Neuro & Kognition

PE-22-28

PE-22-28 (Mini-Spadin) ist ein synthetisches 7-Aminosäuren-Peptid und TREK-1-Kanal-Blocker mit antidepressiver Wirkung in Mausmodellen. Keine Humanstudien, keine Zulassung.

Redaktion ·Aktualisiert ·6 Quellen ·evidenz-bewertet ·unabhängig & werbefrei

Übliche Anwendung gängige Praxis, nicht belegt

Wie dieses Peptid üblicherweise angewendet wird - beschrieben, nicht empfohlen.

Wie viel
500-1000 µg pro Tag
Wie oft
täglich
Wie lange
4-8 Wochen am Stück
Darreichungsform
Injektion

Für PE-22-28 gibt es keine wissenschaftlich geprüfte Dosis für Menschen. In Foren und bei Händlern kursieren Angaben von 500 µg bis 1 mg pro Tag, gespritzt subkutan (unter die Haut) oder als Nasenspray, über 4 bis 8 Wochen. Diese Zahlen stammen ausschließlich aus der Anwender-Praxis und sind nicht durch Studien belegt. In Tierversuchen wurden ganz andere Mengen pro Kilogramm Körpergewicht getestet, die sich nicht direkt auf Menschen übertragen lassen.

Datenlage zu dünn für eine Berechnung im Injektions-Rechner.

Stand

PE-22-28 ist ein künstlich hergestelltes Peptid aus sieben Aminosäuren. In der Depressionsforschung gilt es als starker Blocker des TREK-1-Kanals - allerdings wurde es bisher nur in Tier- und Zellmodellen getestet. Es gibt keine Humanstudien, keine klinischen Prüfungen und keine Zulassung irgendwo auf der Welt.

Was ist PE-22-28?

PE-22-28 (manchmal "Mini-Spadin" genannt) ist ein kurzes Peptid aus sieben Aminosäuren. Es ist ein verkürzter, optimierter Abkömmling von Spadin. Spadin selbst ist ein natürlich vorkommendes Peptid aus 17 Aminosäuren, das bei der Reifung des Proteins Sortilin im Körper freigesetzt wird. Der Name "PE 22-28" bezieht sich auf die Positionen 22 bis 28 im Sortilin-Propeptid [1].

Spadin wurde interessant, weil es den TREK-1-Kanal blockiert. Das ist ein Kaliumkanal im Gehirn, der mit Depression in Verbindung gebracht wird. Mäuse, denen dieser Kanal genetisch fehlt, zeigen ein Verhalten, das gegen Depressionen resistent ist [3]. PE-22-28 wurde entwickelt, um die Schwächen von Spadin zu überwinden: Es blockiert TREK-1 etwa 300-mal stärker (IC50 von 0,12 nM gegenüber 40-60 nM bei Spadin) und wirkt mit rund 23 Stunden deutlich länger als Spadin (ca. 7 Stunden) [1].

Wie wird PE-22-28 angewendet?

In der wissenschaftlichen Forschung wurde PE-22-28 ausschließlich an Mäusen getestet. Dort gab man es intraperitoneal (in die Bauchhöhle) mit 3,2-4,0 µg/kg oder per Schlundsonde (oral) mit 1,0 mg/kg. Die Gabe erfolgte entweder als Einzeldosis oder über vier Tage hinweg täglich [1]. Es gibt keine Humanstudien und somit auch keine validierte Darreichungsform, Dosis oder Frequenz für den Menschen.

Im Graumarkt wird PE-22-28 typischerweise als lyophilisiertes Pulver in 5-mg-Vials verkauft. Dort wird es sowohl subkutan (unter die Haut) als auch intranasal (über die Nase) angewendet. Häufig genannte Dosen liegen bei 500 µg bis 1 mg täglich über 4-8 Wochen. Diese Praxis ist vollständig unbelegt - sie stammt aus Foren und Shop-Empfehlungen, nicht aus Studien. Es gibt keinerlei Daten zur Sicherheit, Pharmakokinetik oder Wirksamkeit von PE-22-28 beim Menschen über irgendeinen Applikationsweg.

Vom Vial zur Anwendung: Rekonstitution und Rechenweg

Da es keine validierte Humandosis gibt, kann ich hier nur die Graumarkt-Praxis dokumentieren - ausdrücklich als unbelegte Anwender-Praxis und nicht als Empfehlung.

Typischerweise wird ein 5-mg-Vial mit 2 ml bakteriostatischem Wasser (BAC-Wasser) rekonstituiert. Das ergibt eine Konzentration von 2,5 mg/ml bzw. 2500 µg pro ml. Bei einer üblichen Insulinspritze mit 100 Einheiten (1 ml) entspricht eine Markierung (1 "Strich") 25 µg. Für eine Graumarkt-Dosis von 500 µg wären das 20 Einheiten auf der Spritze; für 250 µg entsprechend 10 Einheiten.

