Stoffwechsel & Gewichtsreduktion

Cagrilintide

Cagrilintide ist ein langwirksamer Nachbau des körpereigenen Sättigungshormons Amylin (ein sogenanntes Amylin-Analogon) von Novo Nordisk, das als wöchentliche Spritze das Sättigungsgefühl verstärkt; in Kombination mit Semaglutid (CagriSema) erreicht es über 20 % Gewichtsverlust. Die FDA-Zulassungsantrag für CagriSema wurde im Dezember 2025 eingereicht.

Auf Etiketten, in Preislisten und in der Community auch als: CGL

Redaktion ·Aktualisiert ·10 Quellen ·evidenz-bewertet ·unabhängig & werbefrei

Übliche Anwendung aus Studien

Wie dieses Peptid üblicherweise angewendet wird - beschrieben, nicht empfohlen.

Wie viel
1,2-4,5 mg pro Woche
Wie oft
einmal pro Woche
Darreichungsform
Injektion

In klinischen Studien wurde Cagrilintid einmal pro Woche subkutan (unter die Haut) gespritzt. Die geprüften Dosen lagen zwischen 1,2 mg und 4,5 mg pro Woche, wobei 2,4 mg die Zieldosis der REDEFINE-Studien war. Diese Zahlen stammen ausschließlich aus klinischen Erprobungen, der Wirkstoff ist nicht zugelassen. Eine Anwenderpraxis außerhalb von Studien gibt es nicht, und wie lange die Behandlung dauert, ist nicht belegt.

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Stand

Was ist Cagrilintide?

Cagrilintide ist ein experimenteller, langwirksamer Nachbau des Peptidhormons Amylin. Entwickelt wird es vom Hersteller Novo Nordisk. Derzeit untersuchen Forscher es zur Behandlung von Adipositas und Typ-2-Diabetes. Der Fokus der Entwicklung liegt auf der fixen Kombination mit dem GLP-1-Wirkstoff Semaglutid unter dem Namen CagriSema.

Das natürliche Hormon Amylin wird in der Bauchspeicheldrüse gemeinsam mit Insulin gebildet. Es signalisiert dem Gehirn nach dem Essen 'ich bin satt'. Das natürliche Amylin neigt in Lösung dazu, sich zu fadenförmigen Verklumpungen zusammenzulagern. Deshalb ist es als Medikament ungeeignet. Cagrilintide umgeht dieses Problem mit einem Fett-Anhängsel am Molekül. Dieses sorgt auch für die lange Wirkdauer von etwa einer Woche.

Wie wird Cagrilintide angewendet?

Cagrilintide wird in allen klinischen Studien als einmal wöchentliche subkutane Injektion (also unter die Haut) verabreicht - typischerweise in den Bauch, Oberschenkel oder Oberarm. Der Wirkstoff ist als Fertigpen formuliert, nicht als Lyophilisat (gefriergetrocknetes Pulver), das erst angemischt werden müsste.

Die Dosis wird über mehrere Wochen schrittweise gesteigert (Titration). So kann sich der Körper an die gastrointestinalen Nebenwirkungen wie Übelkeit gewöhnen. In den REDEFINE-Studien betrug die Zieldosis 2,4 mg Cagrilintid bzw. 2,4 mg/2,4 mg als fixe CagriSema-Kombination [1][2].

Graumarkt-Realität: Da Cagrilintide weder als Monotherapie noch als CagriSema zugelassen ist, gibt es keinen legalen Zugang für Privatanwender. Im Graumarkt ist Cagrilintide derzeit praktisch nicht verfügbar - anders als bei zugelassenen GLP-1-Wirkstoffen wie Semaglutid, wo Graumarkt-Präparate verbreitet sind. Sollten in Zukunft experimentelle Bezugsquellen auftauchen, wäre die Anwendung ohne ärztliche Überwachung mit erheblichen Risiken verbunden. Es existieren keine validierten Sicherheitsdaten außerhalb klinischer Studien.

