Melanocortin-Peptide

Melanotan II

Melanotan II (MT-II) ist ein im Labor hergestellter Wirkstoff, der - ähnlich wie ein körpereigenes Hormon - mehrere Andockstellen im Körper gleichzeitig aktiviert. Erforscht wurde er als Bräunungsmittel ohne Sonne und als Luststeigerer, ist aber wegen schwerer Nebenwirkungen weltweit für keine Anwendung zugelassen. Fachlich ist MT-II ein nicht-selektives Analogon des körpereigenen α-MSH (ein synthetisches Peptid), das im Verdacht steht, Hautkrebs zu begünstigen.

Auf Etiketten, in Preislisten und in der Community auch als: MTII

Redaktion ·Aktualisiert ·9 Quellen ·evidenz-bewertet ·unabhängig & werbefrei

Übliche Anwendung aus Studien

Wie dieses Peptid üblicherweise angewendet wird - beschrieben, nicht empfohlen.

Wie oft
alle 2 Tage
Darreichungsform
Injektion

In den Studien wurde etwa 0,025 mg pro Kilogramm Körpergewicht jeden zweiten Tag für insgesamt 5 Gaben subkutan (unter die Haut) gespritzt. Da alle Studienangaben auf das Körpergewicht bezogen sind, lässt sich ohne bekanntes Gewicht keine feste Milligramm-Menge nennen. In einer Phase-I-Studie wurde zudem täglich an Wochentagen über 2 Wochen getestet, beginnend bei 0,01 mg/kg mit Steigerung. Diese Protokolle sind experimentell und nicht als sichere Richtlinie validiert; der unregulierte Gebrauch wird als stark variabel und teils gefährlich hoch beschrieben.

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Stand

Melanotan II (MT-II) ist ein synthetisches Peptid und Analogon des körpereigenen α-Melanozyten-stimulierenden Hormons (α-MSH). Es wirkt als unselektiver Agonist an den Melanocortin-Rezeptoren MC1R, MC3R, MC4R und MC5R und ist weltweit für keine medizinische Indikation zugelassen - weder als Bräunungsmittel noch als Sexualtherapeutikum. Aufgrund erheblicher gesundheitlicher Risiken warnen Behörden wie das deutsche BfArM, die FDA und die australische TGA ausdrücklich vor dem Konsum.

Wirkstoff Klasse / Mechanismus Effektgröße / Wirkung Zulassungs-Status
Melanotan II (MT-II) Nicht-selektiver MC1R/MC3R/MC4R/MC5R-Agonist Starke Bräunung, Libido-Steigerung, extreme Nebenwirkungen Weltweit unzugelassen, Entwicklung gestoppt
Afamelanotid (Melanotan I) Selektiverer MC1R-Agonist Förderung der Pigmentierung (ohne starke Libido-Effekte) Zugelassen (EMA) für Erythropoetische Protoporphyrie
Bremelanotid (PT-141) MC3R/MC4R-Agonist (vorrangig MC4R-vermittelt für sexuelle Erregung) Steigerung der sexuellen Erregung Zugelassen (FDA) für hypoaktive Sexualerregungsstörung

Was ist Melanotan II?

Melanotan II (MT-II), oft als sogenannte „Barbie-Droge" bezeichnet, ist ein synthetisches Peptid und strukturelles Analogon des körpereigenen Alpha-Melanozyten-stimulierenden Hormons, das ursprünglich zur Erzeugung einer sonnenbräunungsähnlichen Pigmentierung ohne UV-Strahlung entwickelt wurde, jedoch weltweit für keine einzige medizinische oder kosmetische Indikation zugelassen ist.

Erforscht in den 1980er- und 1990er-Jahren an der University of Arizona, verfolgte MT-II das Ziel, einen pharmakologischen Lichtschutz zu schaffen. In den ersten klinischen Studien zeigte sich neben der bräunenden auch eine stark luststeigernde Wirkung, weshalb die Substanz heute als illegales Lifestyle-Mittel auf dem Graumarkt kursiert. Keine Arzneimittelbehörde hat den Wirkstoff je für den menschlichen Gebrauch freigegeben. Die pharmazeutische Weiterentwicklung wurde um 2003 wegen des inakzeptablen Nebenwirkungsprofils komplett eingestellt.

