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Anleitung
Zwei Peptide in einer Spritze: Backloading und Co-Drawing
Zwei fertig angesetzte Fläschchen, ein Einstich statt zwei. Wie das Aufziehen abläuft, warum die Luft zuerst in beide Fläschchen geht - und wo die Belege dafür aufhören.
Du hast zwei fertig angesetzte Fläschchen vor dir und willst dich nicht zweimal hintereinander stechen. Beide Teilmengen nacheinander in dieselbe Spritze zu ziehen, geht - und der heikle Punkt dabei ist nicht die Nadel, die in beide Fläschchen geht. Es ist die Luft. Wer aus einem Fläschchen zieht, muss vorher Luft hineindrücken, und genau dabei kann Flüssigkeit aus der Spritze in das zweite Fläschchen gelangen. Das dokumentierte Verfahren löst das, indem beide Fläschchen ihre Luft bekommen, bevor überhaupt etwas gezogen wird.
Warum zwei Teilmengen in eine Spritze aufziehen?
Zwei Teilmengen in einer Spritze zu kombinieren dient rein der Reduktion von zwei Einstichen auf eine einzige Injektion. Dies ist eine rein mechanische Vorgehensweise zum Zusammenführen bereits gelöster Flüssigkeiten, ohne eine Aussage über die pharmazeutische Verträglichkeit oder den therapeutischen Nutzen bestimmter Kombinationen zu treffen.
Warum ist der Druckausgleich beim Aufziehen aus Fläschchen kritisch?
Ein Fläschchen mit Gummistopfen ist ein geschlossenes System, in dem beim Entnehmen von Flüssigkeit ein hemmender Unterdruck entsteht. Vor dem Aufziehen muss daher exakt das Volumen an Luft hineingedrückt werden, das anschließend als Flüssigkeit entnommen werden soll, um den Druck im Fläschchen auszugleichen.
Bei zwei Fläschchen entscheidet die Reihenfolge darüber, ob dabei etwas ins falsche Fläschchen gerät. Drückst du Luft in das zweite Fläschchen, während schon Flüssigkeit aus dem ersten in der Spritze ist, drückst du zwangsläufig etwas davon mit hinein. Das zweite Fläschchen ist danach nicht mehr das, was auf dem Etikett steht - und du benutzt es noch wochenlang weiter.
Wie funktioniert der Ablauf beim Aufziehen zweier Lösungen Schritt für Schritt?
Der Ablauf für das Mischen zweier Lösungen in einer Spritze stammt aus der Patientenschulung für Insulin und regelt den Druckausgleich vorab. Bei diesem Verfahren wird zuerst in beide Fläschchen Luft injiziert, bevor die erste Flüssigkeit in den Zylinder gezogen wird:
- Zuerst Luft in das Fläschchen drücken, aus dem zuletzt aufgezogen werden soll - exakt in Höhe der geplanten Teilmenge, ohne danach Flüssigkeit aufzuziehen.
- Danach Luft in das Fläschchen drücken, aus dem zuerst aufgezogen wird, die Nadel im Stopfen belassen und die erste Teilmenge direkt aufziehen.
- Die Nadel herausziehen und die exakte Dosis der ersten Teilmenge in der Spritze kontrollieren.
- Die Nadel in das zweite Fläschchen einstechen und die zweite Teilmenge aufziehen, ohne erneut Luft hineinzudrücken.
Als Grund für die Luft nennen die Schulungsunterlagen den Druckausgleich. Dass diese Reihenfolge zugleich verhindert, dass die erste Flüssigkeit in das zweite Fläschchen gedrückt wird, ist eine Folge der Schrittfolge - als Zweck steht es dort nicht.
Warum bleibt die Nadel beim Aufziehen beider Lösungen dieselbe?
Dokumentierte Protokolle verwenden für beide Fläschchen durchgehend dieselbe Spritze samt Nadel ohne zwischenzeitlichen Nadelwechsel. Die Fachliteratur dokumentiert diesen Ablauf als Standardpraxis, liefert jedoch keine explizite Begründung für den Verzicht auf einen Nadelwechsel.
Welche Regeln gelten für die Reihenfolge beim Mischen zweier Lösungen?
Eine feste Reihenfolge beim Aufziehen ist in der Fachliteratur nur für Insulin dokumentiert, wo stets zuerst die klare Lösung und danach die trübe Suspension aufgezogen wird. Diese Regel dient dazu, eine Verschleppung fester Partikel aus der Suspension in das Fläschchen mit der klaren Lösung zu verhindern.
Für zwei klare, vollständig gelöste Flüssigkeiten ohne Partikel existiert keine wissenschaftlich belegte Reihenfolgeregel. Da bei zwei klaren Lösungen keine Partikelverschleppung droht, lässt sich die Insulin-Vorgabe nicht übertragen; angebliche Reihenfolgevorgaben für klare Lösungen beruhen rein auf persönlicher Gewohnheit.
Warum ist der Totraum der Spritze beim Mischen wichtig?
Der Totraum ist das nicht ausstoßbare Restvolumen im Nadelansatz einer Spritze, das die Dosiergenauigkeit und Verschleppungsmenge bestimmt. Eine Insulinspritze mit fest integrierter Nadel besitzt einen minimalen Totraum von rund 2 Mikrolitern, während Spritzen mit aufgesetzter Nadel rund 32 Mikroliter oder nach Norm noch deutlich mehr Restvolumen aufweisen.
