Neuro & Kognition

Pinealon

Pinealon (EDR, Glu-Asp-Arg) ist ein synthetisches Tripeptid aus der Khavinson-Bioregulator-Familie, das auf das Gehirn und die Zirbeldrüse abzielt. Es wird für neuroprotektive und kognitive Effekte erforscht, meist oral als Kapsel in der russischen klinischen Praxis.

Redaktion ·Aktualisiert ·6 Quellen ·evidenz-bewertet ·unabhängig & werbefrei

Übliche Anwendung Studien und Praxis

Wie dieses Peptid üblicherweise angewendet wird - beschrieben, nicht empfohlen.

Wie viel
20 mg pro Tag
Wie oft
täglich
Wie lange
10-20 Tage am Stück
Darreichungsform
Oral (Einnahme)

In der russischen klinischen Praxis wird Pinealon als Kapsel mit 20 mg täglich über 10 bis 20 Tage eingenommen, mit ein bis zwei solcher Kuren pro Jahr. Diese Angabe stammt aus der russischen Arzneimittelpraxis und ist außerhalb Russlands nicht wissenschaftlich validiert. Im Graumarkt spritzen Anwender stattdessen 1 bis 2 mg täglich subkutan (unter die Haut), ebenfalls über 10 bis 20 Tage - diese Dosis beruht ausschließlich auf unbelegten Erfahrungsberichten aus Online-Foren ohne klinische Studienbasis. Für beide Anwendungsarten gibt es keine Zulassung durch FDA oder EMA.

Dieses Peptid wird nicht injiziert - eine Berechnung im Injektions-Rechner ist hier nicht vorgesehen.

Stand

Pinealon (auch EDR-Peptid, Aminosäuresequenz Glu-Asp-Arg) ist ein synthetisches Tripeptid aus den drei Aminosäuren Glutaminsäure, Asparaginsäure und Arginin. Es zielt gewebespezifisch auf das Gehirn und die Zirbeldrüse ab [1,3]. Entwickelt wurde es von Vladimir Khavinson am St. Petersburger Institut für Bioregulation und Gerontologie. Pinealon gehört zur Familie der Bioregulator-Peptide (Cytomedine), die direkt in die zelluläre Genexpression eingreifen sollen [1,3].

Als synthetisches Peptid wurde Pinealon aus dem natürlichen Rinderhirnrindenextrakt Cortexin abgeleitet. Dessen neuroprotektive Eigenschaften beruhen maßgeblich auf dem enthaltenen Glu-Asp-Arg-Motiv [1]. Während das verwandte Khavinson-Peptid Epithalon vorrangig die Telomeraseaktivität adressiert, konzentriert sich die präklinische Forschung bei Pinealon auf den gezielten Schutz von Nervenzellen und neurologische Anti-Aging-Prozesse.

Wie wird Pinealon angewendet? Dosierung und Darreichungsformen

In der russischen klinischen Praxis wird Pinealon primär oral als Kapsel verabreicht. Die übliche Dosis beträgt 20 mg täglich über einen Zeitraum von 10-20 Tagen, bei 1-2 Behandlungskursen pro Jahr [3,4]. Diese orale Verabreichung ist die ursprüngliche pharmazeutische Darreichungsform. Mit ihr war Pinealon in Russland zeitweise als Arzneimittel registriert.

Auf dem Graumarkt wird das Peptid Pinealon hingegen meist als lyophilisiertes Pulver zur täglichen subkutanen Injektion von 1-2 mg über 10-20 Tage vertrieben. Diese Dosierungen basieren rein auf unbelegter Anwender-Praxis aus Online-Foren, ohne klinische Studienbasis. Vereinzelt wird zudem eine intranasale Gabe für eine direkte Aufnahme ins Gehirn diskutiert. Auch dafür liegt keine klinische Evidenz vor [3].

Außerhalb der historischen russischen Anwendung existiert keine validierte Humandosis und keine Zulassung durch FDA oder EMA. Alle im Graumarkt kursierenden Einnahmeprotokolle sind reine Extrapolationen und besitzen keine evidenzbasierte medizinische Grundlage.