Vom Vial zur Anwendung: Was bedeutet das in der Praxis?

Da Cagrilintide in den regulären Handel noch nicht gelangt ist, gibt es keine offiziellen patientenfreundlichen Fertigpens für Privatanwender. In der klinischen Erprobung wird der Wirkstoff als Fertigpen verwendet, der direkt injiziert wird - ein Anmischen mit BAC-Wasser ist nicht erforderlich.

Rechenbeispiel (nur zur Veranschaulichung der Studien-Dosierung): Die Zieldosis von 2,4 mg Cagrilintid pro Woche entspricht bei einem typischen Fertigpen mit einer Konzentration von 2,4 mg pro Injektion genau einer Injektion pro Woche. Im CagriSema-Kombinationspen sind 2,4 mg Cagrilintid und 2,4 mg Semaglutid in einer einzigen wöchentlichen Injektion enthalten.

Wer für andere Peptide den Weg vom Pulver-Vial zur fertigen Spritze nachvollziehen möchte, findet im Injektions-Rechner ein Werkzeug, das Konzentration, Volumen und Spritzenwahl durchrechnet. Für Cagrilintide selbst ist dieses Vorgehen nicht relevant, solange nur Fertigpens zum Einsatz kommen.

Hinweis: Dies ist eine dokumentierende Beschreibung der Studienpraxis, keine Anleitung zur Selbstmedikation. Cagrilintide ist nicht zugelassen.

Wie wirkt Cagrilintide?

Cagrilintide bindet im Hirnstamm an Andockstellen (Rezeptoren) für das körpereigene Sättigungshormon Amylin sowie an verwandte Calcitonin-Rezeptoren. Durch diese Bindung wird das Sättigungsgefühl verstärkt und die Magenentleerung verlangsamt - man fühlt sich schneller und länger satt.

Ein Fett-Anhängsel am Molekül (eine sogenannte Fettsäure-Seitenkette) sorgt dafür, dass Cagrilintide im Blut an das Transport-Protein Albumin andockt. Dadurch wird es langsamer abgebaut und bleibt etwa eine Woche aktiv - daher reicht eine Injektion pro Woche. Diese Technik ist ähnlich wie bei Semaglutid, das ebenfalls ein Fett-Anhängsel für eine lange Wirkdauer nutzt.

In der Kombination CagriSema greifen zwei verschiedene Hormonsysteme gleichzeitig: Semaglutid aktiviert den GLP-1-Rezeptor (regt Insulinausschüttung an, hemmt Appetit), während Cagrilintide den Amylin-Rezeptor aktiviert (verstärkt Sättigung). Die Hoffnung ist, dass sich die Wirkungen ergänzen und so ein stärkerer Gewichtsverlust erreicht wird als mit jedem Wirkstoff allein.

Wie wirksam ist Cagrilintide?

Die klinische Wirksamkeit von Cagrilintide ist durch umfassende Phase-3-Studien belegt. Als Monotherapie wurde eine Gewichtsabnahme von ca. 11,8 % über 68 Wochen erreicht (REDEFINE 1). In der CagriSema-Kombination lag der Gewichtsverlust bei -20,4 % über 68 Wochen im primären Endpunkt von REDEFINE 1 (vs. -3,0 % unter Placebo) [1]. Unter dem Effikazitäts-Estimand (also wenn alle Teilnehmenden die Behandlung wie vorgesehen fortgesetzt hätten) waren es sogar -22,7 %.

In REDEFINE 1 erreichten 91,9 % der CagriSema-Teilnehmenden einen Gewichtsverlust von >=5 %, gegenüber 31,5 % unter Placebo. Auch die höheren Schwellen von >=20 % und >=25 % wurden signifikant häufiger erreicht (P<0,001 für alle Vergleiche) [1].

Für Menschen mit Typ-2-Diabetes zeigte REDEFINE 2 einen Gewichtsverlust von -15,7 % über 68 Wochen unter CagriSema [2].