Wie wirkt Melanotan II?

MT-II wirkt als hochgradig nicht-selektiver Agonist an vier Melanocortin-Rezeptoren im Körper, wodurch es elementare Prozesse wie die Hautpigmentierung, die sexuelle Erregung und den Energiehaushalt gleichzeitig und meist unkontrollierbar beeinflusst, was den Hauptgrund für das extreme Nebenwirkungsprofil der Substanz darstellt.

Im Gegensatz zu spezifischeren Peptiden bindet MT-II breitflächig im Körper. Über den MC1R-Rezeptor auf den Hautzellen (Melanozyten) wird die Produktion des Hautfarbstoffs Melanin massiv angekurbelt. Die zentralen Rezeptoren MC3R und MC4R im Gehirn modulieren derweil die sexuelle Erregung und unterdrücken den Appetit. Die Stimulation des MC5R-Rezeptors beeinflusst exokrine Drüsen. Diese fehlende Selektivität ist pharmakologisch problematisch, da sie eine Wirkstoffkaskade auslöst, die der Körper nicht natürlich regulieren kann.

Wie wirksam ist Melanotan II?

Die Wirksamkeit von Melanotan II bezüglich einer intensiven Hautbräunung und der massiven Steigerung der sexuellen Erregung wurde in frühen klinischen Phase-I-Studien eindeutig und zweifelsfrei nachgewiesen, was paradoxerweise genau der Grund ist, warum die Substanz heute illegal als Lifestyle-Mittel gehandelt wird.

In den Tests aus den späten 1990er und frühen 2000er Jahren zeigte sich, dass der Bräunungseffekt bereits nach wenigen Injektionen sichtbar eintrat. Probanden berichteten von einer starken Zunahme der Libido und spontanen Erektionen. Aufgrund dieser sehr potenten, aber unkontrollierten Wirkung isolierten Forscher später den Wirkstoff Bremelanotid (PT-141) für medizinische Zwecke. Das ursprüngliche MT-II wurde verworfen, da die bräunende und luststeigernde Wirkung untrennbar mit schweren, teils lebensbedrohlichen Nebenwirkungen verbunden war.

Dosierung: was die Studien zeigen - und der Verlauf

In der historischen Forschung wurden typischerweise subkutane Dosen von etwa 0,025 mg pro Kilogramm Körpergewicht jeden zweiten Tag für insgesamt 5 Anwendungen untersucht, was jedoch rein experimentellen Charakter hatte und ausdrücklich keine sichere Anwendungsempfehlung für den unregulierten Freizeitgebrauch darstellt.

Die Studien zeigten, dass Pigmentveränderungen oft schon nach der fünften Dosis auftraten. Da MT-II keine offizielle Zulassung besitzt, existieren keine validierten, sicheren Dosierungsrichtlinien für den Freizeitgebrauch. Anwender auf dem Schwarzmarkt setzen oft willkürliche, teils gefährlich hohe Dosen an. Die folgende Tabelle spiegelt ausschließlich das historische Studienprotokoll wider.

Phase / Typ Historische Dosis Ziel / Hinweis
Phase-I-Studie (studienvalidiert) ca. 0,025 mg / kg Körpergewicht Subkutane Injektion jeden zweiten Tag (für max. 5 Dosen). Extreme Rate an Übelkeit.
Schwarzmarkt-Gebrauch (konservative Orientierung) Stark variabel (oft zu hoch) Keine sichere Dosis existent. Hohes Risiko für Priapismus und Herzkreislauf-Beschwerden.

Handhabung & Lagerung: Das Schwarzmarkt-Problem

Da Melanotan II meist als lyophilisiertes Pulver gehandelt wird, das vor der Injektion mit Flüssigkeit aufgemischt werden muss, oder als Nasenspray angeboten wird, unterliegen alle verfügbaren Präparate auf dem Markt keinerlei behördlicher Prüfung, was die Anwendung extrem riskant macht.

