Kurz erklärt: MGF (Mechano Growth Factor) ist ein körpereigener Botenstoff, der im Muskel nach harter Belastung oder Verletzung gebildet wird. In der Forschung wird untersucht, ob er die Muskelregeneration massiv beschleunigen kann. Wichtig vorab: MGF ist kein zugelassenes Medikament, steht auf der Dopingliste und beim Menschen gibt es keine kontrollierten Studien, die eine Wirkung oder Sicherheit belegen.
Was ist MGF?
MGF (Mechano Growth Factor), auch als IGF-1Ec bekannt, ist eine natürlich vorkommende Spleißvariante des Insulin-ähnlichen Wachstumsfaktors 1 (IGF-1). Es wird lokal als Reaktion auf mechanische Belastung oder Muskelschäden gebildet und fungiert als starkes Signal für die Muskelreparatur, indem es Muskelstammzellen aktiviert.
MGF wurde Anfang der 2000er Jahre von der Forschergruppe um Geoffrey Goldspink beschrieben. Die Zelle baut das IGF-1-Gen unterschiedlich zusammen (alternatives Spleißen): Während das Standard-IGF-1Ea über die Leber im ganzen Körper zirkuliert, wird IGF-1Ec/MGF lokal im verletzten Muskel rasch hochreguliert. Ein kleines Proteinstück am Ende des Moleküls, das sogenannte C-terminale E-Peptid (oft als 24-aa-E-Peptid referenziert), gilt als eigentlicher Wirkträger. In der Fachliteratur ist die Nomenklatur jedoch oft unklar: Manchmal ist von der vollen Länge (Full-Length-MGF), manchmal nur vom kurzen Peptid die Rede. Das erschwert den Vergleich von Studiendaten.
Wie wirkt MGF?
Die Wirkung von MGF beruht im Wesentlichen auf zwei Mechanismen: Es bindet als reife Form an den IGF-1-Rezeptor und fördert die Proteinsynthese. Gleichzeitig besitzt das spezifische E-Peptid eine davon unabhängige, eigene biologische Aktivität, die hauptsächlich darin besteht, ruhende Muskelstammzellen zu aktivieren und deren Vermehrung stark anzuregen.
Diese aktivierten Satellitenzellen spenden anschließend zusätzliche Zellkerne an die geschädigten Muskelfasern, was für die Reparatur und das Wachstum (Hypertrophie) unerlässlich ist. Ein praktisches Problem des natürlichen MGF ist seine extrem kurze Halbwertszeit im Körper. Es wird innerhalb von Minuten abgebaut. Deshalb wird in der Forschung und in der Graubereich-Anwendung fast ausschließlich PEG-MGF genutzt. Durch die Anheftung eines Polyethylenglykol-Moleküls (PEGylierung) wird das Peptid größer, stabilisiert und entgeht dem raschen Abbau in der Leber, was die Wirkdauer im Körper drastisch verlängert.
| Wirkstoff | Klasse / Mechanismus | Effektgröße (laut präklinischer Daten) | Status |
|---|---|---|---|
| MGF (nativ) | IGF-1 Isoform (lokal wirksam) | Hoch (aber extrem kurze Halbwertszeit) | Nicht zugelassen, WADA-verboten |
| PEG-MGF | Modifiziertes MGF (PEGyliert) | Verlängerte Stabilität und Wirksamkeit | Nicht zugelassen, WADA-verboten |
| IGF-1 LR3 | Systemischer Wachstumsfaktor | Sehr hoch (systemisch im ganzen Körper) | Nicht zugelassen, WADA-verboten |
Wie wirksam ist MGF?
Die Wirksamkeit von MGF ist beim Menschen nicht belegt, da kontrollierte klinische Studien vollständig fehlen. Die Hinweise auf eine muskelaufbauende und regenerative Wirkung stammen fast ausschließlich aus Labor- und Tierversuchen an Nagetieren, wobei die tatsächliche Übertragbarkeit auf den menschlichen Organismus wissenschaftlich ungewiss ist.
In Zellkulturen konnte gezeigt werden, dass MGF das Ende der Teilungsfähigkeit von Muskelzellen (replikative Seneszenz) um schätzungsweise 14 % verzögern kann. Mausmodelle belegen, dass Entzündungshormone und oxidativer Stress nach Muskelverletzungen reduziert werden. Es gibt jedoch einen ungelösten wissenschaftlichen Widerspruch: Während einige Studien eine klance Aktivierung von Muskelvorläuferzellen beobachten, kam eine bekannte Untersuchung von Fornaro et al. zu dem Ergebnis, dass das MGF-Peptid keinen erkennbaren Effekt auf Muskelmyoblasten oder primäre Muskelstammzellen hat. Die anabole Wirkung beim Menschen bleibt somit eine unbelegte Theorie.
Dosierung: was die Studien zeigen - und der Verlauf
Es existiert keine studienvalidierte oder klinisch geprüfte Dosierung für MGF am Menschen. Jegliche in Szene-Foren diskutierten Dosierungsangaben beruhen rein auf Erfahrungswerten und theoretischen Überlegungen, da das Peptid nicht als Medikament zugelassen ist und somit keine offiziellen therapeutischen Richtwerte für die Anwendung vorliegen.
