Immunmodulation & Immunsystem

Thymalin

Thymalin ist ein Polypeptid-Komplex aus Kalbsthymus, der in Russland seit 1982 als Immunmodulator zugelassen ist und in Humanstudien Immunfunktion, Blutbildung und gesundes Altern untersucht hat.

Redaktion ·Aktualisiert ·8 Quellen ·evidenz-bewertet ·unabhängig & werbefrei

Übliche Anwendung Studien und Praxis

Wie dieses Peptid üblicherweise angewendet wird - beschrieben, nicht empfohlen.

Wie viel
5-20 mg pro Tag
Wie oft
täglich
Wie lange
3-10 Tage am Stück
Darreichungsform
Injektion

Thymalin wird über 3 bis 10 Tage täglich in einer Dosis von 5 bis 20 mg gespritzt. Eine Wiederholung ist nach 1 bis 6 Monaten möglich. Diese Angaben stammen aus dem russischen Arzneimittellabel und einer klinischen COVID-19-Studie, in denen jeweils intramuskulär, also in den Muskel, gespritzt wird. Auf dem Graumarkt wird die gleiche Menge oft subkutan (unter die Haut) gespritzt; dafür gibt es keine kontrollierten Studien. Wie oft pro Tag gespritzt wird, ist nicht angegeben.

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Stand

Thymalin ist ein Polypeptid-Komplex aus Kalbsthymus - also ein Gemisch kurzer Peptide (Eiweiß-Botenstoffe), die aus dem Thymus gewonnen werden. Der Thymus ist ein Organ hinter dem Brustbein und spielt eine zentrale Rolle bei der Immunreifung. Entwickelt wurde Thymalin 1971 von Vladimir Khavinson an der Militärmedizinischen Akademie in Leningrad (heute St. Petersburg). In Russland ist es seit 1982 als zugelassenes Arzneimittel auf dem Markt [1]. Anders als Thymosin Alpha-1 - ein einzelnes, exakt definiertes Peptid mit 28 Aminosäuren - besteht Thymalin aus einem ganzen Cocktail verschiedener kurzer Peptide. Zu den aktiven Fragmenten gehören die Dipeptide KE (Lys-Glu) und EW (Glu-Trp) sowie das Tripeptid EDP (Glu-Asp-Pro) [8].

Wie wird Thymalin angewendet?

Thymalin wird intramuskulär injiziert, also in den Muskel gespritzt. Das ist der Weg, der in allen klinischen Studien und im russischen Arzneimittellabel dokumentiert ist [2][6]. Das Lyophilisat (gefriergetrocknetes Pulver) wird vor der Injektion in 1-2 mL 0,9%iger Kochsalzlösung aufgelöst und sofort verabreicht. Die rekonstituierte Lösung darf nicht gelagert werden [6].

Im Graumarkt - also außerhalb russischer Apotheken, im internationalen Forschungschemikalien-Markt - wird Thymalin auch subkutan mit Insulinspritzen gespritzt. Für diesen Weg gibt es jedoch keine kontrollierten Studien. Alle publizierten Humandaten beziehen sich auf die intramuskuläre Gabe [7]. Es existiert keine oral, nasal oder sublingual wirksame Form mit belegter Effektivität.

Das typische Schema in Studien und im russischen Label: 5-10 mg pro Tag intramuskulär über 5-10 aufeinanderfolgende Tage, bei Bedarf Wiederholung nach 1-6 Monaten [2][6]. Im geroprotektiven (anti-aging) Kontext wird die Kur 1-2x jährlich wiederholt, teils in Kombination mit dem Epiphyse-Peptid Epithalamin [3].