Das BfArM warnt ausdrücklich vor dem Kauf solcher Schwarzmarktprodukte. Die Reinheit und Sterilität der Substanzen sind völlig ungesichert; Verunreinigungen durch Bakterien oder falsche Lösungsmittel sind bei unregulierten Forschungschemikalien keine Seltenheit. Eine sachgerechte Lagerung oder aseptische Handhabung durch Laien ist beim Aufziehen in Spritzen kaum gewährleistet, was das Risiko für schwere Infektionen, Abszesse und Gewebsschäden drastisch erhöht.

Nebenwirkungen und häufige Fehler

Zu den gefährlichsten und akutesten Nebenwirkungen gehören praktisch immer sofort auftretende extreme Übelkeit, starke Blutdruckschwankungen sowie schmerzhafte Dauererektionen, während langfristig vor allem beunruhigende Hautveränderungen durch plötzliche Neubildung und massive Verdunkelung von Muttermalen auftreten, die das Erkennen von Hautkrebs extrem erschweren.

Die systemische Stimulation der Melanozyten kann zu atypischen, unnatürlich dunklen Hautverfärbungen führen. Fallberichte belegen, dass diese starken dermatologischen Veränderungen die Diagnose eines echten, lebensgefährlichen schwarzen Hautkrebses (Melanom) verschleiern können. Die australische Behörde TGA dokumentierte in Nebenwirkungsmeldungen zu MT-II auch Melanomfälle; ein kausaler Zusammenhang wird zwar diskutiert, ist aber durch fehlende Langzeitstudien schwer endgültig zu beweisen.

  • Übersehen von Hautveränderungen: Das plötzliche Auftreten oder die starke Verdunkelung von Muttermalen wird fälschlicherweise nur als erwünschter Bräunungseffekt abgetan, was die Früherkennung von gefährlichem Hautkrebs massiv erschwert.
  • Ignorieren von Herz-Kreislauf-Symptomen: Starke Übelkeit, Schwindel und Flushes werden als normaler Teil der Wirkung hingenommen, obwohl sie auf eine Überdosierung und kritische Blutdruckveränderungen hindeuten.
  • Verwechslung mit Melanotan I: Oft wird MT-II mit Afamelanotid verwechselt, welches für bestimmte Hautkrankheiten verschreibungspflichtig zugelassen und völlig anders dosiert ist.
  • Unhygienisches Anmischen: Durch den Kauf auf dem Schwarzmarkt und unsauberes Aufziehen der Spritzen ohne medizinisches Fachwissen kommt es häufig zu gefährlichen lokalen Hautinfektionen.

Zulassung und rechtlicher Status

Melanotan II besitzt weltweit für absolut keine medizinische oder kosmetische Indikation eine offizielle Arzneimittelzulassung und wird von nationalen Behörden wie dem deutschen BfArM, der britischen MHRA oder der australischen TGA aufgrund unberechenbarer Gesundheitsgefahren strengstens abgelehnt, weshalb der jegliche Vertrieb illegal ist.

Während der pharmazeutische Vorläufer Melanotan I (Afamelanotid) für die Behandlung der erythropoetischen Protoporphyrie (EPP) offiziell zugelassen ist, gilt dies für MT-II nicht. Aufgrund der akuten Gefahren für das Herz-Kreislauf-System und des unkalkulierbaren Hautkrebsrisikos hat das deutsche BfArM scharfe Warnungen ausgesprochen. In Australien wurde die Substanz streng reguliert (Schedule 9), und auch in den USA und der EU greifen strenge Verbote für den Verkauf als Kosmetikum oder Arzneimittel.

