Was ist AHK-Cu?
AHK-Cu (L-Alanyl-L-Histidyl-L-Lysin-Kupfer) ist ein synthetisches Kupfer-Tripeptid. Es besteht aus den Aminosäuren Alanin, Histidin und Lysin sowie einem gebundenen Kupfer(II)-Ion. Im Vergleich zum bekannteren Peptid GHK-Cu hat es an Position 1 Alanin statt Glycin. Deshalb wird AHK-Cu in der Forschung gezielt zur Stimulation von Haarfollikeln eingesetzt und nicht für die allgemeine Wundheilung [1].
AHK-Cu ist ein rein synthetischer Wirkstoff und kommt im menschlichen Körper nicht natürlich vor. In der Kosmetik wird er unter der INCI-Bezeichnung Copper Tripeptide-3 für Haare und Kopfhaut geführt. Das Peptid hat die CAS-Nummer 767286-83-9 und eine molare Masse von rund 417 g/mol.
Wie wird AHK-Cu angewendet?
AHK-Cu wird ausschließlich topisch angewendet, also äußerlich auf der Haut. Du trägst es als Serum, wässrige Lösung oder Emulsion auf Kopfhaut und Haut auf. Üblich sind kosmetische Konzentrationen zwischen 0,01 und 1 Prozent. Für das Peptid gibt es weder eine Arzneimittelzulassung noch eine evidenzbasierte Injektionsform. Die einzige peer-reviewte Studie hat die Substanz direkt an isolierten Haarfollikeln in der Zellkultur untersucht [1].
Für eine subkutane Injektion von AHK-Cu-Pulver gibt es keine wissenschaftliche Grundlage. Es fehlen systematische Humanstudien zu Sicherheit, Dosierung und Pharmakokinetik. Bei der praktischen Nutzung stützen nur rudimentäre In-vitro-Daten die äußere, topische Anwendung.
Vom Vial zur Anwendung: AHK-Cu topisch ansetzen
Um eine topische AHK-Cu-Lösung anzusetzen, löst du das blaue Lyophilisat-Pulver in Wasser auf. Viele Anwender wählen dafür eine 0,2-prozentige Konzentration:
- Ausgangsmaterial: 100 mg AHK-Cu-Pulver
- Lösungsmittel: 50 mL destilliertes Wasser (oder ein Wasser-Glycerin-Gemisch zur gleichmäßigen Verteilung)
- Zielkonzentration: 0,2% AHK-Cu-Lösung (entspricht 2 mg/mL)
- pH-Wert: Zielbereich zwischen 5,5 und 7,0, da AHK-Cu im leicht sauren bis neutralen Milieu stabil bleibt
Eine 50-mL-Flasche mit 0,2-prozentiger Lösung reicht rechnerisch für etwa 100 bis 200 Einzelanwendungen von 0,25 bis 0,5 mL (je 0,5 bis 1 mg Peptid). Diese Mengenangaben spiegeln eine unbelegte Anwender-Praxis aus kosmetischen Rezepturen wider. Detaillierte Praxisschritte findest du in den Anleitungen.
Fertige AHK-Cu-Lösungen solltest du stets kühl und lichtgeschützt lagern. In wässriger Umgebung verliert der Wirkstoff mit der Zeit an Aktivität. Das ungelöste blaue Pulver bleibt bei Raumtemperatur stabil.
Wie wirkt AHK-Cu?
AHK-Cu wirkt als Signalpeptid. Das heißt, es transportiert Kupferionen direkt zu den Zielzellen und aktiviert dort biochemische Signalwege für die Haarschaftbildung und die Melaninproduktion. Kupfer ist ein essenzielles Spurenelement für enzymatische Prozesse, die für Follikelstruktur und Haarpigmentierung nötig sind.
In der In-vitro-Studie von Pyo et al. (2007) an isolierten menschlichen Papillenzellen wurden vier biologische Haupteffekte von AHK-Cu auf das Haarwachstum identifiziert [1]:
- Zellproliferation: AHK-Cu stimuliert die Vermehrung dermaler Papillenzellen, was das Wachstum der Haarfollikel unterstützt.
- Apoptose-Hemmung: Es verringert den programmierten Zelltod in den Papillenzellen, wobei dieser Effekt statistisch nicht signifikant ausfiel.
- VEGF-Steigerung: Es regt die Ausschüttung von VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor) an, was die Durchblutung und Nährstoffversorgung der Follikel verbessert.
- TGF-β1-Senkung: Es reduziert die Bildung von TGF-β1, einem Signalprotein, das Haarfollikel vorzeitig in die Ruhephase (Telogen) versetzt.
Die zellulären Effekte traten in den Versuchen von Pyo et al. (2007) bereits bei sehr geringen AHK-Cu-Konzentrationen auf. Der wirksame Bereich lag bei 10-12 bis 10-9 Mol pro Liter, also im pikomolaren bis nanomolaren Bereich [1].
Wie wirksam ist AHK-Cu?