Beim Mischen zweier Teilmengen wirkt sich dieser Totraum doppelt aus: Er beeinflusst die Dosierpräzision und bestimmt die Restmenge der ersten Lösung, die beim Einstich in das zweite Fläschchen getragen wird. Ein minimaler Totraum reduziert diese Verschleppungsmenge auf das kleinstmögliche Maß.
Was ist Backloading und welche Risiken birgt die Methode?
Backloading ist eine Entnahmemethode, bei der der Kolben aus der Spritze entfernt wird, um eine zweite Flüssigkeit von hinten in den offenen Zylinder einzufüllen. Der theoretische Vorteil besteht darin, dass die Spritzennadel das zweite Fläschchen nicht berührt.
Der Preis steht dem gegenüber. Hygienevorgaben behandeln den Kolbenschaft als kontaminierte Fläche - die Regel lautet, den Kolben nur an der Stempelplatte anzufassen -, und beim Backloading geht genau diese Fläche zurück in die Flüssigkeit. Vor dem Backloading selbst warnt allerdings keine der Quellen; diese Übertragung ist eine Folgerung aus der allgemeinen Vorgabe. Beschrieben ist Backloading in der Fachliteratur nur für das Aufteilen einer Flüssigkeit auf mehrere Spritzen, wo es als möglicher Übertragungsweg für Infektionen diskutiert wird - nicht für das Zusammenführen zweier Lösungen.
Welche Hygieneregeln gelten für jedes Mehrdosen-Fläschchen?
Vor jeder Entnahme aus einem Mehrdosen-Fläschchen muss der Gummistopfen desinfiziert werden und vollständig abtrocknen, während die Flüssigkeit vorab auf Klarheit, Schlieren und Partikel geprüft werden muss. Zudem erfordert jede Entnahme eine frische, sterile Nadel sowie eine durchgehend kühle Lagerung.
Studien zeigen widersprüchliche Ergebnisse zur Kontamination: Während Laborsimulationen belegen, dass benutzte Nadeln Mehrdosen-Fläschchen kontaminieren können, stuften Untersuchungen auf Pflegestationen die bakterielle Belastung im realen Betrieb als gering ein. Dieser wissenschaftliche Widerspruch ist in der Literatur bislang nicht abschließend aufgelöst.
Wo liegen die Grenzen der wissenschaftlichen Belege für das Mischen in der Spritze?
Die Dokumentation des kombinierten Aufziehens unterliegt drei klaren wissenschaftlichen Grenzen, die eine pauschale Sicherheitsaussage ausschließen:
- Das Verfahren ist ausschließlich für Insulin wissenschaftlich dokumentiert und keine Studie überträgt es auf andere Substanzen.
- Ob sich zwei bestimmte Flüssigkeiten in einer Spritze vertragen, ist nicht untersucht. Es gibt allgemeine Faktoren, an denen so etwas scheitert - Säuregrad, Puffer, Konservierungsmittel, Ausfällung -, aber keine Daten für konkrete Kombinationen außerhalb der Klinik.
- Zum Einfluss von Luftblasen und zur tatsächlichen Ablesegenauigkeit bei zwei nacheinander aufgezogenen Teilmengen liegen keine systematischen Untersuchungen vor.
Das ist keine Vollständigkeit, die noch fehlt - das ist der aktuelle Stand der Literatur.
Keine medizinische Beratung.
Quellen
- Chapter 18: Administration of Parenteral Medications - Nursing Skills (NCBI Bookshelf)
- 12.3 Preparing Unit-Dose Packaged Medications - Clinical Nursing Skills (OpenStax)
- Giving an insulin injection - MedlinePlus (NIH)
- Mixing two types of insulin in one syringe - Washington State DSHS
- How to prepare mixed-dose insulin with a syringe - Kaiser Permanente
- Steps to Draw Up and Inject Insulin - UW Health
- How to prepare a mixed dose of insulin - UPMC Health Library
- Best-Practice-Empfehlungen zur Injektion bei Diabetes mellitus (FIT Guidelines Schweiz)
- Iatrogenic contamination of multidose vials in simulated use - PubMed
- Bacterial contamination of multiple-dose vials - PubMed
- Multidose vials versus single-dose vials: sterility and cost-effectiveness - PMC
- Bacterial contamination of single- and multiple-dose vials after multiple use - PMC
- Injection Safety: Single-Dose or Multi-Dose Vials - CDC
- Injection providers guide for safe injections - WHO
- Recovering infectious HIV from syringe-needle combinations with low dead space volumes - PMC
- Estimated quantification of residual volume in vaccine supplies (ISO 7886-1) - SciELO
- Langes Ueberleben von Hepatitis C in Spritzen (Totraum fest/aufgesetzt) - infekt.ch
- Backloading: a new risk factor for HIV among injecting drug users - PubMed
- Preparing yourself and your equipment - Injection Safety Manual, National Harm Reduction Coalition
- Injektionen: Hygienemassnahmen (Kolbenhandhabung) - Institut fuer Med. Mikrobiologie, Uni Rostock
- Injektions- und Infusionsloesungen: Hygienemassnahmen bei Vorbereitung und Verabreichung - KV Sachsen-Anhalt