Das REDEFINE-Studienprogramm

Das REDEFINE-Programm umfasst die pivotalen Phase-3-Studien des Herstellers. Darin wurde die Langzeit-Sicherheit und Wirksamkeit der einmal wöchentlichen Injektion über einen Zeitraum von 68 Wochen geprüft. Die wichtigsten Studien:

StudiePopulationArmeErgebnis (Gewichtsverlust)
REDEFINE 1Adipositas / Übergewicht mit Komorbidität (n=3.417)CagriSema vs. Semaglutid vs. Cagrilintid vs. Placebo-20,4 % CagriSema vs. -3,0 % Placebo (primärer Endpunkt) [1]
REDEFINE 2Typ-2-Diabetes (n=var.)CagriSema vs. Semaglutid vs. Placebo-15,7 % CagriSema über 68 Wochen [2]
REDEFINE 4Adipositas mit Komorbidität (n=809)CagriSema vs. Tirzepatid 15 mg (Head-to-Head, offen)23,0 % CagriSema vs. 25,5 % Tirzepatid - Non-Inferiority nicht erreicht

REDEFINE 4 ist besonders bemerkenswert: Hier traf CagriSema direkt auf Tirzepatid (Mounjaro/Zepbound), den bisher stärksten zugelassenen Gewichtsverlust-Wirkstoff. CagriSema erreichte zwar 23,0 % Gewichtsverlust nach 84 Wochen, konnte aber nicht beweisen, dass es Tirzepatid (25,5 %) ebenbürtig ist - der primäre Endpunkt der Non-Inferiority wurde verfehlt. Das wirft die Frage auf, ob die Kombination aus zwei Wirkstoffen den Aufwand rechtfertigt, wenn ein einzelner Wirkstoff (Tirzepatid) ähnliche oder bessere Ergebnisse liefert.

Zusätzlich läuft das REIMAGINE-Programm für Typ-2-Diabetes, in dem CagriSema auf Blutzuckersenkung (HbA1c) geprüft wird. Erste Daten zeigen eine HbA1c-Senkung von 1,91 Prozentpunkten.

Dosierung: was die Studien zeigen - und der Verlauf

In den klinischen Studien wurde Cagrilintide als einmal wöchentliche subkutane Injektion verabreicht. Die Dosis wurde schrittweise gesteigert (Titration), um die Verträglichkeit zu verbessern. Geprüfte Dosen reichten von 1,2 mg bis 4,5 mg [3].

Die Zieldosis in den REDEFINE-Studien beträgt 2,4 mg Cagrilintid bzw. 2,4 mg/2,4 mg als fixe CagriSema-Kombination [1][2]. In der Phase-2-Studie wurden auch 4,5 mg geprüft. Das führte zu stärkerer Gewichtsabnahme, aber auch zu mehr Nebenwirkungen [3].

Dies sind Studiendosen, keine Dosierungsempfehlung. Cagrilintide ist nicht zugelassen.

Nebenwirkungen und häufige Fehler

Cagrilintide gilt in den Phase-3-Studien als grundsätzlich gut verträglich. Die mit Abstand häufigsten unerwünschten Wirkungen sind gastrointestinale Beschwerden. In REDEFINE 1 traten bei 79,6 % der CagriSema-Teilnehmenden gastrointestinale Nebenwirkungen auf (vs. 39,9 % Placebo) - vor allem Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung und Bauchschmerzen [1]. Diese waren meist vorübergehend und mild bis moderat.

Da Cagrilintide die Magenentleerung verlangsamt, können Beschwerden besonders zu Beginn der Behandlung oder bei Dosissteigerung auftreten. Die schrittweise Titration ist daher ein zentraler Bestandteil des Studienprotokolls.

Es existieren keine eigenständigen Sicherheitsdaten für Cagrilintid-Monotherapie außerhalb des REDEFINE-Programms. Die Langzeit-Sicherheit über 68 Wochen hinaus ist nicht bekannt.