Für die intranasale Anwendung wird eine höhere Konzentration bevorzugt: Bei Rekonstitution mit 1 ml BAC-Wasser erhält man 5 mg/ml. Ein typischer Sprühstoß eines Nasensprühers liefert etwa 100 µl, also 500 µg pro Hub. Auch diese Zahlen sind reine Anwender-Erfahrungswerte ohne wissenschaftliche Grundlage. Wenn du dich allgemein über das Anmischen und Lagern von Peptiden informieren möchtest, findest du Schritt-für-Schritt-Anleitungen unter Anleitungen.

Wie wirkt PE-22-28?

Der Wirkmechanismus von PE-22-28 unterscheidet sich grundlegend von allen gängigen Antidepressiva. Statt den Serotonin- oder Noradrenalin-Spiegel direkt zu verändern, blockiert PE-22-28 den TREK-1-Kanal. Das ist ein sogenannter Zwei-Poren-Kaliumkanal, der in weiten Teilen des Gehirns vorkommt und die Erregbarkeit von Nervenzellen reguliert [1, 2].

Wenn TREK-1 blockiert wird, werden Neuronen erregbarer - was paradoxerweise antidepressiv wirken kann. Die Blockade führt zu einer erhöhten serotonergen Neurotransmission und fördert zudem die Neurogenese (die Bildung neuer Nervenzellen) und Synaptogenese (die Bildung neuer Synapsen) im Hippocampus. Das ist ein Gehirnbereich, der bei Depression oft geschädigt ist [2, 3].

Spadin, der Vorläufer von PE-22-28, zeigte in Mausmodellen eine antidepressive Wirkung bereits nach vier Tagen - im Vergleich zu 3-4 Wochen bei klassischen Antidepressiva wie Fluoxetin [2]. PE-22-28 soll diese Wirkung noch potenter und länger anhaltend entfalten. Zudem interagiert Spadin mit präfrontalen 5-HT4- und mGluR2-Rezeptoren. Das deutet auf zusätzliche Wirkwege jenseits der reinen TREK-1-Blockade hin [4].

Was zeigen die Studien?

Die gesamte Evidenz zu PE-22-28 stammt aus einer einzigen Forschungsgruppe im Süden Frankreichs (um Jean Mazella und Catherine Heurteaux). Keine unabhängige Gruppe hat die Ergebnisse bisher repliziert [1, 2].

Studie Modell Route Dosis Ergebnis
Djillani 2017 [1] Maus (C57BL/6J) i.p. + oral 3,2-4,0 µg/kg i.p.; 1,0 mg/kg oral Reduzierte Immobilität im Forced Swim Test; verkürzte Latenz im Novelty Suppressed Feeding Test; Wirkdauer ~23 h
Mazella 2010 [3] Maus i.p. 100 µg/kg (Spadin) Spadin blockiert TREK-1; antidepressive Wirkung nach 4 Tagen; erhöhte Neurogenese
Pietri 2019 [5] Maus (Schlaganfall-Modell) i.p. nicht spezifiziert Schutz vor Post-Stroke-Depression; verbesserte Erholung

Die IC50 von PE-22-28 am humanen TREK-1-Kanal beträgt 0,12 nM - das ist eine extrem hohe Bindungsstärke, gemessen an humanen HEK-Zellen mittels Patch-Clamp-Technik [1]. In vivo zeigte PE-22-28 bei etwa 25-fach niedrigerer Dosis als Spadin vergleichbare antidepressive Effekte [1].

Gibt es Risiken oder Nebenwirkungen?

Zu PE-22-28 gibt es keine Sicherheitsdaten beim Menschen. Die verfügbaren Daten stammen ausschließlich aus Mausmodellen. Für den Vorläufer Spadin wurde in einer Mausstudie berichtet, dass typische TREK-1-bezogene Nebenwirkungen fehlen - allerdings ebenfalls nur im Tiermodell [4].

Da PE-22-28 in den Graumarkt gelangt ist, ohne je am Menschen getestet worden zu sein, sind alle möglichen Risiken beim Menschen unbekannt. Das schließt ein: unbekannte Bioverfügbarkeit (wie viel davon überhaupt im Blut ankommt) bei subkutaner oder intranasaler Gabe, unbekannte Langzeitwirkungen auf die TREK-1-Regulation, unbekannte Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten (insbesondere Antidepressiva) und unbekannte Auswirkungen auf Schwangerschaft oder Vorerkrankungen.

Was ist noch nicht bekannt?