Vom Vial zur Anwendung: Rekonstitution und Rechenweg

Thymalin wird typischerweise als 10 mg Lyophilisat pro Vial geliefert [6]. So rekonstituierst du es:

  • Lösungsmittel: 1-2 mL 0,9%ige Kochsalzlösung (NaCl) - laut russischem Label bevorzugt über BAC-Wasser [6]
  • Konzentration bei 1 mL: 10 mg/mL - eine 10 mg-Dosis entspricht dann 1,0 mL = 100 Einheiten auf einer U-100 Insulinspritze
  • Konzentration bei 2 mL: 5 mg/mL - eine 5 mg-Dosis entspricht dann 1,0 mL = 100 Einheiten; eine 10 mg-Dosis entspricht 2,0 mL = 200 Einheiten (Achtung: das Volumen ist für eine subkutane Injektion ungewöhnlich hoch; klinisch wird i.m. gespritzt)
  • Lagerung: Lyophilisat bei 2-8 °C; rekonstituierte Lösung sofort verwenden, nicht lagern [6]

Für das Anmischen und Berechnen der richtigen Dosis kannst du den Schritt-für-Schritt-Anleitungen folgen. Wenn du eine konkrete Dosis aus einem Vial berechnen möchtest, hilft der Injektions-Rechner - beachte aber, dass Thymalin klinisch intramuskulär verabreicht wird und die subkutane Graumarkt-Praxis keine kontrollierte Studienbasis hat.

SchemaDosis/TagDauerRouteQuelle
Russisches Label (Erwachsene)5-20 mg3-10 Tage (30-100 mg/Kur)i.m.[6]
COVID-19 RCT10 mg10 Tagei.m.[2]
Geroprotektiv (Anti-Aging)5-10 mg5-10 Tage, 1-2x/Jahri.m.[3]
Graumarkt-Praxis5-10 mg5-10 Tages.c. (unbelegt)[7]

Wie wirkt Thymalin?

Thymalin wirkt als Immunmodulator - es reguliert das Immunsystem, ohne es einfach nur „anzukurbeln". Die kurzen Peptide in Thymalin (KE, EW, EDP) können spezifisch an doppelsträngige DNA und Histone binden. Histone sind Proteine, um die die DNA gewickelt ist. So steuert Thymalin die Genexpression [8]. Vereinfacht gesagt: Thymalin schaltet Gene an oder ab, die für die Produktion von Immunproteinen wichtig sind.

Konkret bewirkt Thymalin in Studien:

  • T-Zell-Reifung: Vorläuferzellen entwickeln sich zu funktionstüchtigen T-Lymphozyten (CD28+), die CD4/CD8-Ratio normalisiert sich [4][8]
  • NK-Zell-Aktivierung: Natürliche Killerzellen, die virusinfizierte und tumoröse Zellen erkennen, werden aktiver [2]
  • Stammzelldifferenzierung: Hämatopoetische (blutbildende) Stammzellen werden zur Reifung angeregt [4]
  • Entzündungsdämpfung: IL-6 und TNF-alpha (pro-entzündliche Botenstoffe) werden gesenkt - relevant z.B. beim sogenannten „Zytokinsturm" bei schwerem COVID-19 [2]

Ein besonderer Aspekt: Der Wirkstoff EW (Glu-Trp) hemmt zudem ACE2 - das Enzym, das SARS-CoV-2 als Eintrittspforte nutzt. Das erklärt, warum Thymalin gerade bei COVID-19 untersucht wurde [8].

Was ist in Humanstudien belegt?

Die Human-Evidenz für Thymalin konzentriert sich auf mehrere Bereiche:

COVID-19 (RCT, 2021): In einer randomisierten kontrollierten Studie erhielten 36 ältere Patienten mit schwerem COVID-19 zusätzlich zur Standardtherapie 10 mg Thymalin/Tag i.m. für 10 Tage. Verglichen wurden sie mit 44 Patienten, die nur Standardtherapie + Placebo erhielten. Die Thymalin-Gruppe zeigte schnellere Erholung der Lymphozyten, NK-Zellen und Entzündungsmarker (CRP, D-Dimer) - und die Krankenhausmortalität wurde etwa halbiert [2].

Lebensverlängerung (Langzeitstudie): Khavinson et al. untersuchten über 6-12 Jahre ältere Patienten, die jährliche Kuren mit Thymalin (allein oder kombiniert mit Epithalamin, einem Epiphyse-Peptid) erhielten. Die Mortalität wurde im Vergleich zur Kontrollgruppe um das 2,0-fache (Thymalin allein) bzw. 2,5-fache (Kombination) reduziert [3].