Pinealon anmischen: Rekonstitution und Dosierungsberechnung

Für die subkutane Injektion wird lyophilisiertes Pinealon-Pulver (üblicherweise 10 mg oder 20 mg pro Vial) mit einem Lösungsmittel wie BAC-Wasser (bakteriostatisches Wasser mit 0,9% Benzylalkohol) rekonstituiert. Eine detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitung für das hygienische Anmischen und Lagern bietet die Anleitung zum Anmischen und Lagern.

Ein durchgerechnetes Beispiel für die Rekonstitution eines 20-mg-Vials Pinealon:

SchrittWert
Vial-Größe20 mg lyophilisiertes Pulver
BAC-Wasser hinzufügen2 ml
Konzentration nach Rekonstitution10 mg/ml
Community-Dosis (1 mg)0,1 ml = 10 Einheiten auf einer U-100 Insulinspritze
Community-Dosis (2 mg)0,2 ml = 20 Einheiten auf einer U-100 Insulinspritze

Dieses Rechenbeispiel dokumentiert ausschließlich die unbelegte Anwender-Praxis und stellt keine klinisch validierte Dosierungsempfehlung dar. Nach dem Rekonstituieren mit BAC-Wasser muss das Vial bei 2-8 °C im Kühlschrank gelagert und innerhalb eines Zeitfensters von 20-30 Tagen verbraucht werden.

Wirkung und Wirkungsweise von Pinealon im Körper

Pinealon wirkt als ultrakurzes Tripeptid durch direkte Penetration in den Zellkern. Dort interagiert es nach Hypothese der Khavinson-Gruppe mit DNA sowie Histonen und moduliert gezielt die Genexpression [1,3]. Im Gegensatz zu größeren Peptiden benötigt Pinealon keine membranständigen Rezeptoren, um biologische Effekte auf zellulärer Ebene auszulösen [1,3].

In präklinischen Zellkultur- und Tiermodellen wurden folgende molekulare Wirkungen von Pinealon nachgewiesen:

  • Reduktion reaktiver Sauerstoffspezies (ROS) zur Senkung von oxidativem Stress und Zellschäden [1]
  • Verminderung von nekrotischem Zelltod bei Nervenzellen unter zellulären Stressbedingungen [1]
  • Aktivierung der ERK 1/2-Signalkaskade zur Förderung von Zellteilung und neuronalem Überleben [1]
  • Steigerung antioxidativer Enzyme wie SOD2 und GPX1 [3]
  • Modulation der Serotonin-Synthese über die Regulation des Tryptophan-Hydroxylase-Gens [2]
  • Regulierung proapoptotischer Proteine wie Caspase-3 und p53 zur Kontrolle des programmierten Zelltods [3]

Ergänzend zeigte eine Microarray-Genanalyse, dass Pinealon die Expression von 62 gehirnspezifischen Genen moduliert. Diese Gene sind für neuronales Überleben, synaptische Plastizität und mitochondriale Funktion zentral [3].

Studienlage und wissenschaftliche Forschung zu Pinealon

Die wissenschaftliche Evidenz zu Pinealon ist überwiegend präklinisch. Sie basiert fast ausschließlich auf In-vitro- und Tiermodellen aus der Forschungsgruppe um Vladimir Khavinson. Die publizierten Studien untersuchen vor allem zelluläre Schutzmechanismen gegen oxidativen Stress sowie Genexpressionsmuster:

StudieModellWesentlicher Befund
Khavinson et al. 2011 [1]Zellkultur (Neuronen, PC12-Zellen)Dosisabhängige Reduktion von ROS und nekrotischem Zelltod unter oxidativem Stress
Arutjunyan et al. 2012 [5]Ratten (pränatal)Schutz der Nachkommen vor pränataler Hyperhomocysteinämie; verbesserte kognitive Funktion
Khavinson et al. 2020 [3]Review (In-vitro + In-vivo)EDR moduliert Gene, die mit Alzheimer-Krankheit assoziiert sind; beeinflusst MAPK/ERK-Weg, Caspase-3, SOD2, Serotonin
Khavinson et al. 2011 [2]Zirbeldrüsen-ZellkulturErhöhte Expression von Signalmolekülen, inklusive Serotonin-bezogener Wege
Umnov et al. 2013 [4]Menschen verschiedenen AltersBericht über neuroprotektive Effekte von Peptid-Bioregulatoren bei Menschen

Als einzige klinische Veröffentlichung am Menschen beschreibt die russischsprachige Arbeit von Umnov et al. (2013) neuroprotektive Effekte von Peptid-Bioregulatoren über verschiedene Altersgruppen hinweg [4]. Allerdings handelt es sich dabei nicht um eine kontrollierte Doppelblindstudie nach westlichen Standards. Auch berichtete Gedächtnisverbesserungen bei Senioren sind nicht durch unabhängige Kontrollgruppenstudien belegt [3].

Bis heute existieren keine FDA/EMA-Zulassung und keine westlichen klinischen Phase-II/III-Studien zu Pinealon. Da die gesamte Primärliteratur aus einer einzelnen Forschungsgruppe stammt, fehlt bislang eine unabhängige wissenschaftliche Replikation der Ergebnisse.

Mögliche Risiken und Nebenwirkungen von Pinealon

Für Pinealon liegen bislang keine systematischen Sicherheitsdaten aus kontrollierten klinischen Humanstudien vor. Zwar zeigten In-vitro- und Tiermodelle keine akute Toxizität. Die begrenzte Datenbasis erlaubt jedoch keine verlässliche Risikobewertung für den Menschen.

Wesentliche Sicherheitsaspekte von Pinealon sind wissenschaftlich ungeklärt:

  • Mögliche Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und Wirkstoffen
  • Langzeitfolgen und Spätwirkungen wiederholter Anwendungskuren
  • Sicherheitsprofil während der Schwangerschaft, Stillzeit sowie bei vorbestehenden Erkrankungen des Nervensystems
  • Tatsächliche gastrointestinale Bioverfügbarkeit, da das Peptid bei oraler Einnahme im Magen-Darm-Trakt enzymatisch abgebaut werden kann

Zusätzlich wirft der postulierte Mechanismus der direkten epigenetischen DNA-Interaktion ungeklärte Sicherheitsfragen auf. Unabhängige Kriterien zur Überprüfung von nicht zugelassenen Bezugsquellen im Graumarkt erläutert der Leitfaden Schutz beim Bestellen.

Pinealon im Vergleich zu anderen Khavinson-Bioregulatoren

Pinealon ist Teil einer strukturellen Familie synthetischer Bioregulator-Peptide nach Khavinson. Bei dieser Familie ist jede spezifische Aminosäuresequenz auf ein definiertes Zielorgan ausgerichtet. Die Differenzierung erfolgt anhand des jeweiligen biologischen Zielgewebes:

PeptidSequenzZielgewebe
PinealonGlu-Asp-Arg (EDR)Gehirn / Zirbeldrüse
EpithalonAla-Glu-Asp-Gly (AEDG)Zirbeldrüse / Telomerase
VilonLys-Glu (KE)Immunsystem
CartalaxAla-Glu-Asp (AED)Knorpel / Gelenke

In Anwender-Communitys werden Pinealon und Epithalon häufig sequenziell in 10-Tages-Zyklen kombiniert. Für dieses Vorgehen existieren keinerlei klinische Wirksamkeits- oder Sicherheitsnachweise. Einen systematischen Vergleich weiterer Bioregulatoren bietet die Peptid-Bibliothek.

Fazit: Zusammenfassung zu Wirkung, Evidenz und Sicherheit von Pinealon

Pinealon ist ein experimentelles Tripeptid (Glu-Asp-Arg). Es zeigt durch direkte nukleäre Genmodulations-Mechanismen neuroprotektive Effekte in präklinischen Modellen. Sämtliche Wirksamkeitsdaten zur Reduktion von oxidativem Stress stammen jedoch nahezu ausschließlich aus einer einzelnen Forschungsgruppe (Khavinson) und sind nicht durch unabhängige Studien bestätigt.