Die wissenschaftliche Evidenz zur Wirksamkeit von AHK-Cu ist sehr dünn. Nahezu alle verfügbaren Erkenntnisse stammen aus einer einzigen In-vitro- und Ex-vivo-Studie von Pyo et al. aus dem Jahr 2007 an Zellkulturen und Haarfollikeln [1]. Klinische Studien an Testpersonen wurden bislang nicht veröffentlicht.
Weder kontrollierte Phase-I-bis-III-Studien noch unabhängige Replikationsstudien liegen zu AHK-Cu vor. Die wissenschaftliche Datenbasis ist deutlich geringer als beim verwandten Kupferpeptid GHK-Cu. Angebliche Vorteile beim Haarwachstum sind nicht durch direkte Vergleichsstudien belegt.
AHK-Cu vs. GHK-Cu - worin liegt der Unterschied?
AHK-Cu und GHK-Cu gehören beide zur Familie der Kupfer-Tripeptide. Sie unterscheiden sich aber maßgeblich in Aminosäuresequenz, Ursprung und Forschungsschwerpunkt:
| Eigenschaft | AHK-Cu | GHK-Cu |
|---|---|---|
| INCI-Name | Copper Tripeptide-3 | Copper Tripeptide-1 |
| Sequenz | Ala-His-Lys + Cu2+ | Gly-His-Lys + Cu2+ |
| Vorkommen | Synthetisch | Natürlich im Körper |
| Forschungsschwerpunkt | Haarfollikel | Haut, Wundheilung, Anti-Aging |
| Evidenzbasis | Sehr dünn (1 Studie) | Breit (viele Studien) |
| Zulassung | Kosmetik-Inhaltsstoff | Kosmetik-Inhaltsstoff |
Für detaillierte Informationen steht der Überblick zu GHK-Cu bereit. Die Peptid-Bibliothek bietet eine Einordnung weiterer Peptidwirkstoffe.
Nebenwirkungen und Sicherheitsprofil
Mangels klinischer Humanstudien ist das toxikologische Sicherheitsprofil von AHK-Cu nur sehr begrenzt erforscht. Die Zellstudie von Pyo et al. (2007) zeigte bei wirksamen Dosen keine Zytotoxizität an dermalen Papillenzellen. Sie erlaubt jedoch keine Rückschlüsse auf die Verträglichkeit am Menschen [1].
Bestehende Sicherheitsbewertungen der Cosmetic Ingredient Review (CIR) bewerten Konzentrationen unter 10 ppm als sicher. Diese Bewertungen beziehen sich aber primär auf Copper Tripeptide-1 (GHK-Cu) und nicht spezifisch auf Copper Tripeptide-3 (AHK-Cu) [2]. Eine direkte Übertragung dieser CIR-Grenzwerte ist wissenschaftlich ungesichert.
Bei lokaler Anwendung auf der Kopfhaut können Nebenwirkungen wie Rötungen, Brennen, Juckreiz oder Kontaktdermatitis auftreten. Personen mit Kupferallergie sollten AHK-Cu meiden. Eine systemische Kupferbelastung ist bei kosmetischer Nutzung unwahrscheinlich. Nicht-topische Anwendungen wie Injektionen bergen dagegen unkalkulierbare Gesundheitsrisiken.
Was ist NICHT bekannt?
- Keine klinischen Studien: Keine Phase-I-, II- oder III-Untersuchungen am Menschen verfügbar.
- Unbekannte Pharmakokinetik: Hautpenetration, Verstoffwechselung, Halbwertszeit und Ausscheidung sind wissenschaftlich nicht erfasst.
- Fehlende Replikation: Die Studienergebnisse von Pyo et al. wurden bisher nicht unabhängig reproduziert.
- Kein direkter Wirkungsvergleich: Ein wissenschaftlicher Head-to-Head-Vergleich zwischen AHK-Cu und GHK-Cu fehlt.
- Fehlende Langzeitdaten: Keine Untersuchungen zu Langzeitsicherheit und chronischer Anwendung.
- Keine Injektionsdaten: Subkutane oder intramuskuläre Injektionen entbehren jeder wissenschaftlichen Grundlage.
Auf dem unregulierten Peptid-Graumarkt drohen erhebliche Produktrisiken durch Verunreinigungen, Unterdosierung oder Streckmittel. Praktische Hinweise zur Risikominimierung liefert der Leitfaden zum Schutz beim Bestellen.
Evidenz im Überblick
Redaktionell aus Primärquellen belegt - keine ärztliche Beratung.
Verwandte Peptide
Quellen
- Pyo HK et al. The effect of tripeptide-copper complex on human hair growth in vitro. Arch Pharm Res 2007. PMID 17703734
- Pyo HK et al. The effect of tripeptide-copper complex on human hair growth in vitro. doi:10.1007/BF02978833
- Safety Assessment of Tripeptide-1, Hexapeptide-12, Their Metal Salts and Fatty Acyl Derivatives, and Palmitoyl Tetrapeptide-7 as Used in Cosmetics. Int J Toxicol 2018. doi:10.1177/1091581818807863
Dieses Peptid wird nicht injiziert - eine Berechnung im Injektions-Rechner ist hier nicht vorgesehen.