Stammzell-Aktivierung (2020): In vitro mit humanen hämatopoetischen Stammzellen konnte gezeigt werden, dass Thymalin deren Differenzierung aktiviert [4].

Frühe klinische Studien (ab 1982): Die Erstpublikation dokumentierte Immunmodulation bei verschiedenen Immunpathologien, einschließlich Patienten nach Strahlentherapie und mit chronischen Infektionen [1]. Weitere Studien untersuchten Thymalin bei therapieresistenter Schizophrenie [5], chronischer Hepatitis, Herpes und HIV (als Begleittherapie).

Thymalin vs. andere Thymus-Peptide - wo liegt der Unterschied?

Thymalin wird oft mit anderen Thymus-Peptiden verwechselt, ist aber strukturell und funktionell anders:

PeptidStrukturForschungsschwerpunktZulassung
ThymalinMulti-Peptid-Komplex (KE, EW, EDP u.a.)Breite Immunregulation, GeroprotektionRussland (seit 1982)
Thymosin Alpha-1Einzelnes Peptid (28 Aminosäuren)Immunaktivierung, Hepatitis, COVID-1930+ Länder (als Zadaxin)
ThymulinEinzelnes Nonapeptid (Zink-abhängig)Immunreifung, neuroendokrine SignalgebungKeine Arzneimittelzulassung

Der wesentliche Unterschied: Thymalin ist ein Gemisch aus mehreren kurzen Peptiden und wirkt dadurch breiter, aber auch weniger präzise definierbar als ein einzelnes Peptid wie Thymosin Alpha-1. Die Dosen der verschiedenen Thymus-Peptide sind nicht untereinander übertragbar.

Nebenwirkungen und Risiken

In den publizierten Studien werden folgende Nebenwirkungen berichtet:

  • Lokale Reaktionen an der Injektionsstelle: Rötung, Schmerz, leichte Schwellung [2]
  • Kontraindikationen laut russischem Label: Schwangerschaft, Stillzeit, individuelle Überempfindlichkeit gegen Thymus-Präparate [6]

Es gibt keine systematischen Langzeit-Sicherheitsdaten außerhalb der russischen Studien. Auch fehlen Daten zu Dosisanpassungen bei Nieren- oder Leberfunktionsstörungen [6]. Die subkutane Anwendung im Graumarkt hat keine kontrollierte Sicherheitsbewertung durchlaufen [7].

Was ist NICHT bekannt?

  • Unabhängige Replikation: Fast alle Humanstudien stammen von Khavinson und Mitarbeitern am St. Petersburger Institut für Bioregulation und Gerontologie. Westliche, unabhängige Replikationsstudien fehlen.
  • Keine FDA/EMA-Zulassung: Thymalin ist außerhalb Russlands und einzelner GUS-Staaten nicht als Arzneimittel zugelassen.
  • Keine Pharmakokinetik: Da Thymalin ein Multi-Peptid-Gemisch ist, gibt es keine veröffentlichten Cmax/Tmax-Daten oder Halbwertszeiten für den Gesamtkomplex.
  • Subkutane Anwendung unbelegt: Die im Graumarkt übliche s.c.-Gabe hat keine kontrollierte Studienbasis.
  • Molekularer Mechanismus (DNA/Hisson-Bindung der Kurzpeptide) ist vorwiegend in vitro belegt; die Übertragung auf den lebenden Organismus ist nicht vollständig geklärt.

Wenn du dich für den Kauf von Peptiden im Graumarkt interessierst, lies unbedingt die Hinweise zum Schutz beim Bestellen, da Qualität, Reinheit und Echtheit von Graumarkt-Produkten nicht garantiert sind. Einen Überblick über weitere Wirkstoffe findest du in der Peptid-Bibliothek.