In der Praxis ist Pinealon kein zugelassenes Arzneimittel in der EU oder den USA und verfügt über keine validierte Humandosis für evidenzbasierte Therapien. Graumarkt-Dosierungen bleiben spekulativ. Deshalb ist eine strikte Trennung zwischen präklinischer Laborhypothese und tatsächlicher klinischer Evidenz erforderlich.

Evidenz im Überblick

Forschungsstand
Die Studienlage zu diesem Präparat ist überwiegend präklinisch. Das heißt: Die Daten stammen vor allem aus Zellkultur- und Tiermodellen der Forschungsgruppe um Vladimir Khavinson in St. Petersburg. Eine russische Studie berichtet zwar über neuroprotektive Effekte bei Menschen verschiedenen Alters [4], und das Mittel war in Russland zeitweise als Arzneimittel registriert. Es gibt jedoch keine westlichen klinischen Studien der Phase II oder III und keine Zulassung durch die FDA oder EMA.
Human-Evidenz
Für den Peptid-Bioregulator Pinealon berichtet eine russische Humanstudie an Probanden verschiedenen Alters über neuroprotektive Effekte [4]. Neuroprotektiv bedeutet, dass die Substanz Nervenzellen schützen soll. Die Khavinson-Gruppe beschreibt zudem Verbesserungen bei Gedächtnisbeschwerden älterer Patienten [3]. Kontrollierte westliche Humanstudien (RCTs) sowie eine unabhängige Bestätigung dieser Befunde fehlen jedoch bislang.
Dosierungen in Studien & Praxis
Für das Peptid Pinealon gibt es außerhalb der russischen klinischen Anwendung keine offiziell bestätigte Dosis für den Menschen. In der russischen klinischen Praxis (Khavinson-Rahmen) wird Pinealon oral als Kapsel mit 20 mg täglich über 10-20 Tage eingenommen, verteilt auf 1-2 Kurse pro Jahr [3,4]. Im Graumarkt berichten Anwender meist von 1-2 mg täglich, die sie 10-20 Tage lang unter die Haut spritzen - dafür fehlt jedoch eine wissenschaftliche Studienbasis. In Tiermodellen wurde Pinealon mit 400 µg pro Kilogramm Körpergewicht und Tag über etwa 2 Monate in die Bauchhöhle gegeben [3].
Risiken & Nebenwirkungen
Bislang gibt es keine systematischen Sicherheitsdaten und keine klinischen Studien am Menschen. Die vorhandenen In-vitro- und Tierstudien berichten zwar über keine akuten Toxizitäten, aber für eine verlässliche Risikobewertung reicht diese Datenbasis nicht aus. Auch mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind unbekannt. Weil belastbare Daten fehlen, gelten Schwangerschaft, Stillzeit und Vorerkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS) als klare Vorsichtsbereiche.
Forschungslücken
Für Khavinson-Peptide fehlen kontrollierte Humanstudien (RCTs) sowie unabhängige wissenschaftliche Bestätigungen der Ergebnisse durch externe Forschungsgruppen. Zudem liegen weder Langzeit-Sicherheitsdaten noch systematische Untersuchungen zu Wechselwirkungen vor. Bei einer oralen Einnahme bleibt die Bioverfügbarkeit unklar, da Peptide im Magen-Darm-Trakt typischerweise vorzeitig abgebaut werden. Auch der angenommene DNA-Interaktionsmechanismus ist wissenschaftlich rein hypothetisch und nicht vollständig aufgeklärt.

Redaktionell aus Primärquellen belegt - keine ärztliche Beratung.

Verwandte Peptide

Dieses Peptid wird nicht injiziert - eine Berechnung im Injektions-Rechner ist hier nicht vorgesehen.

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