Evidenz im Überblick

Forschungsstand
Melanotan II (MT-II) ist ein synthetisches, zyklisches Peptid-Analogon des α-Melanozyten-stimulierenden Hormons (α-MSH) und nicht-selektiver Melanocortin-Rezeptor-Agonist, der für keine therapeutische Indikation zugelassen ist [7]. Die Human-Evidenz beschränkt sich auf kleine, ältere Studien (1996-2000) sowie Einzelfallberichte [1, 2, 8, 14]. Eine laufende Phase-2-Studie untersucht MT-II bei Vitiligo [9]. Präklinische Tierstudien zeigen Effekte auf Hautpigmentierung, Stoffwechsel, Thermogenese und sexuelle Funktion, erlauben aber keine direkte Übertragung auf den Menschen [10, 19, 20, 23, 24]. MT-II ist in mehreren Ländern, darunter Bulgarien, unreguliert bzw. illegal [3]. Die FDA-Datenbank führt MT-II, enthält im vorliegenden Auszug jedoch keine Zulassungsangabe [17].
Human-Evidenz
Die kontrollierten Humanstudien sind klein, stammen aus den Jahren 1996 bis 2000 und untersuchten vor allem akute Wirkungen auf Erektion und sexuelles Verlangen [1, 2, 8, 14]. Eine Phase-I-Pilotstudie (1996) an 3 gesunden Männern berichtete milde Übelkeit, Somnolenz, Müdigkeit sowie spontane penile Erektionen [1]. In doppelblinden, placebokontrollierten Crossover-Studien führte MT-II bei Männern mit psychogener und organischer erektiler Dysfunktion (ED) zu Erektionen [2, 8, 14]. Die mittlere Dauer der RigiScan-Spitzentrigidität über 80 % betrug 38,0 Minuten (vs. 3,0 Minuten Placebo) [8] bzw. 41 Minuten [2]. Gesteigertes sexuelles Verlangen wurde nach 68 % der MT-II-Dosen vs. 19 % der Placebo-Dosen berichtet [2]. Eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Phase-2-Studie (NCT07437560) untersucht derzeit MT-II als Zusatz zur NB-UVB-Phototherapie bei Erwachsenen mit stabilem nicht-segmentalem Vitiligo (Rekrutierungsstatus, Start: Februar 2026) [9].
Dosierungen in Studien & Praxis
Die folgenden Angaben sind ausschließlich aus den bereitgestellten Studien übernommen und stellen keine Empfehlung dar. In der Phase-I-Studie (1996) betrug die Ausgangsdosis 0,01 mg/kg subkutan, täglich (Mo-Fr) über 2 Wochen, mit Steigerung in 0,005-mg/kg-Schritten bis 0,03 mg/kg bzw. 0,025 mg/kg bei einzelnen Teilnehmern [1]. In den ED-Studien (1998, 2000) wurde 0,025 mg/kg subkutan als Einzeldosis verabreicht [2, 8, 14]. In einer Rattenstudie zum Verhalten wurde eine Einzeldosis von 2 mg/kg intraperitoneal verwendet [20].
Risiken & Nebenwirkungen
Aus Fallberichten gehen schwerwiegende Vorfälle im Zusammenhang mit der unautorisierten Nutzung hervor: Systemische Toxizität und Rhabdomyolyse [5], Niereninfarkt [6] sowie Priapismus [16]. Ein Fallbericht dokumentiert die Entwicklung eines kutanen Melanoms bei einer 20-jährigen Frau in Kombination mit Sonnenbänken, wobei ein gesicherter kausaler Zusammenhang mit MT-II allein nicht ableitbar ist [15]. Weitere berichtete Risiken umfassen Veränderungen der Mundschleimhaut bzw. gingivale Verfärbungen [3] und eruptive melanozytäre Nävi [6, 7]. Häufige Nebenwirkungen aus den klinischen Studien waren Übelkeit, Gähnen, Dehnen und verminderter Appetit [2, 8]. Eine qualitative Analyse von Online-Diskussionsforen beschreibt selbstberichtete Nutzungsmuster ohne kontrollierte Sicherheits- oder Wirksamkeitsdaten [4].
Forschungslücken
Ein belastbarer Nachweis für eine sichere kosmetische Bräunungsanwendung oder für die Langzeitsicherheit liegt in den bereitgestellten Quellen nicht vor [1, 2, 8, 14]. Präklinische Tierstudien erlauben keine direkte Übertragung der Effekte auf den Menschen [10, 19, 20, 23, 24]. Ein gesicherter kausaler Zusammenhang zwischen MT-II und der Entstehung von Melanomen lässt sich aus dem vorhandenen Fallbericht nicht ableiten [15]. Zudem fehlen für die in Online-Foren diskutierte Nutzung kontrollierte Sicherheits- oder Wirksamkeitsdaten [4].

Redaktionell aus Primärquellen belegt - keine ärztliche Beratung.

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