  • Keine Humanstudien: PE-22-28 wurde nie an einem Menschen verabreicht - es gibt keine Daten zur Pharmakokinetik, Sicherheit oder Wirksamkeit beim Menschen.
  • Keine klinischen Studien: Es sind keine Studien registriert (ClinicalTrials.gov, EudraCT), die PE-22-28 am Menschen untersuchen.
  • Single-Source-Evidenz: Alle Daten stammen aus einer Forschungsgruppe. Keine unabhängige Replikation.
  • Keine Bioverfügbarkeitsdaten: Es ist unbekannt, ob subkutane oder intranasale Gabe beim Menschen überhaupt wirksame Spiegel erreicht. Die Studien verwendeten i.p. und orale Gabe bei Mäusen.
  • Keine Langzeitdaten: Die längste Tiertestung dauerte vier Tage. Es gibt keine Daten zu längerer Anwendung.

PE-22-28 teilt sich thematische Überschneidungen mit anderen neuroaktiven Peptiden, die ebenfalls im Graumarkt kursieren. Wenn du dich für die wissenschaftliche Lage bei Peptiden mit Wirkung auf das zentrale Nervensystem interessierst, lohnt sich auch ein Blick auf DSIP (Delta Sleep-Inducing Peptide) - ein weiteres Peptid mit begrenzter, aber immerhin existierender Human-Evidenz. Eine Übersicht aller Peptide in der Peptid-Bibliothek findest du ebenfalls bei Peptigraph.

Evidenz im Überblick

Forschungsstand
Der Forschungsstand ist rein präklinisch. Das heißt: Alle vorliegenden Daten stammen aus Maus- und Zellmodellen, etwa aus HEK-Zellen und Patch-Clamp-Untersuchungen. Es gibt weder Humanstudien noch registrierte klinische Prüfungen in Registern wie ClinicalTrials.gov oder EudraCT. Weltweit liegt keine behördliche Zulassung vor [1, 2].
Human-Evidenz
Für das Peptid PE-22-28 gibt es bisher keine klinischen Studien am Menschen. Deshalb wissen wir nicht, wie sich die Substanz im menschlichen Körper verhält. Es fehlen Daten zur Pharmakokinetik - also dazu, wie der Körper die Substanz aufnimmt, verteilt und abbaut. Auch zur Sicherheit und Wirksamkeit gibt es keine Erkenntnisse. Dieser Mangel an Humanstudien gilt für jeden Verabreichungsweg [1, 2].
Dosierungen in Studien & Praxis
In Mausstudien liegen die wissenschaftlich untersuchten Dosierungen bei 3,2-4,0 µg/kg als Einzeldosis oder verteilt über 4 Tage (intraperitoneal, subchronisch). Bei oraler Verabreichung per Schlundsonde sind es 1,0 mg/kg [1]. Auf dem Graumarkt kursieren davon abweichende Anwendungsmuster von 500 µg bis 1 mg täglich über 4-8 Wochen (subkutan oder intranasal, typischerweise mit 5-mg-Vials). Diese Angaben stammen aber nicht aus der Forschung, sondern ausschließlich aus Foren und von Händlern.
Risiken & Nebenwirkungen
Für die Anwendung am Menschen liegen bisher keine klinischen Sicherheitsdaten vor. Beim Vorläuferpeptid Spadin zeigte eine Mausstudie zwar, dass typische TREK-1-Nebenwirkungen ausbleiben - dieser Befund beschränkt sich jedoch ausschließlich auf das Tiermodell [4]. Vollständig ungeklärt sind die Bioverfügbarkeit bei subkutaner oder intranasaler Verabreichung beim Menschen, mögliche Langzeitwirkungen, Wechselwirkungen mit Antidepressiva sowie Risiken bei Vorerkrankungen oder in der Schwangerschaft.
Forschungslücken
Die wissenschaftliche Beleglage ist dünn: Es gibt keine klinischen Studien am Menschen und keine unabhängigen Wiederholungen der Ergebnisse. Alle veröffentlichten Daten stammen von einer einzigen Forschungsgruppe. Für die Gabe unter die Haut (subkutan) und die Anwendung über die Nase (nasal) fehlen Daten zur Bioverfügbarkeit - also dazu, wie viel Wirkstoff im Körper ankommt. Auch Langzeitdaten gibt es nicht: Der längste dokumentierte Tierversuch dauerte nur 4 Tage. Deshalb ist bisher unbekannt, ob sich die Ergebnisse von Mäusen auf den Menschen übertragen lassen.

Redaktionell aus Primärquellen belegt - keine ärztliche Beratung.

Verwandte Peptide

Datenlage zu dünn für eine Berechnung im Injektions-Rechner.

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