21]. Die Human-Evidenz umfasst randomisierte kontrollierte Studien von Phase 1b bis Phase 3 [1-5, 7, 8, 16, 24]. Im Juni 2025 erhielt Mazdutid in China unter dem Markennamen Xinermei® seine erste Zulassung zur langfristigen Gewichtskontrolle bei Erwachsenen mit Adipositas oder Übergewicht [11].
Human-Evidenz
Humanstudien zeigen eine dosisabhängige, klinisch relevante Gewichtsreduktion bei chinesischen Erwachsenen. In Phase-1b-Studien (12 Wochen) erreichten Dosen bis 6 mg einen Gewichtsverlust von bis zu 6,4 % [1, 2], während ein 3-6-9-mg-Titrationsschema einen placebokorrigierten Verlust von 9,8 % erzielte [2]. In der Phase 2 (24 Wochen) zeigten sich placebokorrigierte Differenzen von −7,7 % (3 mg) bis −12,3 % (6 mg) [3, 4]. Die Phase-3-Studie GLORY-1 (32 Wochen, 4 mg und 6 mg) bestätigte klinisch relevante Gewichtsreduktionen [5]. Eine Phase-1-Hochdosisstudie (bis 16 mg, 20 Wochen) erreichte sogar einen mittleren Gewichtsverlust von bis zu −21,0 % [24]. Für Typ-2-Diabetes liegen Verbesserungen der Blutzuckerkontrolle aus Phase 1b, Phase 2 und Phase 3 vor [7, 8, 23], wobei die Phase-3-Studie DREAMS-3 Mazdutid direkt mit Semaglutid vergleicht und Ergebnisse noch ausstehen [10].
Dosierungen in Studien & Praxis
Alle Dosen wurden einmal wöchentlich subkutan appliziert. Berichtete Dosen umfassen: Phase 1b Adipositas (niedrig) bis 6 mg [1, 2]; Phase 1b Adipositas (hoch) 3-6-9 mg (Titration) sowie 9 mg und 10 mg [1, 2]; Phase 1 Adipositas (maximal getestet) bis 16 mg [24]; Phase 2 Adipositas 3 mg, 4,5 mg, 6 mg [3, 4]; Phase 3 Adipositas (GLORY-1) 4 mg, 6 mg [5]; Phase 3 Adipositas (GLORY-2) 9 mg [16]. Für Phase 1b bei Typ-2-Diabetes war die Dosis im Auszug nicht spezifiziert [23]. Sämtliche genannten Dosierungen sind ausschließlich berichtende Wiedergaben aus Studienprotokollen und stellen keine medizinische Empfehlung dar.
Risiken & Nebenwirkungen
In der Phase-2-Studie (24 Wochen) wurden alle Mazdutid-Dosen gut vertragen. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse waren Diarrhö, Übelkeit und Infektionen der oberen Atemwege [4]. Ein vollständiges Sicherheitsprofil mit systematischer Erfassung seltener Ereignisse (z. B. Pankreatitis, medulläres Schilddrüsenkarzinom, Gallenwegserkrankungen) liegt in den vorliegenden Quellenauszügen nicht vor.
Forschungslücken
Es gibt keine publizierten Daten zu nicht-chinesischen Populationen, da alle Phase-2/3-Studien bisher an chinesischen Kohorten durchgeführt wurden [1-5, 7, 8, 16]. Langzeitdaten über 1 Jahr hinaus sind begrenzt, da berichtete Studien meist 12-32 Wochen abdecken [1-5, 16]. Kardiovaskuläre Outcomes (CVOT) sind unbekannt. Ein direkter Vergleich mit Semaglutid läuft noch (DREAMS-3) [10]. Die Sicherheit bei höchsten Dosen (9-16 mg) ist unvollständig dokumentiert [1, 2, 16, 24]. Kognitive Effekte und Lebereffekte beim Menschen sind nicht untersucht oder bestätigt, sondern bislang nur präklinisch in Mäusen belegt [6, 15, 21, 22]. Es liegen keinerlei Quellen zu Freizeitgebrauch oder Missbrauchspotenzial vor.

Redaktionell aus Primärquellen belegt - keine ärztliche Beratung.

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