Evidenz im Überblick

Forschungsstand
Das Medikament ist in Russland seit 1982 zugelassen [1]. Eine offizielle Zulassung durch die FDA oder EMA gibt es nicht. Die wissenschaftliche Datenbasis stammt überwiegend aus russischen Forschungsarbeiten. Eine randomisierte kontrollierte Studie bei schwerem COVID-19 (10 mg/Tag i.m. für 10 Tage, n=36 vs. n=44) zeigte bei älteren Patienten eine Halbierung der Krankenhausmortalität [2]. Eine klinische Langzeitstudie über 6-12 Jahre untersuchte die Lebensverlängerung unter Gabe von Thymalin und Epithalamin [3]. Weitere Arbeiten analysieren die Stammzelldifferenzierung [4] und die Immunmodulation [5].
Human-Evidenz
Klinische Humanstudien belegen vielfältige immunmodulierende Effekte: Frühe Untersuchungen ab 1982 dokumentierten eine Immunmodulation bei unterschiedlichen Immunpathologien [1]. Bei COVID-19 zeigte sich eine Normalisierung von Lymphozyten, Monozyten und NK-Zellen sowie der Entzündungsmarker CRP und D-Dimer [2]. In einer 6-12-Jahres-Studie an älteren Patienten wurden eine Verbesserung immunologischer Parameter sowie eine verlängerte Lebensdauer nachgewiesen [3], während In-vitro-Untersuchungen an humanen Zellen die Aktivierung der Differenzierung hämatopoetischer Stammzellen belegen [4].
Dosierungen in Studien & Praxis
Laut russischem Arzneimittellabel nehmen Erwachsene üblicherweise 5-20 mg pro Tag intramuskulär über 3-10 Tage ein. Das ergibt eine Gesamtdosis von 30-100 mg pro Kur. Eine Wiederholung ist nach 1-6 Monaten möglich [2][6]. In einer COVID-19-RCT wurden 10 mg in 2 mL 0,9% NaCl täglich über 10 Tage intramuskulär gegeben [2]. Das geroprotektive Protokoll nach Khavinson sieht 5-10 mg pro Tag intramuskulär über 5-10 Tage vor, ein- bis zweimal jährlich, teils kombiniert mit Epithalamin [3]. Auf dem Graumarkt wird das Mittel oft subkutan in ähnlicher Dosierung gespritzt, aber dafür gibt es keine kontrollierte Studienbasis [7]. Zum Anmischen löst du 10 mg Lyophilisat in 1-2 mL 0,9% NaCl, verwendest die Lösung sofort und lagerst sie nicht [6].
Risiken & Nebenwirkungen
Zu den dokumentierten Nebenwirkungen zählen vor allem lokale Reaktionen an der Injektionsstelle wie Rötungen oder Schmerzen [2]. Laut russischem Label ist die Anwendung bei Schwangerschaft, Stillzeit sowie individueller Überempfindlichkeit kontraindiziert [6]. Außerhalb russischer Studien fehlen systematische Langzeitdaten zur Sicherheit, und auch zu älteren Patienten mit Nieren- oder Leberfunktionsstörungen liegen keine Daten vor [6]. Für die subkutane Selbstanwendung über den Graumarkt existiert zudem keine kontrollierte Sicherheitsbewertung [7].
Forschungslücken
Die wissenschaftliche Studienlage zu Thymalin stützt sich fast ausschließlich auf Humanstudien russischer Institute (Khavinson und Mitarbeiter); eine unabhängige Replikation durch westliche Forschungsgruppen fehlt bislang. Für das Peptidgemisch liegen weder westliche Zulassungsstudien noch eine Zulassung durch Behörden wie FDA oder EMA vor. Veröffentlichte Pharmakokinetik-Daten (wie Cmax und Tmax) fehlen, da Thymalin ein Multi-Peptid-Gemisch darstellt. Auch die Langzeit-Sicherheit einer subkutanen Graumarkt-Anwendung ist nicht untersucht. Auf molekularer Ebene ist der Wirkmechanismus (DNA- und Histon-Bindung der Kurzpeptide) vorwiegend in vitro belegt.

Redaktionell aus Primärquellen belegt - keine ärztliche Beratung.

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