Bodybuilding-Erfahrungswerte propagieren oft eine Dosierung von ca. 100 bis 300 Mikrogramm pro Injektion. Da der Körper MGF nach einem Muskelreiz als kurzfristigen Puls ausschüttet, wird in der Szene meist empfohlen, das Peptid direkt nach dem Training (post-Training) subkutan in die Nähe des trainierten Muskels zu injizieren. Die folgende Tabelle spiegelt konservative Orientierungswerte aus Erfahrungsbereichen wider und stellt keine medizinische Empfehlung dar.
| Phase / Zeitpunkt | Übliche Dosis (Erfahrungswert) | Ziel / Hinweis |
|---|---|---|
| Aufbau (Woche 1-4) | 100 - 200 µg | 2-3x pro Woche, direkt post-Training |
| Steigerung (optional) | 200 - 300 µg | Maximal 300 µg, um Rezeptor-Sättigung zu vermeiden |
Anmischen & Dosis berechnen
Da MGF meist als tiefgefrorenes Pulver (Lyophilisat) für Forschungszwecke verkauft wird, muss es vor einer Verwendung zwingend mit bakteriostatischem Wasser rekonstituiert werden. Dieser Vorgang erfordert mathematisches Grundverständnis, da die Konzentration der Lösung von der Menge des zugesetzten Wassers abhängt, um Überdosierungen zu vermeiden.
Wird beispielsweise eine 2-mg-Durchstechflasche (2000 µg) mit 2 ml bakteriostatischem Wasser aufgemischt, entspricht 1 ml Lösung genau 1000 µg des Peptids. Bei einer gewünschten Dosis von 200 µg müssten 0,2 ml (oder 20 Einheiten auf einer Standard Insulinspritze) aufgezogen werden. Da das Peptid extrem empfindlich ist, sollte das Wasser langsam an der Glaswand hinabfließen und die Flasche behutsam geschwenkt werden - niemals kräftig schütteln. Aufbewahrt werden muss das aufgemischte MGF zwingend im Kühlschrank.
Nebenwirkungen und häufige Fehler
Zu den typischen Nebenwirkungen von MGF zählen lokale Reizungen an der Einstichstelle, gelegentliche Übelkeit sowie Schwindel. Besonders gravierend ist jedoch das theoretische Risiko bezüglich einer krebsfördernden Wirkung, da anabole Wachstumsfaktoren das Tumorwachstum stimulieren können, was bei der unkontrollierten Anwendung ein massives Sicherheitsrisiko darstellt.
In der Fachliteratur werden explizit Bedenken hinsichtlich potenziell karzinogener (krebsfördernder) Effekte geäußert. Die Nutzung von Peptiden aus dem Graumarkt birgt die Gefahr von Verunreinigungen oder fehlerhaften Dosierungen, da keine pharmazeutische Reinheitskontrolle stattfindet.
- Falsches Injektions-Timing: MGF nativ hat eine Halbwertszeit von wenigen Minuten. Eine Injektion lange vor oder nach dem Training verpufft wirkungslos.
- Verwechslung von MGF und PEG-MGF: Natives MGF muss extrem häufig (teilweise täglich) injiziert werden, während PEG-MGF wochenweise appliziert wird. Eine Verwechslung führt zu falschen Blutspiegeln.
- Ignorieren von Wechselwirkungen: Die Kombination mit Blutverdünnern oder Diabetes-Medikamenten kann gefährliche Kreislauf- oder Blutzuckerreaktionen auslösen.
Zulassung und rechtlicher Status
MGF ist weltweit nicht als Arzneimittel für den menschlichen Gebrauch zugelassen und wird als sogenannte Research Chemical vertrieben. Aufgrund seiner stark anabolen Eigenschaften steht das Peptid auf der offiziellen Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) und darf im organisierten Leistungs- und Amateursport nicht angewendet werden.
In der EU, den USA und Deutschland existiert keine medizinische Zulassung zur Behandlung von Muskelbeschwerden oder zur Leistungssteigerung. Das bedeutet, dass der Kauf und Besitz für private Forschungszwecke oft in einer rechtlichen Grauzone liegt, die Anwendung am Menschen jedoch weder behördlich überwacht noch durch klinische Sicherheitsstudien abgedeckt ist. Athleten müssen wissen, dass der Nachweis von MGF bei Dopingkontrollen zu schweren Sperren führt.
Evidenz im Überblick
Redaktionell aus Primärquellen belegt - keine ärztliche Beratung.
Verwandte Peptide
Quellen
- Hameed M et al. The effect of recombinant human growth hormone and resistance training on IGF-I mRNA expression in the muscles of elderly men. J Physiol 2004. PMID 14565994; doi:10.1113/jphysiol.2003.051722
- Hanssen KE et al. The effect of strength training volume on satellite cells, myogenic regulatory factors, and growth factors. Scand J Med Sci Sports 2013. PMID 22417199; doi:10.1111/j.1600-0838.2012.01452.x
- Xiao W et al. Overload training inhibits phagocytosis and ROS generation of peritoneal macrophages: role of IGF-1 and MGF. Eur J Appl Physiol 2013. PMID 22592456; doi:10.1007/s00421-012-2418-5
- Wilborn CD et al. Effects of different intensities of resistance exercise on regulators of myogenesis. J Strength Cond Res 2009. PMID 19826309; doi:10.1519/JSC.0b013e3181bab493
- Mechano Growth Factor E peptide (MGF-E), derived from an isoform of IGF-1, activates human muscle progenitor cells and induces an increase in their fusion potential at different ages - PubMed
- Mechano-Growth Factor: an important cog or a loose screw in ... - PMC
- MGF: a local growth factor or a local tissue repair factor?
- Minireview: Mechano-Growth Factor: A Putative Product of IGF-I Gene Expression Involved in Tissue Repair and Regeneration - PMC
- Mechano Growth Factor peptide (MGF), the COOH terminus of ...
- Mechano growth factor - Wikipedia
Noch experimentelle Datenlage (Evidenzstufe < 3) - wir geben hier bewusst keine Injektionsrechnung.