Zulassung und rechtlicher Status

Cagrilintide ist nicht zugelassen - weder als Monotherapie noch als CagriSema-Kombination. Novo Nordisk hat im Dezember 2025 einen Zulassungsantrag (NDA) bei der US-FDA für CagriSema eingereicht, basierend auf den REDEFINE-1- und REDEFINE-2-Daten. Eine Entscheidung wird für das vierte Quartal 2026 erwartet.

Für Europa (EMA) ist bisher kein öffentlicher Zulassungsantrag bestätigt. Cagrilintid als eigenständige Monotherapie befindet sich nicht in aktiver Zulassungsprüfung.

Die REDEFINE-4-Ergebnisse (verfehlte Non-Inferiority vs. Tirzepatid) könnten den Zulassungsprozess beeinflussen, auch wenn die FDA-Entscheidung primär auf REDEFINE 1 und 2 basiert. Es bleibt abzuwarten, wie die Behörde die Head-to-Head-Daten bewertet.

Weitere Informationen zu Peptid-Wirkstoffen und deren Entwicklungsstatus findest du in der Peptid-Bibliothek. Wenn du dich generell über sichere Beschaffung von Peptiden informieren möchtest, empfehle ich einen Blick auf den Schutz-Bereich mit dem Vendor-Radar.

Evidenz im Überblick

Forschungsstand
Die klinische Phase-3-Entwicklung für das Kombinationspräparat CagriSema ist abgeschlossen. Dazu gehören die Studienprogramme REDEFINE 1-4 und REIMAGINE 1-3. Der Zulassungsantrag (FDA-NDA) für die behördliche Marktzulassung wurde am 18. Dezember 2025 eingereicht. Die Zulassungsentscheidung der FDA wird für das vierte Quartal (Q4 2026) erwartet. Die Studienergebnisse zu REDEFINE 1 und 2 wurden 2025 im NEJM publiziert [1][2], während die REIMAGINE-Ergebnisse 2026 in The Lancet und The Lancet Diabetes & Endocrinology erschienen [5][6][7]. Im direkten Vergleich verfehlte REDEFINE 4 (Februar 2026) den Endpunkt der Nicht-Unterlegenheit gegenüber Tirzepatid. Die klinische Entwicklung wird fortgeführt: REDEFINE 9 ist abgeschlossen, REDEFINE 11 wurde initiiert und eine High-Dose-Phase-3b-Studie (Cagrilintid 2,4 mg + Semaglutid 7,2 mg) startete in Q2 2026. Als Monotherapie ist der Wirkstoff Cagrilintid nicht zugelassen.
Human-Evidenz
In den klinischen Studien zur Gewichtsreduktion zeigte CagriSema in der REDEFINE-1-Studie (n=3.417, 68 Wochen) einen Gewichtsverlust von -20,4 % gegenüber -3,0 % unter Placebo (primärer Endpunkt, P<0,001) [1]. Cagrilintid allein führte im selben Zeitraum zu rund -11,8 % Gewichtsreduktion. Bei Typ-2-Diabetes war CagriSema in REIMAGINE 2 (n=2.728, 68 Wochen) überlegen: Es senkte den HbA1c-Wert um -1,91 Prozentpunkte und das Gewicht um -14,2 %, während Semaglutid 2,4 mg allein auf -1,75 % HbA1c und -10,2 % Gewicht kam [5]. Bei behandlungsnaiven T2D-Patienten bewirkte CagriSema 2,4 mg/2,4 mg in REIMAGINE 1 über 40 Wochen eine Gewichtsreduktion von -13,8 % gegenüber -1,4 % unter Placebo [6]. Im offenen Direktvergleich REDEFINE 4 (n=809, 84 Wochen) verfehlte CagriSema mit -23,0 % Gewichtsverlust gegenüber Tirzepatid 15 mg (-25,5 %) den Endpunkt der Nicht-Unterlegenheit.

Redaktionell aus Primärquellen belegt - keine ärztliche Beratung.

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